Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Das große Rätsel um die Großtrappen aus Bronze
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Das große Rätsel um die Großtrappen aus Bronze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:44 18.09.2018
Bodo Rudolph stieß in Bad Belzig auf das Trappenpaar. Der Vogelfreund findet, dass die Skulptur präsenter aufgestellt werden sollte. Quelle: Josefine Kühnel
Bad Belzig/Brandenburg/H

Bodo Rudolph staunte nicht schlecht. Der Leiter des mittelmärkischen Jugendamtes entdeckte kürzlich auf dem Heimweg eine Vogelskulptur vor der Krause-Tschetschog-Oberschule am Weitzgrunder Weg. Und war wie elektrisiert: „Sollte dies das Trappenpaar aus Brandenburg sein?“, fragte er sich.

Generationen von Kindern hatten auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel ihre Freude an dem lebensgroßen Kunstwerk, das einen balzenden Trappenhahn und eine schlanke Henne darstellte. Besonders auf dem Rücken der Henne nahmen kleine Kinder gern Platz. Gleich daneben befand sich ein großer Spielplatz.

Buntmetalldiebe auf dem Marienberg

Doch die Freude währte nicht ewig. Mitte Dezember 2008 waren Buntmetalldiebe auf dem Marienberg unterwegs. Neben einer Plakette zum Gedenken an den Parkstifter Robert Leue stahlen sie auch das Trappenpaar. Es fand sich keine Spur.

Die Leue-Plakette wurde zur Bundesgartenschau ersetzt, doch die Großtrappen blieben verschwunden. Bis jetzt, meinte jedenfalls Bodo Rudolph. Der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbands Brandenburg/Havel hat ein besonderes großes Herz für die Vögel der Region.

Auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel stand bis 2008 eine Bronzeskulptur, die ein Großtrappenpaar zeigt – Artikelausriss vom Juli 2010 Quelle: MAZ

Sollte das bronzene Vogelpaar nun in Bad Belzig wieder aufgetaucht sein? Rudolph wandte sich an die MAZ-Lokalredaktion in Bad Belzig mit der Bitte um Unterstützung. Mit den eingravierten Initialien „HK 68“ an der Skulptur war erst einmal nichts anzufangen. Selbst die Liste der Kunstwerke im öffentlichen Raum aus Brandenburg an der Havel half nicht weiter: „Künstler unbekannt“ heißt es über in den 60er Jahren aufgestellte Plastik.

Licht in die Sache brachte schließlich Bad Belzigs Ortschronistin Helga Kästner. Sie war einst Lehrerin im Gebäude der jetzigen Krause-Tschetschog-Oberschule, damals war es noch die Polytechnische Oberschule „Bruno Kühn“. Was jedoch für die Herkunft der Vögel noch wichtiger ist: Helga Kästner war dabei, als das Schulgebäude im Jahre 1967 gebaut wurde.

Eigentlich sollte es Pelikane sein

„Der Schuldirektor wollte damals ursprünglich Pelikane seine neue Schule zieren lassen, wie es damals üblich war“, erinnert sich Helga Kästner. Pelikane vom Berliner Bildhauer Hans Klakow dekorierten seinerzeit schon Schulen in Falkensee und Potsdam. „Doch der stellvertretende Schulleiter, der gleichzeitig Biologielehrer war, fand die heimischen Großtrappen passender“, berichtet sie weiter.

Inspirieren ließ er sich dabei von seinen Schülern. Sie hatten ihn während des Biologieunterrichts nach Kuhlowitz und Preußnitz geführt. Dort beobachteten sie Großtrappen in freier Wildbahn.

„Dem Bildhauer Hans Klakow war letztendlich egal, was er nun formen sollte. Aber die Idee, heimische Vögel anzufertigen, sagte ihm besonders zu“, erinnert sich Helga Kästner. Hans Klakow suchte eigens dafür ein Naturkundemuseum auf und prägte sich Körperbau und Formen genauestens ein.

Aus der Vita des Bildhauers

Hans Klakow, der Vater der bronzenen Großtrappen, wurde am 3. Juli 1899 in Treptow geboren.

Nach einer Bildhauerlehre studierte er von 1919 bis 1925 an der Kunstgewerbeschule und an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Er war Meisterschüler bei Professor Edwin Scharff und Mitarbeiter bei August Gaul (Tierbildhauer).

Um abseits der hektischen Großstadt arbeiten zu können, zog Klakow 1931 nach Brieselang im Osthavelland.

Seine „unpolitischen“ Themen waren vor allem die einfachen Menschen, besonders eine liebevolle Sicht auf Kinder, die ihn für sein Schaffen inspiriert haben. Anregung für seine spielenden, musizierenden, zusammen hockenden Kinder waren oft die eigenen drei und später die Enkel.

Seine Kunstwerke findet man heute noch unter anderem in Berlin, Erfurt, Dresden, Potsdam, Brieselang und Bad Belzig.

Im Alter von 94 Jahren ist Hans Klakow am 9. Oktober 1993 in Brieselang gestorben.

Zuerst fertigte eine kleine Prototypen-Gussform. Die Figur schenkte er dem damaligen Direktor. Nachdem die Form abgesegnet war, goss Hans Klakow ein großes Trappenpaar. Ab 1968 standen die Großtrappen in Bronze vor der Schule.

Also kein Diebesgut aus Brandenburg an der Havel. Dennoch ist Bodo Rudolph begeistert: „Es ist toll, dass wir jetzt die Geschichte der Figur und vor allem den Namen des Künstlers kennen. Spannend ist auch, dass er ebenfalls die Pelikane für andere Schulen entworfen hat.“ Nun kann man in Brandenburg an der Havel also Hans Klakow in die Liste eintragen und das Aufstelldatum auf die Zeit nach 1968 bestimmen.

Ursprünglich sollten die Trappen in Bad Belzig nicht vor, sondern hinter der Schule stehen. „Der Direktor hätte damals die Figur lieber auf dem Schulhof platziert, dass alle Kinder sie bestaunen und anfassen können“, erinnert sich Helga Kästner. Warum es nicht geschah, weiß die 86-Jährige allerdings heute nicht mehr.

Wappentier der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen

Bodo Rudolph allerdings findet die Idee von 1968 prima: „Wo die Figur jetzt steht, findet sie kaum Beachtung“, sagt er. Er weist daraufhin, dass die Großtrappe deutschlandweit nur noch in Sachsen-Anhalt und Brandenburg beheimatet und auch das Wappentier der Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen ist. „Deshalb müsste sie viel zentraler stehen, zum Beispiel vor der Albert-Baur-Halle. Vielleicht kann der Bürgermeister ja da was machen“, schlägt er vor.

Und sollte jemand in Brandenburg an der Havel auf die Idee kommen, die Bronze-Trappen wieder auf den Marienberg zu holen: In Bad Belzig steht ein Exemplar, von dem man eine Kopie anfertigen lassen könnte.

Von Josefine Kühnel und Heiko Hesse

Die Bad Belziger Bürger kämpfen um den Sitz des Kreisverwaltungsstandortes. Bei einem Informationsgespräch sprach Bürgermeister Roland Leisegang mit den Bürgern. Die Emotionen kochten hoch.

18.09.2018

60 Unternehmen nutzten die Bildungsmesse in Bad Belzig, um sich Jugendlichen der Region als Arbeitgeber vorzustellen. Viele Aussteller sind mit der Nachfrage zufrieden, mehrere Praktika wurden vereinbart.

17.09.2018

Hilfe aus Bad Belzig, die gut ankommt: In einer Zeremonie, an der Würdenträger aus Kribi und der Region teilnahmen, überreichten die Projektkoordinatoren den Kindern Schulmaterial.

16.09.2018