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Bad Belzig Ein Künstler geht in den Ruhestand
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Ein Künstler geht in den Ruhestand
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13:36 30.12.2018
Erwin Penner steht vor seinen künstlerischen Werken und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Quelle: Andreas Trunschke
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Bad Belzig

Die Brüche des letzten Jahrhunderts betreffen auch das Leben des Künstlers und Lehrers Erwin Penner. Er wurde kurz vor dem deutsch-sowjetischen Krieg als Kind von Deutschrussen in der Ukraine geboren.

Seine Vorfahren sind Lehrer, Pfarrer, Bankiers, Mennoniten und Pazifisten. Im Zweiten Weltkrieg wird der Vater zur Wehrmacht gezwungen und die Familie nach Luckenwalde umgesiedelt. Nach dem Krieg muss die Familie nach Sibirien auswandern. Der Vater kommt widerrechtlich in sowjetische Gefangenschaft und erst nach dem Tod des Diktators Josef Stalin wieder frei.

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Fasziniert von der Malerei

Als Junge wächst Erwin anschließend bei seiner Tante auf. Hier entdeckt er auf ihrem Boden die Malereien seines Großvaters. „Seitdem wusste ich, was ich werden möchte“, sagt der 78-Jährige. Er will Kunst studieren, bekommt aber den nötigen Ausweis nicht, um sein Dorf verlassen zu dürfen.

Erst als er sich zu einem Lehrgang als Kinomechaniker meldet, darf er nach Omsk und kann sich auf sein Studium vorbereiten. 1963 besteht Penner die Prüfung an der Fakultät für Kunst und Grafik der Pädagogischen Hochschule in Omsk.

Während seiner Studienzeit wird er zum Wehrdienst geholt. Nach sechs Tagen mit der Bahn landet Erwin Penner in der Nähe seines ukrainischen Heimatortes. Da Plakatzeichner in der Sowjetarmee gefragte Leute sind, übersteht er diese Zeit vergleichsweise gut.

Schach gegen den Kommandanten

Um die Fahrt in seine Heimat spielt er mit dem Kommandanten Schach und lässt ihn gewinnen. „Ich wusste, sonst hätte er mich nie fahren lassen“, sagt Erwin Penner heute. Nach drei Jahren bei der Armee setzt er sein Studium fort und schließt es mit einer Diplomarbeit im Fachgebiet „Malerei“ ab.

Anschließend arbeitet er an der Oberschule in Babuschkin am Baikalsee. Hier trägt er dazu bei, dass die Bildungsstätte den ersten Platz in der Republik Burjatien belegt. Mehrfach wird er als bester Lehrer ausgezeichnet.

Als ein Funktionär in der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude seinen Wunsch absegnet, nach Deutschland ausreisen zu dürfen, bleibt Penner noch ein Jahr. Da er bei einer Ausreise in die BRD alle Studienkosten für seine Frau und sich zurückzahlen hätte müssen, entscheidet er sich für die DDR. 1974 kommt die junge Familie nach Lobbese in den damaligen Kreis Jüterbog.

Ein Problem für den Lehrer

Auch in seiner neuen Heimat arbeitet er nach Irrwegen wieder als Lehrer, bis zur Wende an der Oberschule in Niemegk, später am Gymnasium in Bad Belzig. Einmal stellt ihn sein gymnasialer Leistungskurs vor ein besonderes Problem.

Denn für ihre Bewerbungsmappen an den Universitäten benötigen die Jugendlichen auch Aktstudien. Da es kein Geld für Models gibt, zeichnen sich die Jugendlichen schließlich gegenseitig, „die wichtigsten Teile bedeckt“. Nach seiner Pensionierung unterrichtete Penner weiter an der Kreisvolkshochschule. Jetzt geht er endgültig in den Ruhestand.

Von Andreas Trunschke