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Bad Belzig Bürokratie bremst Motivation der Schüler
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12:56 07.02.2014
Noch ist unklar, ob der Kurs zum Erlangen der erweiterten Berufsbildungsreife stattfinden kann. Quelle: dpa
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Bad Belzig

„Ich kann zum einen mein Wissen vom Förderschulabschluss auffrischen und den 10. Klasse-Abschluss anstreben“, sagt Anne-Marie Anger, 21-jährige zweifache Mutter. „Zum anderen will ich beweisen, dass ich so eine lange Zeit durchstehe."

Noch steht jedoch in den Sternen, ob der Kurs wirklich stattfindet. Zumindest wird die Agentur für Arbeit keine Interessenten zur SPI-Stiftung schicken, die es unterbreitet. Denn es handelt sich laut Auffassung der Behörde um eine Offerte, die nach Inhalt und Dauer nicht dem Sozialgesetzbuch III, Paragraf 45, entspricht, wie Gerhard Pollnow der MAZ auf Anfrage erklärt hat. Entsprechend der gesetzlichen Aufgabe würden demnach Alternativen für die Betroffenen gesucht, sagt der operative Geschäftsführer im Agenturbezirk Potsdam.

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Im Bad Belziger Jugendfreizeitzentrum Pogo, das zur SPI-Stiftung gehört und wo 2012/13 solch ein Kurs zum Nachholen des Schulabschlusses stattgefunden hatte, gibt es deshalb lange Gesichter. Seinerzeit erfolgte der Zugang für die jungen Leute zwar per Bildungsgutschein nach Sozialgesetzbuch, Paragraf 81. Nur auf dessen Grundlage könnten laut Agentur jetzt die potenziellen Teilnehmer entsendet werden. Nicht aber per Aktivierungsgutschein nach Paragraf 45.

Dabei hatte sich die SPI-Stiftung – wie allgemein vorgeschrieben – den Lehrgang bei einer Fachstelle zertifizieren lassen. Nach dieser Begutachtung hat es gar eine Registriernummer für den Bildungsgang – einschließlich Zugangsförderung nach Paragraf 45 – bei der Agentur für Arbeit gegeben. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine formelle Eintragung ohne Prüfung oder gar Anerkennung der Maßnahme, wie die Behörde jetzt erklärt.

„Es mag sein, dass die Agentur zu einer anderen Beurteilung kommt. Aber genau deshalb hat es vorab vielfach Beratungen in einer Steuerungsrunde mit allen Beteiligten gegeben, wo das Problem nie zur Sprache gekommen ist“, sagt Olaf Görisch. Er hält erneut bei der SPI-Stiftung die organisatorischen Fäden für diese Qualifizierung in den Händen. Nachdem bei der Premiere des Angebotes in Bad Belzig ausschließlich der Abschluss für die 10. Klasse binnen zwölf Monaten als Ziel ausgegeben und die Erfolgsquote mit weniger als 20 Prozent relativ gering war, sind Veränderungen vereinbart worden. Das betrifft neben der Verlängerung des Kurses auch die Tatsache, dass dem Paragraf 45 entsprechend wahlweise Abschlüsse der 9. oder 10. Klasse oder die Fachoberschulreife mit ins Auge gefasst werden – auch in Brandenburg/Havel, wo es mehr als zehn Interessenten gibt.

Zusätzlich erfolgt hier wie da eine umfassende sozialpädagogische Begleitung. So soll unbürokratisch professionelle Unterstützung bei persönlichen Schwierigkeiten oder Motivationsproblemen gewährleistet sein, damit sich Teilnehmer zielstrebig auf das Lernen konzentrieren können.

Nicht zuletzt sind Partner schon in die Pflicht gegangen: Unter anderem hat die Stadt Bad Belzig Plätze in Tagesstätten reserviert. „Ich habe mich erst nach reiflicher Überlegung entschlossen, meine vier Monate alte Tochter schon in die Betreuung zu geben“, sagt Anne-Marie Anger. Für den Streit der Bürokraten, über welchen Fonds die jungen Leute letztlich gefördert werden, hat sie wenig Verständnis. „Wenn jetzt nicht genügend Teilnehmer zusammen und die Kurse nicht zustande kommen, ist das jedenfalls nicht motivierend“, sagt die junge Frau. Das Gegenteil vom beabsichtigten Abbau von Vermittlungshemmnissen wäre ihrer Meinung nach der Fall.

Die Maia-Jobcenter, autonome Hartz-IV-Behörde unter dem Dach der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark, wird wohl aufgrund der bestehenden Zertifizierung, die Förderung ihrer Kunden als einzelfallbezogene Ausnahme deklarieren. Wie das städtische Jobcenter in Brandenburg/Havel, Gemeinschaftsbehörde von Kommune und Bundesagentur, entscheiden wird, ist noch unklar. Die Zeit aber drängt zum Unterrichtsauftakt. Denn am Ende steht im Mai 2015 ein unverrückbarer Prüfungstermin.

Von René Gaffron

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