Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Debatte um verkaufsoffene Sonntage
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Debatte um verkaufsoffene Sonntage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 13.12.2018
Die Möglichkeit zum Sonntagseinkauf wurde in diesem Jahr auch beim Frühlingsshopping in Bad Belzig genutzt. Auf dem Bild bedient Nadine Steinkellner im Teeladen „TeeArt“ die Kundin Inga Gallien. Quelle: Thomas Wachs
Anzeige
Bad Belzig

Drei verkaufsoffene Sonntage soll es 2019 in Bad Belzig geben. Das haben die Stadtverordneten auf ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr beschlossen. So können die Bad Belziger 2019 erstmals am 31. März beim Frühlingsfest einkaufen. Außerdem wird es bei der Burgfestwoche am 25. August einen verkaufsoffenen Sonntag geben. Auch am 8. Dezember bieten sich Einkaufsmöglichkeiten. An diesem Tag findet die traditionelle Wichtelparade und der Weihnachtsmarkt an der St. Marienkirche statt.

Kontroverse Diskussionen

Dabei wurde der Einkauf am Sonntag kontrovers diskutiert. „Wenn die Belebung der Innenstadt ja ein wichtiges Thema ist in Bad Belzig, warum macht man dann nicht mehr verkaufsoffene Sonntage, oder ist das begrenzt auf dreimal im Jahr?“, fragte der Kommunalpolitiker Lothar Lehmann (Freie Wählergemeinschaft).

Anzeige

Der 58-Jährige hält es für sinnvoll, auch mal „Veränderungen zu wagen.“ Er möchte nicht, dass die Gewerbetreibenden klagen und das die Innenstadt „attraktiver gestaltet wird.“ Der Stadtverordnete empfiehlt die Öffnung der Geschäfte an einem weiteren Sonntag im Sommer oder Herbst. Seiner Ansicht nach seien insbesondere in den warmen Monaten viele Touristen in der historischen Altstadt unterwegs, die auch einkaufen.

Suche nach „besonderen Anlässen“

Die Fachbereichsleiterin der äußeren Verwaltung Petra Tersch argumentierte, dass die Öffnung an Sonntagen mit einem „besonderen Anlass“ begründet werden müsse, auch für weitere Veranstaltungen. Diese seien beim Frühlingsfest gegeben, da das Event Besucher aus der Umgebung anlocke.

Außerdem sei der Altstadtsommer als größtes Volksfest überregional bekannt. „Die Leute reisen von nah und fern an, die Hotels sind ausgebucht, so wird die Besonderheit begründet“, äußerte Te+rsch weiter.

Kritik von der Gewerkschaft Verdi

Sie sieht die Stadt mit drei verkaufsoffenen Sonntagen „gut aufgestellt“, hält es aber auch für „nicht dramatisch“, wenn das Einkaufen an einem weiteren Tag möglich wäre. Zustimmung zu den Aktionstagen kam von Vertretern der Kirchen, vom Handelsverband Berlin-Brandenburg und der Industrie-und Handelskammer (IHK), Kritik von der Gewerkschaft Verdi.

Verdi hat auch in diesem Jahr unsere Anhörung wieder negativ beschieden und sagt, dass die drei verkaufsoffenen Sonntage nicht ihren Vorstellungen entsprechen würde“, kommentiert Tersch.

Ideen und personelle Unterstützung erhofft

Die Vorsitzende des Bad Belziger Gewerbevereins Simone Lüdicke sieht nicht viele Möglichkeiten, um zusätzliche Aktionen anzubieten. „Wir haben auch ein offenes Auge drauf, dass die Angestellten nicht überstrapaziert werden“, sagt die Bad Belzigerin weiter. Eine Veranstaltung, die sich für alle lohnt und schnell präsentiert wird, sei nicht immer „einfach und spontan“ zu organisieren.

Dennoch sei Lüdicke offen für neue Ideen. „Wenn sich andere Veranstalter finden und sich was anbietet, schließen wir nicht aus, noch einen verkaufsoffenen Sonntag stattfinden zu lassen“, sagt die Vorsitzende des Gewerbevereins.

Sie betont, dass die Stadt Bad Belzig mit Firmenlauf, Lampionumzug und der Kürbisnacht auch „starke Veranstaltungen“ in der Kreisstadt anbiete, an denen Geschäfte auch in der Woche länger öffnen. Dadurch würden über das Jahr verteilt „genug Gelegenheiten“ geboten, um einzukaufen. Auch wenn Lüdicke es „nicht genau“ beziffern kann, bemerkt sie eine leichte Umsatzsteigerung sowohl beim Bad Belziger Altstadtsommer als auch beim Frühlingsfest.

Der Stadtverordnete Tobias Paul (CDU) würde sich einerseits über mehr Veranstaltungen und langfristige Ideen freuen, andererseits fehle auch die Manpower zur Umsetzung. „In vielen Fällen ist das gar nicht mehr möglich, etwas mehr personelle Unterstützung wäre also nicht schlecht“, sagte Paul auf MAZ-Anfrage weiter.

Lothar Lehmann will die Hoffnung auf mehr verkaufsoffene Sonntage nicht aufgeben. „Wenn man Kur- und Kreisstadt sein will, sollte man auch die Attraktivität erhöhen“, sagt der Stadtverordnete. Wenn mehr Aktionen aber keine „spürbaren Effekte“ liefern, sei es wenigstens versucht worden, äußerte Lehmann.

Von André Großmann