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Bad Belzig Genossenschaft will Lücke schließen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Genossenschaft will Lücke schließen
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14:44 10.09.2019
Architektin Birgit Jeske erklärt Gerd Pohl den geplanten Neubau. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Die Lücke in der Sandberger Straße 11 in Bad Belzig soll geschlossen werden. Geht es nach den Plänen der Wohnungsbaugenossenschaft Bad Belzig 1919 (WBG) wird dort ein Haus mit neun Quartieren errichtet. Das sagte Geschäftsführer Steffen Tschiersch.

Seiner Aussage nach will das Unternehmen zudem das Haus in der Sandberger Straße 13 erwerben und erhalten. Dort könnten eine weitere Wohnung und der Verwaltungssitz der Genossenschaft, der sich aktuell noch in der Karl-Marx-Straße nahe dem Fläming-Bahnhof befindet, untergebracht werden.

Bisheriger Eigentümer will verkaufen

Beide Grundstücke sind noch Eigentum von Hannes Völker. Er hat sie nach der Wende erworben und will sie jetzt veräußern. Im noch bestehenden Fachwerkbau betrieb er in den frühen 90er-Jahren sein Lichtstudio. Die eigenen Baupläne hat der Geschäftsmann nie verwirklichen können. Das schilderte Monika Schwarz nun umfang- und facettenreich. Anlass war der Tag des offenen Denkmals.

Monmika Schwarz aus Bad Belzig vom Sandberg hielt den Vortrag über die Historie von Sandberger Straße 11 und 13 Quelle: René Gaffron

Im Vorfeld hatte die heimatgeschichtlich interessierte Sandbergerin mit dem Chronistenpaar Helga und Günter Kästner viele Unterlagen gesichtet und Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen befragt. Nicht zuletzt wurden Bauakten aus dem Archiv der Kreisverwaltung ausgewertet.

Pflaster zeigt noch „Belziger Ecke“

Das Gebäude in der Sandberger Straße 11 ist zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Abriss noch vielen älteren Bewohnern der Stadt als „Belziger Ecke“ im Gedächtnis. Es ragte buchstäblich so weit heraus, dass die Fußgänger auf dem Weg ins Zentrum den Gehweg kurz verlasen mussten. Heutzutage ist dank einer etwa 2009 erfolgten farbigen Markierung im Pflaster zumindest das Ausmaß nachvollziehbar.

„Diese Besonderheit muss beim Neubau aber nicht wieder hergestellt werden“, stellt Birgit Jeske klar. Die Architektin plant das Neubau- und Sanierungsvorhaben für die Genossenschaft. Es soll ein 2,5-Geschossbau sein, der sich in die Umgebung einpasst. Fahrstuhl inklusive, denn die 50 bis 80 Quadratmeter großen Wohnungen sollen altersgerecht ausgestattet sein.

Denkmal seit 1990

Wie Monika Schwarz erkundet hat, war die Sandberger Straße 11 zwar 1990 nicht zuletzt wegen des Blickfangs in der Fassadenlinie wie schon einmal 1982 unter Denkmalschutz gestellt worden. Doch schon bald setzte ein Anwalt erfolgreich seinen Widerspruch durch. Das Abtragen des alten Haues wurde unter Auflagen genehmigt. Die Anpassung an Grundriss, Geschosszahl und Dachform des Vorgängerbaus wurde nach langwierigen Verhandlungen mehr oder weniger zur Zufriedenheit der Behörden erfüllt.

Gebäude mit viel Historie

Das noch bestehende Wohnhaus Sandberger Straße 13 ist erstmals 1815 erwähnt. Seilermeister Johann Christian Görisch hat es vom Vater gekauft.

Der Laden im Erdgeschoss beherbergte nach dem Krieg noch die Buchhandlung Mückenhausen und zuletzt einen Schreibwarenladen der Handelsorganisation (HO).

Das brauberechtigte Wohnhaus in der Sandberger Straße 11, das nicht mehr besteht, wird mit zwei Ställen, Quergebäude und Scheune bereits 1778 genannt. Schäfermeister Johann Gottlob Wollschlaeger hat es erworben.

1905 wurde darin Rudi Sachs geboren. Er musste später seine Heimatstadt verlassen, weil die Nazis ihn und seine Mutter Ida unter Druck setzten.

Zuletzt waren dort in den 60er Jahren die Wäscherei-Annahme und später die HO-Deko-Abteilung untergebracht.

Beispielsweise sollte der Abstand von mindestens 1,30 Metern zum Nachbarhaus gehalten werden, so dass dort das Fachwerk weiter erkennbar bleibt. Vor allem aber wurde der Erhalt des Kellers, einem Tonnengewölbe gefordert. Die juristischen Auseinandersetzungen darum dauerten an und eine Zwischen-Nutzung mit einem Imbissstand auf der Fläche folgte. Doch eine Klärung konnte offenbar nicht herbei geführt werden, denn die Sicherung der Tonnengewölbe blieb als Forderung erhalten bis im Jahr 2000 die Baugenehmigung erlosch.

Keller sind zu dokumentieren

„Wir werden die Kellerräume freilegen und dokumentieren, brauchen sie aber nicht für unseren Neubau“, sagt Steffen Tschiersch. Ob dies und die Sanierung des benachbarten Hauses mit vertretbarem Aufwand gelingen wird, kann er laut eigenem Bekunden noch nicht abschätzen. 2004 sind bereits einige Teile abgebrochen worden und zur Besichtigung des Denkmals durften die Interessierten nur und auf eigene Gefahr das Erdgeschoss betreten.

Die Lücke in der Sandberger Straße in Bad Belzig war am Sonntag ein Treff für viele Bad Belziger. Dort ging es um Rück- und Ausblick für das Areal. Quelle: René Gaffron

Aktuell wird der Besitzerwechsel vorbereitet. Dazu müssen zuerst die Grundbücher von alten Ansprüchen bereinigt werden. Dann wird die Wohnungsbaugenossenschaft den Bauantrag für ihr Vorhaben bei den Behörden einreichen. „Die Vorleistungen bisher sind –mit dem Vorstand abgestimmt –auf eigenes Risiko erfolgt“, räumt Steffen Tschiersch ein. Rund 2,5 Millionen Euro sind als Investition kalkuliert.

Von René Gaffron

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