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Bad Belzig Besuch aus den USA folgt jüdischen Spuren der Familie
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Besuch aus den USA folgt jüdischen Spuren der Familie
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13:30 06.09.2018
Karen Knauf (2. von rechts) kam mit Ehemann und Söhnen aus Amerika nach Bad Belzig, wo ihr jüdischen Vorfahren lebten. Recherchiert haben dazu Benjamin Stamer (rechts) und Wolf Thieme (links). Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

Mehr als 1000 Besucher haben sich bereits in Bad Belzig die Ausstellung zum einstigen jüdischen Leben im damaligen Belzig und der Umgebung angesehen. Für die Organisatoren ist das ein unerwartet großer Erfolg, wie Benjamin Stamer sagt. Der 28-Jährige gehört einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe an, die über zwei Jahre hinweg zum Thema geforscht hatte.

Eine der Besucherinnen war nun Karen Knauf aus den USA. In Begleitung ihres Ehemanns William und der beiden Söhne Evan und Lowell Knauf kam sie für einen Kurzbesuch nach Bad Belzig.

Gemeinsam besuchten sie die Ausstellung in der Marienkirche und weitere Orte, die für die Familie von großer emotionaler Bedeutung sind. Verwandte von Karen Knauf, nämlich die jüdische Kaufmann-Familie Sachs, hatten bis zur Machtergreifung der Nazis in der Stadt gelebt.

Die jüdische Kaufmanns-Familie Sachs hat in Bad Belzig ihre Spuren auch in historischen Zeitungsinseraten hinterlassen. Quelle: Archiv Helga Kästner

Ihr ist eine der Ausstellungstafeln gewidmet. „Am 9. November 1938 wurde in der so genannten Reichspogromnacht das Geschäft des Belzigers Rudi Sachs zerstört“, erklärt Benjamin Stamer. Seine Großeltern Moses und Bertha Herrnberg hatten in der Innenstadt ’Herrnberg’s Warenhaus’ gegründet.

Rudi Sachs wurde im Verlauf der Übergriffe verhaftet und im KZ Sachsenhausen zum Verkauf seines Ladens gezwungen. Er floh nach Shanghai. Seine Mutter Ida Sachs folgte ihm kurz darauf nach und verstarb dort am 3. März 1944. Nach dem Krieg verließ Rudi Sachs Shanghai, immigrierte in die USA und ließ sich in San Francisco nieder, wo er 1992 verstarb“, berichter Stamer aus den Recherchen.

Ausstellung läuft bis 16. September

Die Ausstellung „Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933 - 1945“ ist am 21. August in der Bad Belziger Marienkirche eröffnet worden.

Sie wurde ein Überraschungserfolg für die Organisatoren vom Projektteam des Vereins Belziger Forum. Denn bereits zur ursprünglich jetzt geplanten Halbzeit am Mittwoch, konnte der 1008. Besucher begrüßt werden.

Wegen des Erfolges wird die Ausstellung nun verlängert bis Sonntag, 16. September. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 18 Uhr in der Marienkirche Bad Belzig.

Ins Gästebuch schrieben Besucher aus Bad Belzig unter anderem „Das hat uns sehr nachdenklich gemacht“ und „Wichtig in Zeiten von ansteigendem Rassismus, Fremdenhass und Antisemitismus“.

Der Bruder von Karen Knaufs Großvater Moritz war der Belziger Hugo Sachs. Er starb 1925. In dieser Folge musste Sohn Rudi frühzeitig in die beruflichen Fußstapfen des Vaters treten, und das Geschäft in der Sandberger Straße mit Mutter Ida weiterführen. So wie Rudi Sachs konnte auch Moritz Sachs nach 1938 über Shanghai in die USA fliehen.

„Die Ausstellung hat mein Herz sehr berührt“, sagt Karen Knauf im Anschluss bei einem Besuch im Info-Cafe „Der Winkel“. Bevor die Familie weiterreist, geht sie durch die Straßen der Stadt. Vorbei am ersten Stolperstein, der im vergangenen Herbst Dagobert Bornheim gewidmet wurde. Vorbei auch am früheren Warenhaus der Familie Sachs in der Sandberger Straße.

Auch dem kleinen, heute verwilderten Garten der Familie am Poetensteig, wo man aus den Erzählungen von Rudi Sachs fröhliche Stunden verlebte, will Karen Knauf an dem Tag unbedingt besuchen und ihrer Familie zeigen.

Rudi und Hugo Sachs mit Gästen im Garten am Poetensteig in Bad Belzig. Quelle: Archiv Benjamin Stamer

„Es ist wichtig, an die Geschichte zu erinnern. Die nächste Generation muss wissen, was damals passiert ist. Damit das nicht wieder geschieht“, sagt Karen Knauf vor der Weiterfahrt in das thüringische Themar. Dort will die Familie dabei sein, wenn unter anderem Stolpersteine vor dem Wohnhaus ihrer Eltern Hilda und Moritz Sachs verlegt werden, sagt die Amerikanerin.

Benjamin Stamer und Wolf Thieme, die die Gäste seitens der Projektgruppe durch Bad Belzig begleitet haben, berichteten ihnen bei der Gelegenheit von weiteren Vorhaben. So ist am 9. November ein großer Stadtrundgang geplant, der zu den Orten in der Stadt führt, in denen jüdisches Leben einst zu Hause war. Parallel ist ein Begleitbuch zum Thema in Arbeit.

Danach will sich die Projektgruppe für weitere Stolpersteine im Stadtgebiet engagieren. „Die Familie Knauf hat dem schon zugestimmt“, sagt Benjamin Stamer beim Besuch aus Amerika. Karen Knauf nickt bestätigend und sagt: „Hoffentlich gibt es eines Tages auch Stolpersteine für unsere Familie in Bad Belzig.“

Der erste Stolperstein in Bad Belzig wurde 2017 verlegt.

Von Christiane Sommer

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