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Bad Belzig Unternehmerin will häusliche Pflege auf dem Lande einfacher machen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Unternehmerin will häusliche Pflege auf dem Lande einfacher machen
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17:50 09.01.2020
Lola Güldenberg organisiert einen Pflege-Stammtisch. Dabei geht es auch um Lösungen für den Pflegenotstand auf dem Land. Quelle: Hannah Rüdiger
Lütte

Eine Rollstuhlrampe aus Lego, ein Schuhanzieher aus Pappe, eine App voller digitaler Beipackzettel – nicht alles, was das Leben im Alter erleichtert, muss kompliziert und teuer sein. Das gilt auch für digitale und technische Hilfsmittel. Die Unternehmerin und Industriedesignerin Lola Güldenberg aus Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Tricks für den Pflegealltag zu sammeln. Ihr Ziel ist es, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen das Leben zu erleichtern.

Mit ihrem Unternehmen Carlo, das Güldenberg im Mai 2019 gegründet hat, bietet die 49-Jährige technische Beratung in der Pflege an. Besonders auf dem Lande, wo es nur wenige Ärzte gibt und die Pflegedienste weite Strecken zurücklegen müssen, sieht sie Einsatzmöglichkeiten für technische Helferlein im Alltag.

Heute lebt Lola Güldenberg zwar in Berlin, die Versorgungslücken auf dem Land kennt sie trotzdem: Sie selbst ist in einem 120-Seelen-Dorf im Hunsrück (Rheinland-Pfalz) aufgewachsen. In Bad Belzig und Umland sollen die Dienstleistungen ihres Unternehmens zuerst greifen.

Apps und Filme als Hilfestellung

Wie das konkret aussehen kann, erläutert sie anhand ein paar einfacher Beispiele. Eine alte Frau, die am liebsten fernsieht und darüber manchmal ihre Tabletten vergisst, kann mit einem kurzen Film regelmäßig daran erinnert werden, welche Pillen sie wann zu sich nehmen muss. Und eine Angehörige könnte ruhiger schlafen, wenn eine mit einem Sensor verknüpfte App sie darüber informiert, wann der bettlägerige Vater sich verkrampft und gewendet werden muss.

„Man kann sich Technologien Untertan machen“, sagt Lola Güldenberg. Sei es beim Waschen, Anziehen oder Kochen: Es gibt viele Kniffe, die den Alltag erleichtern und den Betroffenen ein Stück Handlungsfähigkeit zurückgeben.

Lola Güldenberg ist studierte Designerin und Gründerin einer Agentur für Trendforschung und von Carlo, einem Dienstleister im Pflegebereich. Quelle: privat

Erster Pflegestammtisch in Lütte

Mitte Januar veranstaltet Güldenberg zum ersten Mal einen sogenannten Inno-Pflegestammtisch in Lütte, wobei „Inno“ für Innovation steht. Gemeinsam mit der Stadt Bad Belzig und der Awo lädt sie zu einem Austausch über häusliche Pflege, zu dem jeder willkommen ist. Bisher hat Lola Güldenberg dieses Konzept nur in Berlin getestet.

„Der Stammtisch ist wichtig, damit sich die Menschen untereinander austauschen können“, erklärt die 49-Jährige. Sie möchte herausfinden, welche Erfahrungen es in der Region mit Technik in der Pflege gab, wo es hakt und wo Hilfestellungen benötigt werden.

Dreimonatige Testphase

Die Stammtische sind der Auftakt einer dreimonatigen Testphase, für die Güldenberg Bad Belzig als Pilotregion ausgewählt hat. In dieser Zeit begleitet die Beraterin Pflegekräfte bei Hausbesuchen und bietet kostenlos Verbesserungsvorschläge an. Somit geht sie selbst in Vorleistung, um das Projekt umzusetzen. „So lange ich das finanzieren kann, mache ich weiter“, sagt Güldenberg. Klar ist allerdings auch: „Die Samariter-Nummer kann ich mir nicht ewig leisten.“ Irgendwann muss die Beratung also Geld abwerfen – schließlich hat die 49-Jährige auch noch eine Familie zu ernähren.

Bisher finanziert sie das Projekt mit Einnahmen aus Workshops und Vorträgen. Gleichzeitig klappert sie Ministerien auf Landes- und Bundesebene ab. Einen Investor aus der Gesundheitstechnik will sie nicht, um ihre Unabhängigkeit nicht zu gefährden.

Termine für zwei Pflegestammtische in Lütte stehen fest

Der erste sogenannte Inno-Pflegestammtisch findet am Freitag, 17. Januar, im Gemeindehaus Lütte statt.

Im Mittelpunkt stehen digitale und technische Hilfsmittel im häuslichen Pflegealltag.

Die Veranstaltung von Carlo Technische Beratung in der Pflege und der Stadt Bad Belzig beginnt um 16 Uhr.

Teilnehmen können alle Interessierten.

Eine zweiter Stammtisch findet am Freitag, 24. Januar statt. Die Teilnahme ist für beide Termine kostenlos, heißt es weiter.

Weitere Informationen dazu gibt es bei Lola Güldenberg unter 0173/218 79 60.

An Vorwissen angepasste Technologien

Bei ihrer Beratung stellt Lola Güldenberg zuerst den „digitalen Reifegrad“ der Pflegepatienten fest. Konkret bedeutet das: Kann der Betroffene mit einem Smartphone umgehen? Gibt es WLAN? Nutzt er vielleicht sogar schon einen Sprachassistenten, um Musik oder Telefonanrufe zu steuern?

Die Verbesserungsvorschläge orientieren sich stets daran, was die Betroffenen schon können. Schließlich soll die Technologie den Alltag erleichtern, nicht erschweren. Das Angebot ihrer Firma reicht von der Basis-Stufe, die nur Festnetz und ein Handy, aber kein Internet voraussetzt, bis hin zum Pro-Level, das ein Smartphone, sicherer Umgang mit einer Cloud und Offenheit gegenüber Robotik beinhaltet.

Grundsätzlich gilt aber: „Eine Technologie, die man nicht versteht, ist eine schlechte Technologie“, sagt Güldenberg.

Unsicherheiten abbauen

Für die Generationen, die gerade heranwachsen, sei es wahrscheinlich selbstverständlich, im Alter auf Apps und Co. zurückzugreifen. Bei älteren Generationen gebe es hingegen noch viel Skepsis und Unsicherheit im Umgang mit smarter Technik.

Mit den Stammtischen und der Beratung will Lola Güldenberg zeigen, was es für Möglichkeiten gibt – und älteren Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen.

Von Hannah Rüdiger

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