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Bad Belzig Gleisbau: Schrilles Warnsignal nervt die Anwohner
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Gleisbau: Schrilles Warnsignal nervt die Anwohner
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19:20 21.06.2019
Gleisbau an der Strecke zwischen Bad Belzig und Brück. Quelle: René Gaffron
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Brück

Der Gleisbau zwischen Bad Belzig und Brück ist in vollem Gange. Das ist gut zu sehen und erst recht nicht zu überhören. Denn akustisch wird dort gewarnt, wenn sich ein Zug den Baustellen nähert. Das Typhon, so heißt das Signalgerät im Fachjargon, funktioniert dabei automatisch.

„Wenn sich ein Zug nähert, löst er den Kontakt aus. Dann ertönt aus den Lautsprechern in dem 800-Meter-Bereich der ziemlich schrille Ton“, erklärt Matthias Andretzke. Er ist der Bauleiter der gerade hierzulande tätigen Bahnbaugruppe, samt ihren Partnerunternehmen mit insgesamt etwa 20 Beschäftigten. In der Nacht werden außerdem noch Rundumleuchten eingesetzt. Dann wissen die Bauleute, dass auf dem Nachbargleis ein Zug angerauscht kommt.

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Keine Routine bei der Sicherheit

Das Signal ist wie auch die ebenfalls zum Einsatz kommende Starktonhupe kilometerweit vernehmbar. Das hat bei einigen Einwohnern zunächst für Verwunderung und Diskussionen gesorgt. Denn das Mehrklanghorn kennen die meisten heutzutage eher aus den Fußballstadien als von der Eisenbahnstrecke.

Obwohl die manuelle Warnung des Personals nicht mehr üblich ist, lassen die Kollegen gerade bei den Sicherheitsfragen keine Routine einziehen.

Ein Warnsignal aus dem Lautsprecher ertönt, wenn sich ein Zug der Baustelle nähert. Quelle: René Gaffron

Mit Tempo 120, wie es der Fahrplan vorschreibt, rasen beispielsweise die Züge der Regionalexpresslinie 7 an den Bauarbeitern vorbei. Der Verkehr zwischen Bad Belzig und Brück ist derzeit eingleisig organisiert, damit auf dem Abschnitt der Gleisumbau mit der Schotterbereinigung erfolgen kann. Die Strecke ist zwölf Kilometer lang, auf der Schienen und Schwellen erneuer werden.

Setzungen sollen vermeiden werden

„Dabei kommt ein Umbauzug SUM 315 zum Einsatz“, sagt Matthias Andretzke. Einschließlich Schwellenwagen ist er 600 Meter lang. Im Vorlauf wird der Schotter aus dem Gleisbett aufgenommen, gesiebt und dann wieder eingebaut.

Später werden noch Steine tonnenweise nachgestopft und das Gleis verschweißt. „Reinigung und Erneuerung sind nötig, weil der Dreck beeinflusst von Regen und Frost sonst langfristig zu Setzungen führt“, erklärt der Bauleiter. Die aussortierten Gesteins- und Bodenreste werden zur Ladestraße des Bahnhofes Brück gefahren und später fachgerecht entsorgt, heißt es.

Bahnübergang Baitz gesperrt

Wegen des Gleisbaus kommt es zu Einschränkungen im Schienen- und Straßenverkehr. So entfallen die sogenannten Wochenend-Verdichterzüge zwischen 11.30 und 12 Uhr sowie 17 und 17.30 Uhr zwischen Bad Belzig und Borkheide ersatzlos.

Außerdem ist der Bahnübergang in Baitz wieder von Sonnabend, 12 Uhr, bis Sonntag, 20 Uhr, gesperrt. Weitere Einschränkungen in Trebitz/Gömnigk; Brück, Silberbrückenstraße und Brück, Bahnhofstraße folgen noch.

Detailierte Informationen gibt es auf derInternetpräsenz des Amtes Brück www.amt-brueck.de

Im Bereich der Bahnübergänge sind bereits vor fünf Jahren einige Schwellen getauscht worden. Insgesamt sollte ein Gleis etwa 30 Jahre lang halten, sagt Matthias Andretzke. Am Haltepunkt Baitz wird der Austausch mit kleinere Bagger-Ausrüstung vorgenommen. Eine eigentlich fällige Anpassung des Bahnsteiges an die Ausstiegshöhe bei den Zügen ist aber nicht Bestandteil der Arbeiten.

Schweißen nicht bei Hitze möglich

Indes muss in Brück demnächst nachts durchgearbeitet werden. Geplant ist, dass die Schweißarbeiten an den Schienen ab 30. Juni zwischen 22 und 8 Uhr stattfinden. Dann darf das Metall maximal 23 bis 26 Grad Celsius warm sein. Bei den vorhergesagten Temperaturen hat die Schiene tagsüber schnell mehr als 45 Grad Celsius, wie der Bauüberwacher Fabian Mang zu berichten weiß.

Beobachter am Rande: Herbert Pesch und Kurt Hübner aus der Brücker Silberbrückenstraße. Quelle: René Gaffron

Solange haben die Anwohner zum Beispiel in der Silberbrückenstraße in Brück-Rottstock etwas Spektakuläres zu sehen –und wegen des Lärms der Maschinen auch zu hören. Herbert Pesch und Kurt Hübner wohnen dort seit Mitte der 70er-Jahre und verfolgen die Arbeiten mit fachkundigem Blick. Die Nachbarn hätten keine Beschwerden darüber, dass es so laut zugeht, vernommen, berichten sie.

„Außerdem sind wir erstmals persönlich per Postwurfsendung vorgewarnt worden“, so die Rentner. „Es muss ja erledigt werden“, ergänzt auch Julia Görisch. So wird der gesperrte Bahnübergang eher zum abendlichen Treffpunkt.

Von Rene Gaffron