Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Wandergruppe unternimmt Radtour durch militärisches Sperrgebiet
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Wandergruppe unternimmt Radtour durch militärisches Sperrgebiet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:08 23.09.2019
Die Wandertruppe "Flinke Füße" hat eine Fahrradtour über den Truppenübungsplatz Lehnin gemacht. Normalerweise ist das Waldgebiet zwischen Brück und Lehnin militärische Sperrzone. Etwa 20 Flinke Füße haben bei der Tour mitgemacht. Quelle: Hannah Rüdiger
Lehnin

Schüsse hallen durch den Wald. Ein einzelner uniformierter Soldat radelt über eine asphaltierte Straße, etwa 20 ältere Frauen und Männer folgen ihm. Was bedrohlich klingt, ist ein ganz ungefährlicher Ausflug der Wandertruppe „Flinke Füße“ über den Truppenübungsplatz Lehnin. Die Schüsse stammen aus den Gewehrläufen von zwei Infanterie-Einheiten, die ein paar Kilometer weiter für den Ernstfall üben.

Normalerweise ist das Waldstück zwischen Brück und Lehnin für Zivilisten tabu. Die Wandergruppe „Flinke Füße“ hat den Truppenübungsplatz am Freitag mit dem Fahrrad erkundet.

Für ein paar Stunden dürfen die Naturfreunde aus Brück ein Gebiet erkunden, das ihnen sonst verborgen bleibt. Mit einer Fläche von rund 72 Quadratkilometern ist der Platz zu groß für eine kurze Wanderung. Deswegen sind die Flinken Füße auf Fahrräder umgestiegen, ein paar von ihnen folgen der Gruppe mit Autos. Über zwei Stunden führt Stabsfeldwebel Olaf Berens die Ausflügler durch Kiefern- und Mischwälder, blühende Heide und über sandige Feldwege.

Asphaltstraßen statt Betonplatten

Herrmann Strübing von den Flinken Füßen hat den Ausflug organisiert. Für ihn führt die Tour über altbekannte Pfade. Als Handwerksmeister und Verwaltungsmitarbeiter hat er zehn Jahre lang auf dem Übungsplatz gearbeitet, erst für die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR und dann für die Bundeswehr. „Ich kenne mich noch ein bisschen aus, obwohl sich viel verändert hat“, sagt er.

Tatsächlich kann er sich auf dem Militärgelände ziemlich gut orientieren. An jeder Gabelung hält er kurz inne und erklärt dann, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt. Ein paar Dinge haben sich dann doch verändert: „Früher waren das alles Betonplatten und nicht so schöne Straßen“, sagt der 82-Jährige.

Die Wandertruppe "Flinke Füße" hat eine Fahrradtour über den Truppenübungsplatz Lehnin organisiert. Quelle: Hannah Rüdiger

Erst die NVA, dann die Bundeswehr

Die NVA hat den Truppenübungsplatz 1956 in dem Waldstück zwischen Lehnin und Brück errichtet. Auf dem Territorium der Hackenheide entstand wenig später die erste Schießbahn zwischen Kiefern, die Fallschirmjäger bezogen Quartier in Brück-Ausbau.

Nach und nach wurde der Übungsplatz ausgebaut: Die NVA bekam eine eigene militärische Dienststelle – eine sogenannte Kommandantur – sowie Verbindungsstraßen, Übungsräume und Truppenlager. Im Laufe der Jahre entstand außerdem ein Panzerschießplatz, der in den 70er Jahren für viele Lärmbeschwerden sorgte. 1988 wurde die Ortskampfanlage fertiggestellt, in denen die Soldaten Häuserkampf üben.

Nach der Wende übernahm die Bundeswehr den Truppenübungsplatz. Heute wird die Anlage hauptsächlich durch die Bundeswehr, aber auch für Übungen der Polizei und von Truppen verbündeter Nationen genutzt. Das Deutsche Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk üben in Lehnin für Katastrophenfälle.

Auf den sandigen Wegen durch die Heide müssen die „Flinken Füße“ schieben. Quelle: Hannah Rüdiger

30 Soldaten und 150 zivile Mitarbeiter

„Wir haben hier auch schon einen Großbrand simuliert“, sagt Stabsfeldwebel Berens. Die dichten schwarzen Wolken, die damals über den Baumwipfeln hingen, stammten aus Rauchmodulen. Nicht einmal die benachbarten Feuerwehren, die damals anrückten, hätten gewusst, dass es sich um eine Übung handelte. „Eine echte Katastrophe hatten wir hier zum Glück noch nie“, so Berens.

Etwa 30 Soldaten sind heute dauerhaft auf dem Gelände stationiert. Hinzu kommen 150 zivile Mitarbeiter und fünf Bundesförster. Wegen der Schießübungen kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Reibereien mit Anwohnern, vor allem in Neubaugebieten.

„Viele Hausbesichtigungen wurden wohl aufs Wochenende gelegt, wenn kein Schießbetrieb stattfindet“, sagt Berens. Manche Zugezogenen hätten daher nicht gewusst, was sie erwartet. Momentan sei die Lage aber „eher ruhig“.

Stabsfeldwebel Olaf Berens hat die Wandergruppe über den Truppenübungsplatz geführt. Quelle: Hannah Rüdiger

Artenvielfalt auf dem Truppenübungsplatz

Von den Schießbahnen und den Ortskampfanlagen ist auf der Radtour nichts zu sehen. Dafür rzählt Stabsfeldwebel Berens viel über den Baumbestand, auch mit der Heide kennt er sich gut aus. „Wir haben hier eine sehr große Artenvielfalt“, erklärt er. Zu den Bewohnern des militärischen Sperrgebiets zählt zum Beispiel die grün-blaue Smaragdeidechse.

Die Flinken Füße sind von dem Ausflug begeistert, auch wenn sie ihre Fahrräder über weite Strecken durch unwegsames Gelände schieben müssen. „Es ist wunderbar, dass man mal die Möglichkeit hat, das hier zu sehen“, sagt Brigitte Haseloff. Nach der Wende hat sie selbst ein paar Jahre lang als Reinigungskraft auf dem Übungsplatz gearbeitet. Seit 1997 habe sie das Areal nicht mehr betreten.

Die „Flinken Füße“ aus Brück gehen einmal pro Woche gemeinsam wandern. Quelle: Hannah Rüdiger

Ein Stück Heimat für die Brücker

„Das ist wirklich eine Rarität“, findet auch Helga Kühne aus Bad Belzig. Andere Wanderungen könne man immer wiederholen – diesen besonderen Ausflug in ein verborgenes Gebiet allerdings nicht. Umso schöner sei es, die Erfahrung mit den anderen Flinken Füßen zu teilen: „Wir sind einfach ein wunderbares Team.“

Herrmann Strübing freut sich, dass er seinem alten Arbeitsplatz mal wieder einen Besuch abstatten konnte. „Für uns Brücker ist das hier auch ein Stück Heimat“, sagt der 82-Jährige. „Ein Stück Heimat, das wir lange nicht mehr gesehen haben.“

Von Hannah Rüdiger

Friedrich Schorlemmer war zu Gast in der Fläming-Bibliothek Rädigke. Es wurde auf die friedliche Revolution 1989 zurückgeblickt. Der Bürgerrechtler beklagt, wie die Meinungsfreiheit strapaziert wird.

22.09.2019

Die Geschäftsstelle der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) in Bad Belzig präsentiert ab 23. September Werke der Künstlerin Gabriele Kostas. Die Schau trägt den Titel „Venezianische Impressionen“.

22.09.2019

Die Evangelische Gemeinde in Bad Belzig hatte für Freitagmittag zur Kundgebung eingeladen. Dort trat Burkhard Kroll als Redner auf. Er lobte die Jugend und tadelte die Lehrer

20.09.2019