Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Hitze im Büro: Arbeitsagentur schließt am Donnerstag früher
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Hitze im Büro: Arbeitsagentur schließt am Donnerstag früher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:56 08.08.2018
Die Hitze ausgesperrt: Franziska Tersch schließt in ihrem Büro in der Kreisverwaltung Fenster doppelt mit Rollos und Jalousien. Quelle: Christina Koormann
Bad Belzig

Was für eine Hitze! Im zweiten Stock des Verwaltungsgebäudes am Papendorfer Weg in Bad Belzig zieht Franziska Tersch in ihrem Büro die Rollos zu. Die Mitarbeiterin des Sozialamtes der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark hält es so trotz der Sahara ähnlichen Temperaturen gut aus an ihrem Arbeitsplatz.

Ventilator sorgt für kühle Luft

Ein Ventilator pustet Tersch und ihrer Kollegin zumindest etwas frische Luft in den nun glücklicherweise schattigen Raum. „Viel Wasser trinken“, lautet bei ihnen die Devise. Die Temperaturen schlagen auf die Konzentration, auf Kopf und Kreislauf. Das macht den Arbeitsalltag zu einer Herausforderung.

Weil es in den Räumlichkeiten des Rathaus Werder zu heiß geworden war, wurden dort jetzt die Sprechzeiten des Bürgerservices und des Stadtarchivs gekürzt. Auch in der Kreisverwaltung werden Wege gesucht, um Mitarbeiter vor Überhitzung zu schützen, wenn auch nicht durch kürzere Sprechstunden.

Verschobene Termine im Arbeitsamt

Bei der Arbeitsagentur in Bad Belzig gab es Einschränkungen wegen der Hitze am Dienstag und Mittwoch. Die Termine mit Kunden in der Arbeitsvermittlung „am langen Dienstag“ zwischen 15 und 18 Uhr wurden auf andere Zeiten verschoben, damit die Mitarbeiterinnen, die auf der heißen Seite des Hauses am Rollberg arbeiten, früher in den Feierabend gehen konnten. Insgesamt zwölf Termine mussten verschoben werden. „Es wäre auch für die Kunden nicht angenehm, unter diesen Bedingungen erscheinen zu müssen“, sagt Marko Wilke, Leiter der Geschäftsstelle.

Am Mittwoch verkündete die Pressestelle der Agentur für Arbeit, dass Jobcenter und Arbeitsagentur am Donnerstag nur bis 13 Uhr geöffnet sein werden. Grund dafür ist die amtliche Hitzewarnung. „Diese Entscheidung treffen wir zum Schutz der Menschen“, sagte Ramona Schröder, die Vorsitzende der Geschäftsführung. Die Regelung gilt auch für die Standorte Brandenburg an der Havel, Potsdam, Luckenwalde und Zossen.

In Bad Belzig ist geplant, die Büros der Arbeitsagentur künftig vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen. „Leider ließ sich das bisher nicht umsetzen“, so Wilke. Nun sollen noch 2018 Sonnenschutzfolien auf die Fenster aufgebracht werden.

Ein Teil der Arbeit kann von zuhause verrichtet werden

Ausnahmsweise können Beschäftigte der Arbeitsagentur derzeit bestimmte Arbeiten auch in Telearbeit von zu Hause aus erledigen. In allen Büros stehen Ventilatoren bereit. „Am wichtigsten ist mir, dass die Mitarbeiter diese außergewöhnlich lange Hitzephase gut überstehen und die Gesundheit keinen Schaden nimmt“, betont Wilke.

„In anderen Ländern macht man Siesta“

„Wir haben großes Glück mit der Gleitzeit“, sagt Andrea Metzler, Sprecherin des Landratsamtes. „Die Mitarbeiter können sich zwischen sechs Uhr morgens und 20 Uhr abends ihre Arbeit so einteilen, wie sie wollen.“ Bei den heißen Temperaturen kämen viele schon frühzeitig. „Es muss allerdings gewährleistet sein, dass unsere Sprechzeiten personell abgedeckt sind.“ Zu den Sprechstunden kämen allerdings momentan sowieso sehr wenige Bürger. „Niemand traut sich nach draußen“, sagt Metzler. „In anderen Ländern macht man bei solchem Wetter um die Mittagszeit Siesta.“

In den alten Büros ist es auszuhalten

Die Räumlichkeiten des Landratsamtes reagieren ganz unterschiedlich auf die Hitze. In den alten Büros an der Niemöllerstraße sei es noch auszuhalten. Im Neubau am Papendorfer Weg, der viel Sonne abbekommt, heizen sich die Büros schnell auf. Am Dienstag wurden die Mitarbeiter des Teams Unterhaltsvorschuss an allen vier Standorten in Bad Belzig, Werder, Brandenburg an der Havel und Teltow ab 15 Uhr nach Hause geschickt. „Die Verantwortung liegt bei den Fachdienst- und Teamleitern“, sagt Andrea Metzler. „Sie müssen entscheiden, was sie ihren Mitarbeitern zumuten können.“

In Niemegk helfen Ventilatoren und Klimaanlage

Auch Sophia Petzold vom Hauptamt Niemegk berichtet von Flexibilität durch Gleitzeit. „Wenn ein Mitarbeiter früh anfängt, kann er theoretisch am Mittag zwei Stunden ins Freibad gehen“, sagt sie. Doch auch im Amt Niemegk müssen die Sprechzeiten eingehalten werden.

Wenn die Temperaturen steigen

Zwar gibt es keinen Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder Hitzefrei, doch das heißt nicht, dass Angestellte bei jeder Temperatur arbeiten müssen.

Der Gesetzgeber hat 2011 Temperaturschwellen festgelegt, ab denen der Chef aktiv werden muss.

Steigt das Thermometer im Büro über 26 Grad, ist der Arbeitgeber verpflichtet, etwas zu tun – zum Beispiel Jalousien schließen, nicht benötigte elektronische Geräte ausschalten, Ventilatoren aufstellen und die Bekleidungsregeln lockern.

Wenn die Raumtemperatur auf über 30 Grad steigt, muss der Chef aktiv werden, kann die Arbeitszeiten vorverlegen oder den Arbeitstag verkürzen. Ab einer Temperatur von 35 Grad ist ein Büro laut Gesetzgeber nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, schnellstmöglich zu handeln. Nur, wenn der Chef keine Gegenmaßnahmen trifft, hat der Mitarbeiter das Recht, die Arbeit zu verweigern.

„Uns geht es gut mit Ventilatoren und Klimaanlage“, sagt Petzold. Bisher sei es gelungen, die Raumtemperatur in den Büros unter 30 Grad zu halten. „Wir sind auf mehrere Gebäude verteilt. Vor allem im alten Renaissance-Haus hat sich die Frische gespeichert, anders geht ist es da bei den Kollegen im Dachgeschoss zu“, sagt die Personalchefin.

Seit Dienstag steht für die Mitarbeiter des Amtes Niemegk auch kostenloses Trinkwasser bereit. „Uns geht es noch gut, andere haben es bei ihrer Arbeit schwerer“, sagt Petzold. „Mir tun in diesen Tagen besonders die Leute auf dem Bau leid.“

Abkühlung am Brunnen

Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) kann in der Stadtverwaltung nicht einfach Rollläden anbringen lassen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Auf der Sonnenseite wurden jüngst in der Spitze mehr als 38 Grad gemessen. Folge: die Arbeitszeit der Mitarbeiter wurde reduziert. Mittlerweile sind an den Innenseiten der Fenster Jalousien angebracht.

Abkühlung finden die Mitarbeiter auch am Brunnen vor dem Rathaus. Dort hier können sie in einer freien Minute die Füße ins kühle Wasser halten. „Wir sind urlaubsbedingt momentan nicht besonders stark besetzt und der Andrang der Bürger ist geringer“, sagt Knape. „Wegen der Gleitzeitregelung ist es auch kein Problem, wenn jemand mal eine Stunde eher nach Hause muss.“ Aber auch hier müssten die Sprechzeiten abgesichert sein.

In Brück gibt es keine Klimaanlagen

„Wir halten durch“, sagt auch Marko Köhler, Amtsdirektor in Brück. „Wir wollen den Dienst am Bürger auch bei diesen Temperaturen aufrecht erhalten.“ Er habe mit vielen Mitarbeitern gesprochen, ein früherer Feierabend werde Kollegen nicht verwehrt, wenn sie nicht mehr können. Dennoch: „Unmut ist bisher nicht an mich herangetragen worden“, sagt der Amtschef. Diese Woche sei die Hitze besser zu ertragen. Ab Mittwoch soll es auch in Brück kostenloses Wasser für die Mitarbeiter geben.

„Der Kühlschrank ist aber ohnehin schon voll, die Kollegen versorgen sich bei dem Wetter gut und wappnen sich gegen den Super-Sommer“, sagt Köhler. „Ansonsten lüften wir quer und haben Ventilatoren im Einsatz.“ Klimaanlagen gibt es im Brücker Amtshaus nicht.

Von Christina Koormann

Grit Dähne verschenkt Bücher am Wegesrand. Im Bad Belziger Klinkengrund hat sie eine Bücherbank installiert. Sie ist beliebt, wird mitunter falsch verstanden, entwickelt aber auch ein Eigenleben.

08.08.2018

Das „Fläming Ensemble“ will historisches Liedgut einstudieren und bedient sich dafür zum Beispiel im „Flämischen Liederbüchlein“ aus dem Jahr 1917. Zum Altstadtsommer sollen die Stücke erklingen.

08.08.2018

Um die Vielfalt im Bad Belziger Wohnquartier Klinkengrund bekannter zu machen, hat sich das dort ansässige Awo-Familienzentrum ein buntes Sommerprogramm überlegt. Ziel ist auch, Eltern miteinander zu vernetzen.

07.08.2018