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Bad Belzig Ohne Auto auf Wahlkampftour: Claudia Sprengel will für die Linken in den Landtag
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Ohne Auto auf Wahlkampftour: Claudia Sprengel will für die Linken in den Landtag
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15:04 20.08.2019
Warten auf den Bus, Suche nach Internet-Empfang: Claudia Sprengel, Links-Kandidatin Wahlkreis 18. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Der Wahlkampf auf dem Lande beschert Claudia Sprengel (Linke) manche Erkenntnis, auf die sie mit mehr Bequemlichkeit verzichten könnte. Die nicht wenigen Lücken in der Infrastruktur entdeckt die Politikerin leidlich selbst.

Sie beschreitet freilich nicht den einfachsten Weg. Denn die 30-Jährige fährt mit Bussen und Bahn zu ihren Terminen. „Bad Belzig und Beelitz – das geht. Aber nach Niemegk war es eine echt lange Tour“, lautet ihre Erfahrung.

Claudia Sprengel kommt aus Brandenburg an der Havel. Bei der Wahl des Landtages will sie das Direktmandat im Wahlkreis 18, zu dem der Hoher Fläming gehört, erobern. Der Urnengang findet am 1. September statt.

Genossen üben Solidarität

Am Anfang habe es sich laut eigenem Bekunden schlichtweg nicht ergeben, dass sie Führerscheinprüfung ablegt und ein Auto anschafft. Lediglich ein paar Stunden theoretische Ausbildung stehen zu Buche. Inzwischen sei es aber Prinzip, dass Claudia Sprengel in ihrem Alltag auf den eigenen fahrbaren Untersatz verzichtet.

Das teilt sie mit ihrer Chefin. Sprengel ist seit 2017 die Wahlkreismitarbeiterin der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg. Hier und da üben sich Genossen von der Basis in Solidarität und organisieren den Fahrdienst für die beiden.

Im November vergangenen Jahres war Claudia Sprengel von den Delegierten aus dem Südwesten des Landkreises für ihre Partei nominiert worden. Astrid Rabinowitsch habe die studierte Geschichts- und Politikwissenschaftlerin zur Kandidatur ermuntert, heißt es.

Die 66-Jährige aus Wiesenburg, die 2014 noch 14,1 Prozent der Stimmen holte, wollte aus Altersgründen nicht noch einmal antreten. Aber an ihrer Stelle sollte möglichst eine junge Frau als Herausforderin für den Amtsinhaber Günter Baaske (SPD) ins Rennen geschickt werden.

Hund Gorki ist dabei

„Inzwischen kenne ich Land und Leute schon ganz gut“, sagt die Kandidatin. An ihrer Seite ist meistens noch Gorki. Der vierbeinige Sympathieträger ist ein Jack-Russel-Mix.

Claudia Sprengel hat vielfach an Demonstrationen in Berlin teilgenommen. Quelle: Privat

„Der Hund liebt den Wald. Wenn wir also in Borkheide auf den Zug warten müssen, ist das kein Problem“, sagt Claudia Sprengel.

Sie hat sich in der Jugend zunächst in ihrer Heimatstadt Premnitz antifaschistisch engagiert. Wie sie berichtet, sei der Freundeskreis des öfteren von Attacken von Rechts heimgesucht worden. Damals sei das linke Bewusstsein geschärft worden.

Zu den Sozialisten habe sie erst während der Studienzeit gefunden, als sie sich mit ihren wirtschaftspolitischen Alternativen auseinander gesetzt habe. „Bis klar war, dass dies die Partei mit den meisten Übereinstimmungen mit meiner Haltung ist“, erklärt Sprengel.

Absage an Unfreiheit der DDR

Die junge Frau, Jahrgang 1989, versichert, dass es keine leichte Entscheidung gewesen sei. Zwar sei wohl in der DDR nicht alles schlecht gewesen, das System der Unfreiheit lasse sich damit nicht rechtfertigen. Die Auffassung werde allerdings auch von den älteren Genossen nicht mehr vertreten, schätzt Claudia Sprengel ein.

Dass jedoch rechtspopulistische Parolen zwischen Havel und Fläming häufiger denn je unwidersprochen im Raum stehen bleiben, treibt sie um. „Nicht gewähren lassen!“, lautet ihre Forderung – weder auf der Straße, noch an Stammtischen noch in den angeblich sozialen Netzwerken.

Gleichwohl im Internet die Hemmschwelle am ehesten überschritten wird, ist Claudia Sprengel eine Befürworterin der Digitalisierung.

Auslandserfahrung in Fernost

Polizeibeamte, Lehrer, kommunale Verwaltungen müssen darauf eingestellt werden. Da gibt es noch Nachholbedarf, weiß die 30-Jährige. Im Fall der Wahl will sie sich einsetzen für möglichst wenig Bürokratie, viel persönlichen Datenschutz und Weiterbildung.

Der jüngst verabschiedete Digitalpakt für die Schulen könne da lediglich der Anfang sein. Wie die totale Ausnutzung der Möglichkeiten aussehen könnte, hat Sprengel beim Auslandssemester 2015 in China erahnen können. Dies wiederum findet sie ebenfalls nicht erstrebenswert.

Als eines Sprecherin des Frauenpolitischen Rates des Landes Brandenburg will sie die Gleichberechtigung in der Gesellschaft allgemein und in der Politik speziell noch mehr stärken. Daneben fordert sie die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, der noch flexibler werden müsse. Mit den Offerten der Regiobus Potsdam-Mittelmark ist die ohnehin für Innovationen offene Region auf einem guten Weg, findet Claudia Sprengel.

Internetabdeckung als ein zentrales Thema

Indes ärgert sie sich, wenn allgemein die Abdeckung von 95 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet bis 2020 bejubelt wird. „Das ist alles andere als flächendeckend“, so die Erkenntnis. „Da hilft mir das freie W-Lan im Plus-Bus nichts, wenn über weite Strecken zwischen Brandenburg und Bad Belzig kein Empfang herrscht.“

Claudia Sprengel ist am Mittwoch, 10 bis 13 Uhr, auf dem Wiesenburger Goetheplatz zu sprechen.

Von René Gaffron

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