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Bad Belzig Circus Moreno gastiert nach Streit mit Peta in Bad Belzig
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Circus Moreno gastiert nach Streit mit Peta in Bad Belzig
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20:28 13.09.2019
Die Zirkuskamele des Circus Moreno während der Show. Quelle: Hannah Rüdiger
Bad Belzig

Kurz vor dem Auftritt der großen Stars wird es dunkel im Circus Moreno. Der blau-gelbe Sternenhimmel des Zirkuszelts verschwindet hinter einer dichten Wand aus Nebel, den eine Maschine zischend in die Manege spuckt. Dann gehen die Scheinwerfer wieder an. Zwei Kamele lösen sich aus der weißen Wolke, auf einem davon reitet eine Prinzessin in orientalischem Gewand. Im Publikum brandet Applaus auf.

„Arabische Wüstenkamele“ heißt die Nummer, präsentiert von Leo Moreno. Es ist die Premiere des Zirkus-Gastspiels auf dem Bad Belziger Turnplatz. In den folgenden Minuten traben die Kamele mit wippenden Höckern durch die Manege, so nah an der Absperrung, dass die Kinder in der ersten Reihe sie berühren könnten.

Auf Kommando steigen die Tiere mit ihren Vorderbeinen auf Metallhocker und posieren für das Publikum. Leo Moreno holt ein weißes Araberpferd hinzu, das er zwischen den Kamelen galoppieren lässt. Die Kamele verharren in ihrer Pose, die Zuschauer klatschen. Ein Knall mit der Peitsche und das Pferd verlässt die Manege wieder.

Die Artistin Cecile tritt als „Meerjungfrau Arielle“ auf. Quelle: Hannah Rüdiger

Aktivisten fordern Tierverbot in Zirkussen

Der Einsatz von Tieren im Zirkus hat lange Tradition – ist jedoch stark umstritten. „Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten“, schreibt die Tierschutzorganisation Peta auf ihrer Webseite. Auch den Circus Moreno haben die Tierschützer aufs Korn genommen. Im August 2015 erstattete die Organisation Strafanzeige gegen den Zirkus.

Die Vorwürfe wogen schwer: Mehrere Tiere seien verhaltensgestört und sollen vernachlässigt worden sein. Die Betreiber, Ramon Sperlich und seine Ehefrau Cornelia Sperlich-Weisheit, mussten sich wegen Tierquälerei verantworten. Im April wurde das Verfahren eingestellt, die Zirkusbetreiber zahlten ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro. Peta fordert weiterhin ein Tierhalteverbot für den Circus Moreno.

Ein Moreno-Artist bei seinem Drahtseilakt. Quelle: Hannah Rüdiger

„Wir sind mit den Tieren groß geworden“

Zirkuschefin Cornelia Sperlich-Weisheit, auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Conchita Moreno, hat kein Verständnis für das Vorgehen der Tierschützer. „Wir sind mit den Tieren groß geworden und lieben sie“, sagt sie. Seit Jahrhunderten gehörten die Kunststückchen von Tieren zum Zirkus dazu. Der Circus Moreno geht derzeit mit rund 20 Kamelen, Pferden, Eseln, Ziegen, Lamas und Hunden auf Tournee.

Wenn sie nicht gerade Kunststücke in der Manege aufführen, dösen die Tiere in provisorischen Gehegen hinter dem Zirkuszelt. Auf dem Turnplatz in Bad Belzig, wo der Zirkus vier Tage lang gastiert, bewohnen die Kamele das größte Areal. Ihr Zuhause auf Zeit ist eine eingezäunte Rasenfläche mit ausreichend Heu, allerdings ohne Unterstand.

Landkreis: Keine Verstöße gegen Tierschutz

Sperlich-Weisheit betont, wie sehr ihr das Wohl ihrer Tiere am Herzen liege. Dreimal täglich bekämen sie etwas zu fressen, um ihre Gesundheit kümmere sich ein Tierarzt. „Wir können nie in den Urlaub fahren, weil wir uns jeden Tag um die Tiere kümmern müssen“, sagt die Zirkusdirektorin.

Bei jedem Gastspiel sind die Zirkusleute dazu verpflichtet, sich bei der Veterinärbehörde des jeweiligen Landkreises zu melden und ihre Tiere einer Kontrolle zu unterziehen. Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark bestätigte der MAZ, dass auch der Circus Moreno überprüft worden sei. Die zuständige Tierärztin habe „keine tierschutzrelevanten Verstöße“ festgestellt.

Ein Lama in seinem provisorischen Zirkusgehege. Quelle: Hannah Rüdiger

Für Zirkusbetreiber gehören Tiere dazu

„Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Cornelia Sperlich-Weisheit. Die scharfe Kritik und die Angriffe seitens der Tierschützer halte sie für „vernichtend“ und „existenzbedrohend“. „Ein Zirkus ohne Tiere ist wie eine Suppe ohne Salz“, findet sie. „Ohne die Tiere wären wir doch nur Varieté.“

Im Programm des Circus Moreno spielen die dressierten Tiere in der Tat eine große Rolle: Zu den Highlights der Show zählen die Kunststücke der Kamele, die Araberpferde, die sich um sich selbst drehen, sowie eine Ziege, die mit ihren Vorderhufen eine Trommel durch die Manege rollt. Auch die Eselparade und die Hundeshow mit waghalsigen Sprüngen über bis zu fünf Stühlen gleichzeitig bringen viel Applaus.

Manege frei für Kamele, Pferde und Artisten: Übers Wochenende ist der traditionsreiche Zirkus in Bad Belzig zu Gast. Vier Tage lang präsentieren sie ihre beliebtesten Showeinlagen.

Zirkusse nicht mehr so beliebt wie früher

Für die beeindruckende „Kautschuk“-Nummer der scheinbar knochenlosen Cecile, die ihren Körper in jede Richtung verbiegen kann, haben einige Kinder nicht genug Geduld – ihre Eltern verfolgen das Geschehen dafür umso gespannter. Beeindruckend sind auch die Akrobatinnen am Trapez und am Ring sowie der Artist, der das Drahtseil mit einem Fahrrad überquert.

Zirkusdirektorin Sperlich-Weisheit ist mit der Auftaktveranstaltung in Bad Belzig zufrieden. Traurig stimme sie nur, dass so viele Plätze frei blieben: „Als ich Kind war, war das Zirkuszelt voll.“ Dass Zirkusse nicht mehr so gut ankommen, sei ihrer Meinung nach auch die Schuld von Tierschützern, die die Schausteller in schlechtes Licht rücken. „Unseren Tieren geht es gut“, sagt sie. „Die Leute sollen herkommen und sich selbst ein Bild davon machen.“

Circus Moreno: Das sind die nächsten Termine

Bad Belzig (auf dem Turnplatz): Samstag, 14. September: 16 und 19 Uhr; Sonntag, 15. September: 11 Uhr

Lehnin (Beelitzer Straße):Donnerstag, 19. September: 16 UhrFreitag, 20. September: 16 UhrSamstag, 21. September: 15 Uhr, 18.30 UhrSonntag, 22. September: 11 Uhr

Die genauen Uhrzeiten für das darauffolgende Gastspiel in Premnitzwerden noch bekanntgegeben.

Weitere Informationen zum Programm gibt es unter 0177/588 19 05.

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Von Hannah Rüdiger

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