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Bad Belzig Zuzügler erhalten Orientierungshilfe
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Zuzügler erhalten Orientierungshilfe
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13:22 02.03.2019
Bürgermeister Marco Beckendorf, Wirtschaftsförderin Eveline Vogel, Neuland-Gewinnerin Barbara Klembt und Johannes Blatt vom Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein hoffen auf viele Zuzügler im Hohen Fläming
Bürgermeister Marco Beckendorf, Wirtschaftsförderin Eveline Vogel, Neuland-Gewinnerin Barbara Klembt und Johannes Blatt vom Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein hoffen auf viele Zuzügler im Hohen Fläming Quelle: René Gaffron
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Wiesenburg

Womöglich kommt jemand im Töpfercafé Schmerwitz buchstäblich auf den Geschmack, dass der Hohe Fläming in Zukunft seine Heimat ist. Vielleicht lässt es sich auf einem Bauernhof in der Nachbarschaft schon einmal zur Probe wohnen. Nicht ausgeschlossen, dass im kreativen Miteinander – wie schon auf dem Gutshof Klein Glien – sogar produktive Ideen für die Region entstehen.

„Sie soll nämlich nicht länger als Symbol für Schrumpfung stehen“, wünscht sich Marco Beckendorf (Linke), Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark. Er weiß, dass der Trend des Bevölkerungsrückgangs und des demografischen Wandels mit immer älter werdenden Einwohnern anhält. Deshalb engagiert er sich für Zuzug von Menschen.

Büro an symbolträchtigem Ort

Wer sich mit diesem Gedanken trägt, soll künftig im wahrsten Sinne des Wortes abgeholt und begleitet werden, wenn er das „Neuland Hoher Fläming“ betritt. So heißt Initiative, die gerade mit Hilfe der Robert-Bosch-Stiftung etabliert wird. Träger ist der Arbeits- und Ausbildungsförderungsverein Potsdam-Mittelmark. Eingerichtet wird die Anlaufstelle – fast symbolträchtig - im Bahnhof am Park Wiesenburg. Dort werden Franka Kohler und Barbara Klembt als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Letztere kann als langjährige Wiesenburger Bürgermeisterin auf reichlich Orts-und Sachkenntnis verweisen. Die ist vielen Einheimischen vertraut und gute Mittlerin. Ihre junge Mitstreiterin ist gerade auf dem Sprung in die Gegend und weiß also um die Bedürfnisse der Zugezogenen bei der Ankunft.

Wie findet jemand Kontakt, wenn eigentlich niemand auf der Straße ist und hinter dem Hoftor nur der Hund bellt? Wo gibt es Arbeit, Schulen, Bus und Bahn oder welche Quartiere könnten interessant sein? Wie erfahren die Neuankömmlinge von der Vielzahl und Vielfalt vorhandener kultureller und sportlicher Angeboten? Solche und ähnliche Orientierungshilfe wird immer wieder gefragt, wenn Besucher nach einem schönen Tag im Hohen Fläming tatsächlich hierzulande Fuß fassen wollen.

Heimkehrer ebenfalls im Fokus

„Diese Unterstützung zu leisten, ist eigentlich Aufgabe der Kommunen. Doch kommen die Verwaltungen im Tagesgeschäft nicht dazu“, weiß Eveline Vogel. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Potsdam-Mittelmark unterstützt deshalb das überwiegend ehrenamtliche Engagement. Dazu gehört mithin Reklame für den Landstrich rund um den Hagelberg. Neben den stadtmüden Zuzüglern gehören Heimkehrer, die nach der Wende wegen fehlender Perspektiven wegzogen sind, zur Zielgruppe. Die Familien und Freunde, die noch da sind, sollen mehr denn je motiviert werden, den Nachwuchs von den Möglichkeiten in der Heimat zu überzeugen.

50 000 Euro für zwei Jahre

Die Robert-Bosch-Stiftung schreibt seit 2012 regelmäßig das Förderprogramm „Neulandgewinner –Zukunft erfinden vor Ort“ aus. Jeweils 20 Aktivisten im ländlichen Raum Ostdeutschlands werden ausgewählt. Siegerehrung war im Januar bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Nach Mitwirkung in der Jury hat sich Barbara Klembt – in Abstimmung mit Mitstreitern –beworben. Laut Ausschreibung kommen nur einzelne Personen in den Genuss der Förderung. Die 68-Jährige pensionierte Bürgermeisterin wird indes ehrenamtlich arbeiten.

Für zwei Jahre stehen insgesamt 50 000 Euro zur Verfügung. Der Aktionsradius umfasst die Stadt Bad Belzig, das Amt Niemegk und die Gemeinde Wiesenburg/Mark.

Kontakt über das Rathaus Wiesenburg, Schloßstraße 1, unter 033849/7980.

Mehr dazu erfährt man auch im Internet unter www.neulandgewinner.de

Und nicht zuletzt werden Geflüchtete angesprochen, wie Johannes Blatt betont. Er ist Geschäftsführer des in Kuhlowitz ansässigen Arbeits- und Ausbildungsförderungsvereins, der die Sozialarbeiter in den Übergangswohnheimen stellt. Nach seiner Auffassung ist Integration nicht nur für sie persönlich eine Chance. Ausländer müssten nicht zwingend nach Berlin oder ins Ruhrgebiet ziehen.

Positives Miteinander

Ausdrücklich ist nicht vorgesehen, eine bestimmte Zahl an Beratungen oder gar Zuzügen abzurechnen. Vorrangig geht es zunächst darum, das Beratungsangebot bekannt zu machen und den Umgang miteinander zu üben. „Wenn das Miteinander funktioniert, ist das ein bedeutender weicher Standortfaktor“, sagt Barbara Klembt. Sie kennt auch Orte, in denen es bestenfalls ein Nebeneinander oder gar Streit gibt. Doch hegt sie die Hoffnung, dass der Hohe Fläming allemal offen für Neues ist.

Von René Gaffron