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Bad Belzig Erkundungstour mit Handy und Fragezettel
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Erkundungstour mit Handy und Fragezettel
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00:35 23.04.2018
Bei einer Frage zur Bad Belziger Postmeilensäule mussten die Teilnehmer sogar rechnen. Quelle: Josephine Mühln
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Bad Belzig

Hans-Jochen Röhrig setzt auf den guten alten Stadtplan. Die sechs Mitstreiter des Schauspielers, der auch am Hans Otto Theater in Potsdam gewirkt hat, vertrauen auf ihr Smartphone. Was sie alle eint ist die Suche nach Antworten. Antworten auf die zehn Fragen, die ihnen Bernhard Ehrentraut mit auf den Weg gegeben hat. Er ist der Kopf des neu gegründeten Kulturvereins Michendorf und hat ein Stadtspiel für Bad Belzig entwickelt, das 18 Vereinsmitglieder am Mittwoch ausprobiert haben.

Des Rätsels Lösung für die erste Frage ist am Rathaus zu finden: Wie viele Laternen (große und kleine) sind von der Eingangstreppe des Rathauses aus zu sehen? Um den genauen Standpunkt des Rathauses ausmachen zu können, hat Ehrentraut auch die benötigten Koordinaten mit notiert.

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Digitaler Kompass soll helfen

Da kommen wieder die Smartphones ins Spiel. Heinz Pape zeigt seine App „GPS Status“. Er tippt die Koordinaten ein und ein digitaler Kompass soll ihn zum Ziel führen. Den Umgang mit den Smartphones und Apps, die der Orientierung in fremder Umgebung dienen, haben die Vereinsmitglieder ebenfalls bei Bernhard Ehrentraut gelernt. Er bietet verschiedene Kurse an, auch Computer-, Foto- und Malkurse.

Bei der nächsten Station – dem Kirchplatz – soll notiert werden, welchen Beruf der Namensgeber des Hauses mit der Hausnummer 3 ausgeübt hat. Ob ihrer fragenden Gesichter zieht die Gruppe sogleich die Aufmerksamkeit von Kantor Winfried Kuntz auf sich, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Antwort ist notiert – Carl Gottlieb Reißiger war einst Hofkapellmeister – und die Tour kann weitergehen.

Guter Dinge trotz kniffliger Fragen: Bei bestem Wetter war der Kulturverein Michendorf in der Stadt unterwegs. Quelle: Josephine Mühln

„Das ist toll, das spiele ich auf jeden Fall mit meiner Familie und meinen Enkeln noch mal“, sagt Anne Liersch erfreut. „Gerade für Kinder ist das super, nicht so langweilig.“ Auch die anderen Gruppenmitglieder stimmen ihr zu. „Es macht Spaß – und ein bisschen knifflig müssen die Fragen ja auch sein“, sagt Regina zum Wahlde. „Man geht mit ganz anderen Augen durch die Stadt“, ergänzt Gabriele Kittelmann. Dabei kennt die Wilhelmshorsterin Bad Belzig eigentlich schon ganz gut. „Ich habe bis zum vergangenen Jahr hier beim Landratsamt im Fachbereich Umwelt gearbeitet“, verrät sie.

Die Suche nach Schloßtor 3 und der Antwort auf die Frage, welches Gebäude dort früher vom Schloss genutzt wurde, sorgt für einige Verwirrung. Die Hausnummern 2 und 4 sind schnell gefunden, die gesuchte Hausnummer aber scheint unauffindbar. Auch ein Gespräch mit einer vorbeikommenden Radfahrerin bringt keine Klarheit. Am Ende wird die naheliegende Antwort notiert: Dort, wo Nummer 3 sein könnte, steht eine Scheune – und das schreibt Anette Meixner schließlich auf. Die richtige Lösung erfahren die Teilnehmer am Ende: „Schlossmühle“ wäre es gewesen.

Angelehnt ans Geocaching

Das von Bernhard Ehrentraut entwickelte Stadtspiel ist angelehnt an das sogenannte Geocaching, eine Schnitzejagd mittels GPS-Koordinaten.

Dabei werden kleine Behälter mit Tauschgegenständen versteckt.

Die Verstecke werden anhand geografischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mithilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.

Der Fund kann im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt werden.

So können auch andere Personen – insbesondere der Verstecker – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen.

Der erste Geocache in Deutschland wurde am 2. Oktober 2000 vom Geocacher „Ferenc“ in Brandenburg versteckt.

Mit über 56 000 Stück liegen die meisten Geocaches derzeit in Nordrhein-Westfalen.

Das Spiel für Bad Belzig kann ab sofort auch von Besuchern oder interessierten Schulklassen gespielt werden. Es ist in der Touristeninformation am Markt erhältlich.

Eine Stunde Zeit hat die Gruppe, um alle zehn Fragen zu lösen. Dann soll sie sich wieder am Ausgangspunkt der Tour vorm Hotel Burg Eisenhardt in der Straße der Einheit einfinden. Es ist knapp, aber am Ende kommen sie mit einem vollständig ausgefüllten Zettel zurück.

Die Idee für das Spiel hatte Bernhard Ehrentraut bereits vor einer Weile. „Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, junge Leute an geschichtliche Sachen heranzuführen und sie dafür dort abzuholen, wo sie ihre Erlebniswelt haben“, sagt der ehemalige Lehrer. „Die Arbeit mit dem Smartphone liegt nah und unterstreicht den spielerischen Charakter.“ Mit dem Vorschlag sei er bei der Touristeninformation in Bad Belzig sofort auf offene Ohren gestoßen. „Wir sind hier sehr nett empfangen worden und Belzig mit seiner Altstadt und der Burg hat mir schon immer gut gefallen“, sagt Ehrentraut.

Ausflüge sollen auch Region unterstützen

Er ist stolz auf die Truppe und die Harmonie, die untereinander herrscht. „Sowas müssen Sie erstmal finden.“ Es ist ihm wichtig, mit den Ausflügen des Vereins auch die Region zu unterstützen. Die Tour nach Bad Belzig war der 13. Ausflug der Gruppe. Der Kunstverein Michendorf – der offiziell erst am 30. April gegründet wird – hat aktuell 30 Mitglieder. Als nächstes stehe eine Tagesfahrt in die Spandauer Altstadt auf dem Programm, auch ein Ausflug nach Jüterbog sei geplant.

Von Josephine Mühln