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Bad Belzig Kuppelbau für den Kirchentag kommt aus dem Hohen Fläming
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Kuppelbau für den Kirchentag kommt aus dem Hohen Fläming
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11:54 14.06.2019
Im Ökokombinat Bad Belzig entsteht der Holzkuppeldom für den Kirchentag in Dortmund. Benno Zindel und Marco Hintze haben ihn entwickelt. Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Zum Evangelischen Kirchentag in der nächsten Woche wird Dortmund vorübergehend um eine architektonische Sehenswürdigkeit reicher. Im „Pavillon der guten Nachrichten“ sollen die Menschen sich zuhauf treffen und zu positiven Anlässen miteinander ins Gespräch kommen. Der Dom ist jedoch gerade noch Blickfang in Bad Belzig.

Denn er wird gerade zum ersten Mal auf dem Areal des Ökokombinates zusammen geschraubt. Das Gerüst steht dort bereits und ist mit dem Metallgerüst des Fußbodens verbunden. In dieser Woche folgt noch die Plane aus einem Recyclinggewebe.

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Eine Kuppel aus Flämingholz ist im Ökokombinat Bad Belzig gebaut worden. Darin können sich Dutzende Menschen versammeln. So ist es geplant beim Kirchentag in Dortmund.

Das charakteristische Bauwerk hat einen Durchmesser von 13,90 Metern und somit eine Fläche von 150 Quadratmetern. Es ist 7,10 Metern hoch. „In der Größenordnung ist die Konstruktion noch neu“, bestätigt Marco Hintze. Etwa ein Dutzend kleinere Holziglus hat der Potsdamer Handwerker schon angefertigt.

Kiefer aus dem Hohen Fläming

Damals wie jetzt mit Holz aus dem Hohen Fläming. „500 Laufmeter beste märkische Kiefer kommen hier zum Einsatz“, erklärt Maik Nowak, Mitinhaber des Ökokombinates. In dem Werk wurden die Kanthölzer gesägt, getrocknet und gehobelt, ehe schließlich der Feinschliff in der Schmergower Werkstatt der Potsdamer Firma Yakone erfolgte. Der Begriff stammt aus dem Wortschatz der Innuite und bedeutet so viel wie Morgenröte.

An den Neuanfang fühlte sich Marco Hintze erinnert, als er mit dem Industriedesigner Benno Zindel, seine Firma 2015 gründete. Die Idee hatte ihn schon seit 1999/2000 umgetrieben. Damals lebte der ausgebildete Sozialtherapeut in einer Kommune in Südspanien. Mit einem Compagnon aus England baute er dort Tipis und Zelte, die sich bei Festivals großer Beliebtheit erfreuten. Schließlich wollte er das Konzept in der Heimat gewerblich umsetzen.

Kunden mit ökologischem Anspruch

Ausdrücklich versuchen die Jungunternehmer dabei Rohstoffe aus der näheren Umgebung einzusetzen. Ihre Kundschaft hat in der Regel einen nachhaltig ökologischen Anspruch. Wie der Waldorfschulverband, der für seine demnächst stattfindende 100-Jahr-Feier am Berliner Tempodrom alle verfügbaren Dome gebucht hat. Messe- und Veranstaltungsausrüstung sollten heutzutage möglichst häufig wieder verwendbar sein. Dennoch sieht diese Variante durchaus exklusiv aus.

Ökokombinat seit elf Jahren

Das Ökokombinat an der Bergholzer Straße in Bad Belzig ist ein Firmenverbund mit den Schwerpunkten Holz und ökologischer Bauweise.

Es ist maßgeblich vom Agrarbiologen Joachim Niklas gegründet worden. Es besteht inzwischen elf Jahre.

Aktuell gibt es 15 Mitarbeiter.

Neben Forstwirtschaft, dem Säge- und Hobelwerk, gibt es Tischlerei und Zimmerei sowie Holzkunst. Darüber hinaus handelt es sich um Spezialisten für Pflanzenkläranlagen.

Die hiesigen Dome sind nach dem Prinzip der geodätischen Kuppel konstruiert, wobei gewölbte Dreiecke die Grundform bilden. Raumgefühl und Akustik sind beeindruckend. Ein großer Vorteil ist demnach die optimale Lastenverteilung im Tragwerk, die mit geringem Materialaufwand eine hohe Stabilität erzeugt. Theoretisch wäre die Errichtung von freitragenden Kuppeln in jeder erdenkbaren Dimension möglich, meint das Duo.

TÜV-Prüfung steht an

Praktisch handelt es sich um mobile Veranstaltungsarchitektur. Deren Aufbau wird bei dem Ausmaß ausschließlich mit einem sogenannten Baubuch erlaubt. Das Prüfverfahren läuft. Für die erstmalige Zulassung haben sich deshalb in dieser Woche am Standort in Bad Belzig die Experten des Tüv angekündigt. Sie werden die Statik und die Ausführung des Bauwerkes in Augenschein nehmen.

Dann wird es wieder etwa einen Tag lang demontiert, verladen und gen Westen gebracht. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker, ein bekannter Autor der „Süddeutschen Zeitung“, will schließlich gute Nachrichten verbreiten. Die Kulisse kommt aus Bad Belzig.

Von René Gaffron