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Bad Belzig Weil heimischer Nachwuchs fehlt: Reetzer Betrieb rekrutiert ausländische Mitarbeiter
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19:00 19.09.2019
Die Berufsorientierungstournee zum Thema grüne Berufe machte auch in der Elki Milchproduktion Halt. Der Reetzer Betrieb hat insgesamt 1400 Rinder in verschiedenen Leistungsklassen. Quelle: Hannah Rüdiger
Reetz

Die Elki Milchproduktion in Reetz ist ein erfolgreicher Betrieb. Täglich werden zwischen 33.000 und 35.000 Liter Milch produziert, was etwas mehr als einem Lkw entspricht. Auf dem Hof leben derzeit fast 1400 Rinder verschiedenen Alters, jeden Tag kommen neue hinzu.

Die Ernte hat dieses Jahr zwar nicht besonders viel abgeworfen und der Milchpreis war auch mal besser, aber Geschäftsführer Jan de Boer beschäftigt ein noch viel größeres Problem: Der Tierwirt findet einfach keine Azubis.

Eigentlich ist der Milchviehbetrieb ein attraktiver Arbeitgeber. Doch auch in Reetz ist zu spüren, dass die gesamte Branche mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat.

Kaum geeignete Bewerber

Bei ihm habe sich schon lange niemand mehr beworben, erzählt de Boer. „Und Leute zu finden, die gut mit Tieren und dem Personal umgehen können – und nicht nur mit einem davon – ist schwierig.“

Neben der Milchproduktion in Reetz führt der Niederländer drei weitere Betriebe in Deutschland, noch mehr Mitarbeiter beschäftigt er in Rumänien. Auf dem Hof in Reetz arbeiten nur 18 Festangestellte.

Den Rest der Arbeit übernehmen Leiharbeiter, Azubis gibt es gerade keine. Lange suchte de Boer nach einem geeigneten Betriebsleiter. Am Ende gab er die Stelle Fabio Jesus, der dafür aus Portugal herzog. Im Betrieb wird jetzt viel Englisch gesprochen.

Berufsorientierungshilfe für Lehrer

Gerade weil der Reetzer Hof Probleme bei der Azubi-Suche hat, wurde er für die Berufsorientierungstournee (BOT) ausgewählt. Organisiert wurde die BOT in diesem Jahr erstmals von mehreren Akteuren: Neben dem Netzwerk Zukunft haben sich unter anderem die Koordinierungsstelle Schule und Wirtschaft und der Kreisbauernverband beteiligt.

Die Tour richtet sich an Berufsberater und Lehrer, die Schülern bei der Berufswahl zur Seite stehen. Am Mittwoch führte Jan de Boer eine Gruppe von Lehrerinnen und Berufsberatern durch seinen Betrieb.

Jan de Boer führt neben dem Hof in Reetz drei weitere Betriebe in Deutschland. Quelle: Hannah Rüdiger

Landwirtschaft heuert immer öfter aus dem Ausland an

„Beim Tierwirt müssen zunehmend ausländische Hilfsarbeiter eingesetzt werden, weil den Beruf einfach niemand mehr machen will“, sagt Sylvia Herrmann von der Heimvolkshochschule am Seddiner See.

Mit dem Rundgang sollen die Lehrer und Berufsberater aus nächster Nähe erfahren, wie ein Milchviehbetrieb funktioniert. Dieses Wissen können sie dann in die Berufsberatung einfließen lassen. Dahinter steckt die Hoffnung, wieder mehr junge Menschen für landwirtschaftliche Berufe zu begeistern.

Zeigen, was die Region zu bieten hat

„Die Schüler sollen in der Region bleiben und sehen, was es hier an Arbeitsmöglichkeiten gibt“, erklärt Carola Schulz vom Netzwerk Zukunft. Doch dazu müsse man ihnen erstmal zeigen, was ihre Region zu bieten hat. Andernfalls wandert der Nachwuchs einfach weiter in die Stadt ab. „Mit Berufsorientierung muss man früh anfangen“, so Carola Schulz.

Dem Rundgang hat sich auch die Lehrerin Simone Maucher angeschlossen. Sie unterrichtet an der Förderschule Klein Machnow und wurde für die Berufsorientierungstournee freigestellt.

An ihrer Schule kümmert sie sich um die Berufsberatung von der fünften bis zur zehnten Klasse. „Die meisten Schüler wissen nicht, was sie einmal werden wollen“, erzählt sie.

Die Kälber verbringen ihre ersten Tage in Reetz in sogenannten Kälberhütten. Quelle: Hannah Rüdiger

Arbeit auf dem Hof schreckt ab

Für Landwirtschaft interessierten sich in der bevölkerungsreichsten Stadt des Landkreises allerdings nur die wenigsten. Für viele Schüler sei die Arbeit auf dem Bauernhof schlicht abschreckend. „Das ist vielen zu dreckig, körperlich zu schwer und dann nicht einmal so bezahlt, wie sie es gerne hätten“, sagt Simone Maucher. „Dafür muss man vielleicht einfach vom Dorf kommen.“

Sie könnte sich gut vorstellen, dem Reetzer Milchbetrieb einen Besuch mit ihren Schülern abzustatten. Vielleicht könnte sich doch noch jemand dafür begeistern lassen. Man müsste es ihnen einfach nur mal zeigen, findet Maucher.

Wissen, wovon man bei der Beratung spricht

Auch Andreas Mehl vom Jobcenter in Teltow wollte sich den Ausbildungsberuf des Tierwirts einmal genauer anschauen. „Von Landwirtschaft zu leben ist heute gar nicht mehr so einfach“, sagt er. Es sei für ihn schwer nachvollziehbar, wie 18 Mitarbeiter die Arbeit in einem Betrieb dieser Größenordnung bewältigen können.

Seiner Meinung nach müsste es viel öfter Exkursionen zu landwirtschaftlichen Betrieben geben – einfach, damit man bei der Berufsberatung weiß, wovon man spricht. „Es hilft wirklich, wenn man den Beruf mal live sieht“, sagt Andreas Mehl.

Teilnehmer und Organisatoren waren von dem Rundgang begeistert. Quelle: Hannah Rüdiger

Junge Leute tun Betrieben gut

Jan de Boer führt seine Gäste über eine Stunde lang durch den Betrieb. Er erklärt ihnen, wie viel Liter Milch eine Kuh am Tag produzieren kann, wie es um den Milchpreis steht und wie oft der Kuhstall ausgemistet werden muss.

Der Geschäftsführer hat nicht allzu viel Zeit; die Besucher haben ihn in der einzigen Woche im Monat erwischt, die er in Reetz verbringt. Am Ende sind trotzdem alle Organisatoren wie auch die Teilnehmer begeistert von der Milchproduktion in Reetz.

De Boer hofft, bald wieder Azubis für seinen Betrieb zu finden. „Es ist gut für unseren Betrieb, junge Leute ranzuholen“, erklärt der Niederländer. „Die bringen einen neuen Blick auf die Sache.“

Von Hannah Rüdiger

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