Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Frau unter Verdacht: Hat sie mehr als zwei Dutzend Häuser beschmiert?
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Frau unter Verdacht: Hat sie mehr als zwei Dutzend Häuser beschmiert?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:08 25.04.2019
Das Infocafé "Der Winkel" hat es mit am stärksten getroffen. Hier wurde ein Großteil des Schaufensters mit Farbe beschmiert. Sie ließ sich mit Farbe abwaschen. Das Café wird immer wieder Opfer von Attacken. Quelle: Jan Russezki
Anzeige
Bad Belzig

Eine Spur mit weißer Farbe hat sich am Donnerstagfrüh durch die Kur- und Kreisstadt gezogen. Ausdrücklich wird damit nichts übertüncht, sondern es ist jedem geradezu negativ ins Auge gefallen.

Hauseigentümer und Geschäftsleute haben mindestens zwei Dutzend Anzeigen erstattet. Die Sachbeschädigungen aus der Nacht sind bei den Bad Belzigern in aller Munde.

Anzeige

„Ich habe mich zunächst noch über die beschmierte Fassade des Juweliers gewundert. Dann habe ich das Malheur bei uns entdeckt“, berichtet Guido Freidank. Seine Versicherungsagentur am Marktplatz ist ebenfalls betroffen. Er sei schockiert und verärgert, so der Unternehmer.

„Es ist zwar wasserlösliche Farbe, die hier verwendet wurde. Allerdings von der Fassade wird es nicht ganz weggehen“, mutmaßte er. „Wir rufen jetzt die Polizei und dann den Fensterputzer“, gab sich Guido Freidank dann erst einmal pragmatisch. Er hoffte, dass ein Täter ermittelt werden kann.

Rathaus ist betroffen

Tatsächlich bestätigt die Polizeidirektion West, dass am Donnerstag seit 6.45 Uhr zahlreiche Meldungen von Geschädigten im Revier Bad Belzig eingegangen sind.

Betroffen waren demnach unter anderem das Rathaus, das Büro des Wahlkreisabgeordneten im Landtag Brandenburg, Günter Baaske (SPD), das Infocafé „Der Winkel“, aber auch Drogerien, Büros und Verkaufsstellen zum einen in der historischen Altstadt und zum anderen in der Erich-Weinert-Straße im Wohngebiet Klinkengrund. Außerdem wurden zahlreiche Wahlplakate beschmiert.

Das Schild der Barmer Krankenkasse in Bad Belzig ist komplett geweißt. Das irritiert einige Passanten. Quelle: Jan Russezki

Parallel zu den sofort eingeleiteten Ermittlungen kam es von diesem Sachverhalt erst einmal losgelöst zu einem Einsatz in naher Umgebung, berichtet die Polizei auf MAZ-Anfrage.

Deren Beamte und der Rettungsdienst hätten demzufolge eine Wohnung geöffnet, in der sich eine hilflose Person aufhalten sollte. Im Zuge des Einsatzes wurden im Quartier der 45-jährigen Frau die mutmaßlichen Tat-Utensilien festgestellt. Konkret handele es sich dabei um Malerzubehör wie eine Rolle sowie weiße und rosa Farbe.

Weitere Hinweise auf Verdächtige

Zudem gab es wohl weitere Hinweise, welche einen Tatverdacht gegen die Mittelmärkerin begründeten, heißt es. Zu ihren Aussagen auf die Anschuldigungen will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Angaben machen.

Auch Guido Freidank, Generalvertretung der Allianz in Bad Belzig ist von den Schmierereien betroffen. Sein Schaufenster trägt weiße Farbspritzer. Quelle: Jan Russezki

Nach einer medizinischen Versorgung durch Rettungskräfte, wurde bei der Frau auch geringe Menge an Betäubungsmittel fest- und sichergestellt. Die Polizisten leiteten sodann Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung sowie wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ein. „Die Frau wird im Laufe des Donnerstages dem sozialpsychiatrischen Dienst vorgestellt, da eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden kann“, erklärte ein Sprecher.

Zeugen gesucht

Nach derzeitiger Erkenntnislage ist nicht von einer politisch motivierten Straftat auszugehen, heißt es. Die Kriminalpolizei führt die Ermittlungen fort und nimmt Zeugenaussagen entgegen: Polizei Brandenburg/Havel, 03381 / 56 00.

Von Jan Russetzki René Gaffron