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Bad Belzig Kinderbetreuung in familiärer Umgebung
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Kinderbetreuung in familiärer Umgebung
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17:36 20.09.2019
Die Eltern-Kind-Gruppe „Bunte Belizis" wurde im Frühjahr 2018 eröffnet. Momentan ist die Gruppe voll ausgelastet. Quelle: Hannah Rüdiger
Bad Belzig

Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen. Deswegen hat sie die Eltern-Kind-Gruppe in der Bad Belziger Bahnhofstraße zu ihrem Gruppensymbol erklärt. Die Gruppe des Kinderfördervereins Wir e.V. hat erst Anfang des Monats ihre Pforten für Kinder im Alter von einem bis zu drei Jahren geöffnet. „Es läuft jetzt ganz langsam an“, sagt die Erzieherin Janin Heyn.

Die Gruppe ist ein Angebot, das sich an Eltern und Kleinkinder richtet. Beim gemeinsamen Spielen lernen sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Mütter und Väter kennen. Junge Eltern können auf diese Weise Kontakte knüpfen und sich mit anderen austauschen. Mit Janin Heyn ist eine pädagogische Fachkraft vor Ort, die die Gruppe in der Bahnhofstraße begleitet.

Beschwerliche Suche nach Kitaplätzen

„Eltern müssen heute viele Kompromisse machen“, sagt Heyn. Einen Betreuungsplatz für die Kinder zu finden, gestalte sich meist sehr schwer. Noch schwieriger sei es mit mehreren Kindern, die am liebsten in derselben Einrichtung untergebracht werden sollen. Für Krippenplätze und Tagesmütter gibt es mittlerweile Wartelisten.

„Viele überbrücken mit einer Eltern-Kind-Gruppe die Wartezeit bis zur Kita“, erklärt die Erzieherin. Und diese könne bei der angespannten Betreuungssituation in Bad Belzig manchmal ganz schön lang werden. Eigentlich müsste man schon vor der Schwangerschaft nach einem Betreuungsplatz suchen, kritisiert Heyn.

Erzieherin Janin Heyn (r.) mit Marcela Planells und ihren beiden Kindern in der neuen Eltern-Kind-Gruppe in der Bahnhofstraße. Quelle: Hannah Rüdiger

Platz für zwölf Kleinkinder

In der Gruppe des Wir e.V. finden zwölf Kinder Platz. Bisher zählen drei Mütter und bis zu vier Kinder zu den regelmäßigen Gästen im Spielzimmer. „Die Eltern, die kommen, sind begeistert von unserem Angebot“, sagt Heyn.

Dazu zählt auch Marcela Planells. Im Nebenraum rollen ihre Kinder Aurora und Merlin auf Spielautos über den Teppich und plappern fröhlich vor sich hin. Planells und ihre Kinder sind zum ersten Mal in der Eltern-Kind-Gruppe und gerade die einzigen im Spielzimmer. Die 31-Jährige stört das nicht. „Es hat etwas sehr Familiäres hier“, sagt sie.

Familiäre Atmosphäre

Bis vor kurzem lebte sie noch in Berlin, wo es in Familienbildungsstätten deutlich stressiger zugehe. Planells coacht Unternehmen in den USA, weswegen sie hauptsächlich am späten Abend oder in der Nacht arbeitet.

Den Vormittag kann sie deswegen mit ihren Kindern verbringen.„Ich finde es toll, dass ich in der Gruppe die ganze Zeit dabei sein kann“, sagt sie. Die Gruppe in der Bahnhofstraße wolle sie unbedingt weiter testen.

Marcela Planells mit ihren Kindern Aurora und Merlin in der Eltern-Kind-Gruppe. Quelle: Hannah Rüdiger

Gruppe „Bunte Belizis“ soll Integration fördern

Die zweite Eltern-Kind-Gruppe in Bad Belzig hat ihre Aufbauphase längst überwunden: Im Frühjahr feierten die „Bunten Belizis“ im Familienzentrum im Klinkengrund einjähriges Bestehen. Momentan sind alle zwölf Plätze der Gruppe in Trägerschaft des Awo-Bezirksverbands Potsdam e.V. belegt.

Das Angebot ist kostenfrei, aber an einen besonderen Auftrag gebunden: Die Gruppe soll die Integration von Flüchtlingskindern und ihren Eltern fördern.

Gemeinsam Deutsch lernen und ankommen

Viele Kinder sprechen kein Wort Deutsch, wenn sie in die Gruppe kommen. Andere sprechen überhaupt nicht. „Das einfache Gespräch kann auch ohne Sprache stattfinden“, sagt die Erzieherin und Elternbegleiterin Nicole Hoffmann. Gemeinsam mit der Pädagogin Sophie Gostynski leitet sie die Gruppe.

Zuerst einmal gehe es darum, den Kleinkindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie willkommen sind. Auch, wenn das mit Händen und Füßen passieren muss.

Wer nach einem Kitaplatz für die Kinder sucht, muss sich auch in Bad Belzig auf lange Wartezeiten einstellen. Quelle: Hannah Rüdiger

Halt für Kinder und Erwachsene

Zehn von zwölf Belizis sind Flüchtlingskinder. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Somalia. „Die Kinder sollen bei uns lernen, dass andere Erwachsene auch vertrauenswürdig sind“, sagt Sophie Gostynski. Gleichzeitig bietet die Gruppe auch den Erwachsenen Halt. Zweimal pro Woche lernen sie im Klinkengrund Deutsch, tauschen sich aus und spielen dabei mit den Kindern.

Eine Herausforderung für die Erzieherinnen ist die große Altersspanne bei den Belizis. Manche Eltern bringen Säuglinge mit, andere Kinder sind schon fünf Jahre alt. Die Erzieherinnen müssen sich dann bemühen, auf die verschiedenen Bedürfnisse einzugehen.

„Stufenweise Abnabelung“

Eltern-Kind-Gruppen seien der ideale Ort für „stufenweise Abnabelung“, erklärt Nicole Hoffmann. Einerseits sind Mutter oder Vater in Sichtweite, sodass sich die Kleinkinder sicher fühlen. Andererseits könnten sich die Kleinen auch frei im Raum bewegen und erste Begegnungen mit anderen Kindern machen. Davon profitieren am Ende beide.

Bis sich die Bad Belziger Gruppen als Ergänzung und Alternative zu bestehenden Betreuungsangeboten etabliert hat, könne es noch ein bisschen dauern, schätzt die Erzieherin Janin Heyn. „Wir geben allen die Möglichkeit, die Eltern-Kind-Gruppe auszuprobieren“, sagt sie.„Der Bedarf ist jedenfalls da.“

Von Hannah Rüdiger

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