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Bad Belzig Schulsperre nach Windpocken: Frust und Verwirrung bei Eltern
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Schulsperre nach Windpocken: Frust und Verwirrung bei Eltern
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17:45 29.03.2019
Betroffen vom Schulausschluss an der Bad Belziger Grundschule war auch Malou Wolter. Ihre Mutter Anne-Karen Wolter ließ die Windpocken-Impfung dann durchführen, damit ihre Töchter keinen Unterricht verpassen. Quelle: Thomas Wachs
Bad Belzig

Ärger, Frust und starke Verwunderung ausgelöst hat das im Zusammenhang mit Fällen von Windpocken-Erkrankungen vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung verhängte Schulverbot für 64 Jungen und Mädchen in Bad Belzig. Denn offenbar gab es bei der Abwicklung auch Ungereimtheiten. Das macht Eltern wütend. Auch ein Kinderarzt der Stadt übt Kritik am Verfahren.

Seit Mittwoch durften die betreffenden Schüler nicht mehr die Geschwister- Scholl-Grundschule besuchen. Um eine Ausbreitung der ansteckenden Erkrankung zu verhindern, hatte das Gesundheitsamt den Impfschutz überprüfen lassen. Kinder, für die er nicht nachgewiesen werden konnte, mussten zu Hause bleiben. Ihre Schulsperre gilt bis 7. April. Sie kann aufgehoben werden, wenn eine Impfung erfolgt.

„Verwirrende Informationen“

„Das ist ein völlig überzogener Schritt gewesen“, sagt Anne-Karen Wolter. Die Mutter hatte ihren Sohn impfen lassen. Jedoch bewusst nicht ihre beiden Töchter. „Sie sollten die Windpocken selbst durchmachen, das hat früher auch niemandem geschadet“, sagt die Bad Belzigerin. Spontan entschied sie sich nun „unter dem Druck der Behörde“ jedoch für die Impfung ihrer beiden Töchter. „Vor allem, damit sie zwei Wochen keinen Unterricht versäumen“, sagt die Mutter. „In der ersten Klasse verpassen sie ja jeden Tag etwas Neues und die zweite Tochter strebt in der vierten Klasse gerade den Übergang zum Gymnasium an“, so Wolter.

Sie ärgert sich über die „verwirrenden Informationen zum Thema“ bei Telefonaten und Gesprächen mit verschiedenen Mitarbeitern des Gesundheitsamtes. „Mal hieß es, eine Impfung reicht, mal sollten es zwei sein. Jeder hat was anderes gesagt“, erzählt die Mutter. Sie warnt vor einer Hysterie: „Die Ansteckung kann doch überall erfolgen“.

Trotz Impfung erkrankt

Katrin Eichelbaum gehört zu den Eltern, deren Tochter trotz einer zweifachen Impfung gegen Windpocken nun daran erkrankt ist. Alle ihre insgesamt drei Kinder hatte die Mutter impfen lassen. Für sie stellt sich bei dem Vorgehen des Gesundheitsamtes vor allem die Frage der Ansteckungsphase. „Sie beträgt vor Ausbruch doch bis zu 16 Tage und war damit wohl schon vorüber“. Somit könnten nun auch weitere geimpfte Kinder in der Schule sitzen, die trotzdem noch an Pocken erkranken, gibt die Mutter zu bedenken. Auch sie mahnt zur Sachlichkeit: „Wir reden hier von Windpocken und nicht von Masern.“

„Völlig überzogene Aktion“

„Völlig verwundert“ war Grit Haseloff. Ihr Junge, der die fünfte Klasse besucht, war nach der Kontrolle der Impfbücher am Mittwoch auch nach Hause geschickt worden. Dabei verfügt er nachweislich über eine zweifache Impfung. „Erklären konnte mir das niemand beim Gesundheitsamt“, sagt die empörte Mutter.

An der Geschwister-Scholl-Grundschule in Bad Belzig bleiben nach Fällen von Windpocken die Türen nun für einige Schüler verschlossen. Quelle: Thomas Wachs

Grit Haseloff ließ ihrem Sohn kurzerhand eine dritte Impfung verpassen, damit er seit Donnerstag wieder zur Schule gehen kann. „Das alles war eine völlig überzogene Aktion“, sagt Grit Haseloff. „Früher wurde am Kindergarten angeschrieben, dass Windpocken umgehen und betroffene Kinder blieben zu Hause. Dann war das gut“, sagt die Mutter.

Eltern in Betreuungsnot

Zum Glück hatte sie ohnehin gerade zwei Tage frei. Sonst hätte die Familie die Großeltern bemühen müssen, um den Jungen zu betreuen. „Wer schreibt mich denn krank für ein Kind, das gar nicht krank ist“, fragt Grit Haseloff.

Überrascht vom drastischen Vorgehen des Gesundheitsamtes ist auch Kinderarzt Burkhard Kroll. Nach Einschätzung des Doktors in Bad Belzig habe die Behörde „leicht hysterisch reagiert in der Situation“. Denn die wissenschaftliche Basis sei nicht gegeben für solche Schritte zur Impfempfehlung. Seit nunmehr 15 Jahren werde gegen Windpocken geimpft, ohne dass sich signifikante Veränderungen ergeben hätten. „Das zeigt der Fakt, dass auch Kinder erkranken, die geimpft sind“, so Kroll.

Doktor warnt vor Hysterie

Alleine in seiner Praxis waren im März unter den sechs Fällen von Windpocken vier Kinder mit einer Impfung. Als Arzt folge er zwar der Empfehlung für Impfungen, könne aber auch Eltern verstehen, die diese nicht wollen. Vor allem im Zusammenhang mit Windpocken. „Wir reden hier nicht von Masern, das ist eine ganz andere Thematik“, so Kroll.

In seiner Praxis hatten er – und vor allem seine Mitarbeiterinnen am Empfang – in den zurückliegenden Tagen viel Aufklärungsarbeit leisten müssen für verunsicherte Eltern. Im Fall von Windpocken, wo es wesentlich weniger dramatische Krankheitsverläufe gebe als etwa bei Masern, rät der Kinderarzt auch dazu, dass „die Gesundheitspolitiker sich nicht von Interessen der Pharmafirmen vereinnahmen lassen sollten“. Der Doktor und auch viele betroffene Eltern wie Anja Zwank kritisieren, „die von der Behörde verfügte Zwangsimpfung, um der Schulpflicht nachkommen zu können, obwohl es gar keine Impfpflicht gibt“.

Behörde geht auf Nummer sicher

Kai-Uwe Schwinzert, ein Sprecher der Kreisverwaltung, verteidigt das Vorgehen des Gesundheitsamtes. Es richte sich nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, um eine Ausbreitung der Windpocken-Erkrankung zu unterbinden. 

Für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sei das Auftreten an drei Schulen und einer Kindertagesstätte im Kreisgebiet aktuell auch personell eine besondere Herausforderung. Jeweils sind bis zu acht Mitarbeiter vor Ort, um die Kontrollen durchzuführen. „Lieber gehen wir aber einen Schritt zu viel, als einen zu wenig“, sagt der Sprecher des Kreises am Freitag gegenüber der MAZ.

Von Thomas Wachs

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