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Bad Belzig Senioren sind wieder unter Kollegen
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15:48 13.02.2020
Bingo-Karten und Kaffee- und Teetassen auf dem Tisch, die Senioren und ehrenamtlichen Helfer des Tagestreffs Ragösen haben es sich schön gemacht. Quelle: Marion von Imhoff
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Ragösen

Ausnahmsweise spielen sie an diesem Tag um Schokolade, sonst ergattert der Gewinner einen Teebeutel seiner Wahl: Im Tagestreff Ragösen kommen an diesem Donnerstag zehn Männer und Frauen zusammen, auch, um Bingo zu spielen. Zuvor haben die Senioren Gemüse geschnippelt, denn an diesem Tag essen sie auch gemeinsam wie jeden Donnerstag, wenn sie im Haus der Evangelischen Kirchengemeinde an der Ortsdurchfahrt zweieinhalb Stunden in Gemeinschaft verbringen. Und genau darum geht es, wie eine Teilnehmerin verrät: Nicht nur den ganzen Tag aus dem Fenster sehen oder auf der Couch liegen, sondern „mit Kollegen reden“, so sagt es Fritz Schulze, der vor wenigen Tagen 85 Jahre alt geworden ist. „Ich fühle mich hier wohl und alle sind mir mit genügsam.“

Begegnungsstätten auf dem flachen Land für Senioren oder gleich auch generationsübergreifend – das fordern etwa die Landfrauen von Potsdam-Mittelmark. Träger des Tagestreffs Ragösen ist das Evangelische Diakonissenhaus. Dort ist Koordinatorin Ilka Klaucke über eine 20 Stunden-Stelle fest angestellt.

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Neuer Tagestreff in Planung

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark unterstützt das Angebot finanziell. Die Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten als Entlastungsleistung für jene Menschen, die keine Pflegestufe haben. Für Fredersdorf ist die Schaffung eines solchen Tagestreffs für ein Mal die Woche im Gespräch. Eröffnen könnte dieser im Laufe des Jahres, sagt Koordinatorin Ilka Klaucke.

Ilka Klaucke koordiniert den Tagestreff, zu dem regelmäßig bis zu zehn Senioren aus der Umgebung von Ragösen und aus dem Dorf selbst kommen. Quelle: Marion von Imhoff

Sie ist seit dem ersten Tag dabei. Eröffnet wurde der Tagestreff in Ragösen 2016. Seitdem hat die Einrichtung mehrere Dutzend Menschen erreicht. Die studierte Juristin und gelernte Krankenschwester hat sieben freiwillige Helfer an ihrer Seite. Eine von ihnen ist Kathrin Alex. Die 47-Jährige unterstützt den Tagestreff seit zwei Jahren. Dafür holt sie auch einige der Besucher zuvor mit dem Auto ab. Krankheitsbedingt kann sie nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Mit ihrem Ehrenamt komme sie unter Menschen. „Mit ihnen zusammen zu sein, macht mir Spaß und gibt mir Erfüllung“, sagt die Rogäsenerin.

Noch ist Angebot selten

Ehrenamtliche Helfer sind auch der frühere Schlosser Achim Spiesecke und seine Frau Karin, die bis zur Rente als Arzthelferin arbeitete. „Früher hat so ein Angebot gefehlt, deswegen helfe ich gerne“, sagt der 67-Jährige.

Kochen, Basteln, Plaudern

Besucher finden den Tagestreff Ragösen in der Ragösener Straße 23 im Pfarrhaus. Koordinatorin Ilka Klaucke ist erreichbar unter 0151-16703358 und ilka.klaucke@diakonissenhaus.de.

Die Treffen sind dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr. Die ehrenamtlichen Helfer holen die Besucher auf Wunsch nach Möglichkeit auch mit dem Auto ab.

91 Jahre alt ist Helene Müller, die in der Landwirtschaft tätig war, „von Geburt an“, wie sie sagt. Auch sie ist regelmäßig dabei. Beim Bingo-Spielen helfen sie sich gegenseitig. Nicht alle können die Zahlen noch gut lesen. Auch die gegenseitige Unterstützung fördert die Gemeinschaft. Sie kommen aus Golzow, Lüsse und Schwanebeck. Inge Stolle und Ingrid Pfliegner haben Jahrzehnte in der Forstwirtschaft als Waldarbeiterinnen gearbeitet.

Ilka Klaucke begleitet die Lieder an der Gitarre. Quelle: Marion von Imhoff

Schmissige Lieder zur Gymnastik

Ilka Klaucke holt ihre Gitarre hervor. Auch ein elektronisches Klavier steht in dem Raum, der dominiert wird von einem großen Tisch in der Mitte. „Laurentia“ beginnen die elf Männer und Frauen zu singen. Sie könnten einen Chor bilden, so schön klingt es. Bei bestimmten Worten heben sie die Arme. Erst den linken, dann den rechten, dann beide, dann beugen sie sich nach vorne. Auch diese Sitzgymnastik kurbelt den Kreislauf an. „Jetzt ist uns allen warm“, freut sich Ilka Klaucke.

Der Tagestreff umfasst im Ragösener Pfarrhaus barrierefreie Aufenthaltsräume, eine Küche und einen Sanitärraum. Zuvor stand das Gebäude länger leer. Im Obergeschoss wird derzeit eine Wohnung saniert.

Erinnern an die Kindheit

Zum Angebot gehören auch stets wechselnde Gesprächsthemen. So erinnerten sich die Besucher beim vorigen Mal an ihre Kindheit und Jugend. Im Gedächnis zu kramen, sich gemeinsam zu erinnern und sich gegenseitig besser kennen zu lernen, ist dabei das Ziel. Erhalt und Förderung der individuellen Ressourcen, heißt das in der Fachsprache. Die Besuche des Tagestreffs dient bei pflegebedürftigen Gästen auch der Entlastung von Angehörigen.

Das Gelände des Pfarrhauses wird auch vom Ragösener Jugendclub genutzt. Im Garten steht eine bunt gestaltete Bank aus Mosaiksteinen, es ist ein Gemeinschaftswerk der Generationen.

Von Marion von Imhoff

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