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Bad Belzig Warum Aufgeben für eine Zirkusfamilie keine Option ist
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Warum Aufgeben für eine Zirkusfamilie keine Option ist
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21:13 13.04.2018
Der Zirkus „Amar“ macht bis Sonntag  zum ersten Mal in Bad Belzig Station. Nino Frank tritt auch  als Feuerspucker auf.    
Der Zirkus „Amar“ macht bis Sonntag zum ersten Mal in Bad Belzig Station. Nino Frank tritt auch als Feuerspucker auf.     Quelle: Thomas Wachs
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Bad Belzig

Aufgeben ist keine Option. Wenngleich das Zirkusleben in den vergangenen Jahren auch stetig schwieriger geworden ist, Familie Frank hängt an ihrer Tradition, an ihrem Schaustellerleben. „Setzen Sie mich alte Pflanze mal irgendwo in ein Haus – da gehe ich ein wie eine Primel“, sagt Gabi Frank und lacht. Zusammen mit ihren Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkeln ist sie das ganze Jahr über unterwegs. Noch bis Sonntag macht die Familie mit ihrem Zirkus „Amar“ auf dem Turnplatz in Bad Belzig Station.

Der Zirkus Amar macht zum ersten Mal in Bad Belzig Station. Vor dünn gefüllten Rängen treten viele Akteure des Familienbetriebes in mehreren Rollen auf.

Ihr Tourneeplan hat sie zum ersten Mal in den Hohen Fläming geführt. Am Montag geht es weiter nach Bad Düben. Im Schnitt bleibt der Zirkus vier bis fünf Tage an einem Ort. Der Zeitplan ist straff: Aufbau, Proben, Vorstellungen, Abbau – und weiter geht’s. „Ich führe den Zirkus jetzt in sechster Generation“, erzählt Nino Frank. „Früher waren wir noch größer, hatten mehr Tiere dabei. Irgendwann, als es zu groß wurde, hat ein Teil der Familie einen neuen Zirkus gegründet – und in dieser Formation sind wir jetzt seit etwa fünf Jahren unterwegs.“

Natürlich heiraten die Jungs Zirkusfrauen

Nino Frank ist in Hamburg geboren, seine Mutter Gabi in Berlin. Natürlich haben ihre Jungs Zirkusfrauen geheiratet – und die Tradition sei fortgesetzt worden. „Auch die Kinder sind mit Herzblut dabei – hätten aber genauso die Wahl, etwas anderes zu lernen“, sagt die 58-Jährige. „Man kann die Kinder ohnehin nur für Nummern begeistern, für die sie Interesse zeigen, sonst hat es keinen Zweck.“ Insgesamt sorgen aktuell 20 Familienmitglieder dafür, dass das Programm funktioniert.

Noch zwei Vorstellungen

Zum Zirkusprogramm gehören neben der Ponyshow auch viele Auftritte, die die kleinen und großen Zuschauer zum Mitmachen auffordern.

Zum Beispiel die „Anna und Elsa-Show“ in Anlehnung an den bekannten Walt-Disney-Kinofilm „Die Eiskönigin“.

Das gilt auch für die Aladdin-Show mit dem Flaschengeist Dschinni als Feuer-Fakir.

Weitere Zirkusvorstellungen finden am Samstag um 17 Uhr sowie am Sonntag um 14 Uhr in Bad Belzig statt.

Karten für die Vorstellungen gibt es an der Kasse und unter 0157/59 40 03 69.

Das Zirkusleben sei „hart aber herzlich“, sagt Gabi Frank. Eine Winterpause gebe es nur bei sehr schlechtem Wetter mit viel Schnee – ansonsten sei die Familie stets in ganz Deutschland unterwegs. Damit dabei die Schulbildung der jüngsten Zirkusmitglieder nicht zu kurz komme, gebe es zwei Möglichkeiten. „Je nach Region und Stadt gehen die Kinder vor Ort zur Schule oder es kommt regelmäßig ein Schulwagen mit Lehrern vorbei, die auf Schaustellerkinder spezialisiert sind“, erzählt Nino Frank. So sei es beispielsweise auch während der Zeit in Bad Belzig. In Bad Düben hingegen würden die Kinder in die Schulen vor Ort gehen.

In der Schule Kunststücke gemacht

„Als ich Kind war, gab es sowas wie Schulwagen noch nicht. Ich musste dann in den Schulen meist von meinem Leben beim Zirkus erzählen und oftmals noch ein Kunststück machen“, erinnert sich der 34-Jährige. „Aber gelernt hat er eher wenig“, ergänzt Mutter Gabi. Das sei heutzutage viel besser – und eines der wenigen Dinge, die sich in den vergangenen Jahren beim Zirkus positiv entwickelt haben.

Als eine große Herausforderung nennen die Franks, dass ihre Werbung in vielen Orten nicht erwünscht oder der geforderte Preis dafür sehr teuer sei. „Dann müssen wir die Plakate privat aufhängen, etwa an Gartenzäunen – und das ist ein Problem“, sagt er. „Ebenso wie die sinkenden Besucherzahlen. In den vergangenen Jahren mussten wir auch oft draufzahlen.“

Schweres Dasein ohne Zuschüsse

Warum das Publikum ausbleibt, vermögen die Franks nicht zu sagen. Sie wissen nur, dass das Dasein als Zirkus ein schweres geworden ist. Hohe Standmieten, Kosten für Kaution und Strom – und Zuschüsse gebe es keine. „In anderen Ländern zählt der Zirkus als Kultur, aber in Deutschland müssen wir selbst dafür sorgen, dass er nicht ausstirbt“, sagt Nino Frank. „Aber unser Leben hängt hier dran, wenn die Arbeit auch hart ist.“

Der Applaus der Zuschauer sei schließlich schöner als jede noch so hohe Gage. „Wenn wir in der Manege stehen, dann leuchten nicht nur die Augen des Publikums, sondern auch unsere eigenen – wir können ohne den Zirkus nicht leben“, schließt Frank. Ob seine Kinder die Tradition aber einmal weiterführen können, das wisse er nicht.

Von Josephine Mühln

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