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Bad Belzig „Echo Kamerun“ vor Ort: Hilfe in Kribi kommt an
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig „Echo Kamerun“ vor Ort: Hilfe in Kribi kommt an
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16:11 08.05.2018
Verein "Echo Kamerun" aus Bad Belzig war zu Besuch in Kribi. Schulbesuch dank Patenschaften möglich.
Verein "Echo Kamerun" aus Bad Belzig war zu Besuch in Kribi. Schulbesuch dank Patenschaften möglich. Quelle: Wolfgang Biedermann
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Bad Belzig

„Was glauben Sie, wie lange man mit dem Auto bis nach Kribi in Kamerun fahren würde?“, will Wolfgang Biedermann zum Auftakt wissen. Burkhard Kroll fährt die Strecke gedanklich nach – über Frankreich und Spanien. Dann weiter mit der Fähre nach Algerien.

Der Mediziner erntet Kopfnicken. Weiter müssten Niger und Nigeria durchquert werden. Vier Tage und elf Stunden hat sein Smartphone als Reisezeit für die 7831 Kilometer lange Strecke inzwischen errechnet. Deshalb gibt man dem Flugzeug den Vorzug.

So beginnt der jüngste Reisebericht noch mit Impressionen aus dem Kabinenfenster. Sabine Müller, Gabriele Decker und Wolfgang Biedermann aus Bad Belzig sind jetzt mit einer Fülle von Eindrücken zurückgekehrt. Dieser Tage luden die drei Engagierten in das Jakob-Wächtler-Haus ein, um von ihren Erlebnissen in der Stadt am Atlantik zu erzählen. Das Interesse an dem Bericht hielt sich diesmal in Grenzen, was das Trio sehr bedauerte.

Viele Jahrzehnte unter Fremdherrschaft

Kribi in Kamerun entstand als Ansiedlung deutscher Kaufleute an der Batanga-Küste und gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zur deutschen Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg stand ein Teil des Landes unter britischer Verwaltung, der andere Teil unter französischer.

Ab 1961 gilt die Förderative Republik Kamerun als unabhängig.

Die Hafenstadt am Golf von Guinea hat derzeit 60 000 Einwohner.

Die Temperaturen liegen im Schnitt zwischen 22 und 29 Grad Celsius. Es herrscht jeweils um 85 Prozent Luftfeuchtigkeit

Dennoch verfolgen sie ihr Ziel weiter: Der Verein Echo Kamerun, dem sie angehören, möchte eine Partnerschaft zwischen Bad Belzig und Kribi auf den Weg bringen. Die beiden Kommunen pflegen bislang freundschaftliche, aber lediglich informelle Kontakte.

Während Wolfgang Biedermann als Vorsitzender des Vereins bereits mehrmals in dem afrikanischen Land zu Gast war, haben die beiden Frauen es erstmals bereist. Vor kurzem waren sie zu einem zehntätigen Aufenthalt nach Kribi aufgebrochen.

Unterwegs in Kribi: Sabine Müller fährt mit. Quelle: Wolfgang Biedermann

Über Bilder und Erzählungen wollten sie diese Erlebnisse mit den Bad Belzigern teilen. Die Fotos, die Biedermann (65) zeigt, sind thematisch geordnet. Auf die Themen Land und Leute folgen im Verlauf des Abends die Bilder von Projekten, die der Verein Echo Kamerun vor Ort unterstützt.

Vor zehn Jahren gegründet, hat er sich der Entwicklungshilfe über kleine Projekte und dem Austausch mit den Kamerunern verschrieben. Dieser Teil der Schilderungen machte deutlich, dass die Spenden, die der Verein im vergangenen Jahr in und um Bad Belzig eingeworben hat, dem Zweck entsprechend verwendet wurden und werden.

Die Augen des neunjährigen Salomon konnten beispielsweise durch einen Augenarzt untersucht werden. Eine Brille, mit der er bald etwas besser sehen kann, steht in Aussicht.

Empfang beim Bürgermeister von Kribi. Quelle: Wolfgang Biedermann

Die sieben Kinder mittelloser Eltern, denen über Patenschaften der Schulbesuch ermöglicht werden konnte, besuchen die Bildungsstätte. Sabine Müller, Gabriele Decker und Wolfgang Biedermann konnten sich selbst davon überzeugen. Gerade wird eine weitere Aktion vorbereitet.

Als Stadtverordnete waren Sven Schmidt aus Ragösen und Herbert Grüneberg aus Lütte der Einladung zu ihrem Vortrag gefolgt. Für Schmidt waren die gezeigten Eindrücke nicht neu. Als Mitglied einer offiziellen städtischen Delegation war er bereits vor knapp drei Jahren auf dem schwarzen Kontinent.

Praktische Hilfe: Eine Brille für Salomon (rechts) Quelle: Wolfgang Biedermann

Erst kürzlich hatte sich die Bad Belziger Stadtverordneten darauf verständigt, über eine Arbeitsgruppe die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Städten zu intensivieren. Bis in den Mai hinein werden interessierte Mitstreiter gesucht, die nicht zwingend Lokalpolitiker sein müssen. Burkhard Kroll gehörte damals bereits zu denen, die Bereitschaft zur Mitarbeit signalisierten.

Von Christiane Sommer