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Bad Belzig „Ich versuche, aus Erfahrungen zu vermitteln“
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig „Ich versuche, aus Erfahrungen zu vermitteln“
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18:30 23.09.2018
Joachim Warlich aus Bad Belzig leitet seit 25 Jahren die Selbsthilfegruppe „Psychosomatik und Angststörung“. Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

Als Joachim Warlich 1992 in den Vorruhestand wechselte, suchte er nach einer neuen Aufgabe. „Damals stand für mich fest, irgendetwas muss du machen", erzählt der heute 82-Jährige.

Er entschied sich jedoch nicht für „irgendetwas", sondern gründete die Selbsthilfegruppe „Psychosomatik und Angststörung“ in Bad Belzig. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es in seiner Heimatstadt keinerlei Gesprächsangebote gegeben, in denen Betroffene einander Halt geben konnten.

Großer Bedarf an Selbsthilfegruppe

An die ersten Treffen erinnert sich der studierte Ökonom noch gut. „Sie fanden bei mir zu Hause im Wohnzimmer statt", so der aus der Oberlausitz stammende Ruheständler. Schnell stellte sich heraus, dass das Wohnzimmer für den Zulauf zu klein wurde und auf Dauer auch nicht der ideale Ort für die Gruppentreffen war. Es folgte der Wechsel in Räume des Landkreises, die die Gruppe bis heute für die 14-tägig stattfindenden Versammlungen nutzt.

Der Bedarf an seinem Angebot war so groß, dass Joachim Warlich bereits sechs Monate nach der Gründung eine weitere Gruppe in Treuenbrietzen ins Leben rief. Über 15 Jahre leitete er beide Gruppen an. Dann vertraute er die Treuenbrietzener einem Nachfolger an.

In Bad Belzig ist er allerdings bis heute derjenige, der die Treffen organisiert und Betroffenen seine Zeit schenkt. Im Oktober jährt sich sein Ehrenamt zum 25. Mal. „25 Jahre sind schon eine lange Zeit", bemerkt er und erklärt, dass die Gruppentreffen keine gemütlichen Plauder-Runden, sondern vielmehr „harte Arbeit" seien – für die Betroffenen und für ihn. Aktuell treffen sich zwölf Frauen und Männer in der Bad Belziger Gruppe.

Ein langer Weg bis zur Diagnose

Joachim Warlich erzählt auch von seinem Leben. Von den Erinnerungen an die Einschulung ohne Zuckertüte und vom Krieg, der sich mit Bombenangriffen, brennenden Häusern und toten Menschen in seinen Kopf eingebrannt hat. Der Liebe wegen zog er später nach Belzig, wurde Vater von vier Kindern. Doch ein Sohn und eine Tochter starben früh. An diesem Schicksal zerbrach er fast. Jahrzehnte später wurde das eigene Erleben ausschlaggebend für die Gründung der Selbsthilfegruppe.

„Psychosomatische Beschwerden und Angststörungen sind ein breites Feld", sagt der 82-Jährige und erklärt, dass die Ursachen dafür meist lange zurückliegen. Er erläutert, dass Betroffene oft einen langen Leidensweg durchleben, bis die tatsächliche Diagnose gestellt ist.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“

„Ich versuche, aus meinen Erfahrungen zu vermitteln“, sagt Warlich. „Seinen Weg muss jeder allein finden.“ Er erklärt, dass die Gruppenarbeit dabei helfen kann. Wie lange er seine Gruppe noch leiten will, vermag er nicht zu sagen. „Der Kopf ist nicht 82 Jahre alt", bemerkt er und lacht. Dann zitiert er Joachim Fuchsberger: „Alt werden ist nichts für Feiglinge."

Der Bad Belziger, der nach eigener Aussage „ein Helfersyndrom“ hat, ist bis vor zwei Jahren noch aktiv mit dem Rennrad auf Tour gewesen. Erst vor zwei Jahren ist er auf einen Heimtrainer umgestiegen. Vor kurzem hat er aber eine andere Leidenschaft wiederentdeckt: Die Malerei. „Die hat mir schon in der Schulzeit Freude bereitet. Mit meinen Bildern habe ich mir damals manchmal ein Pausenbrot verdient", erinnert sich der Ruheständler, der mittlerweile Opa und Uropa ist.

Von Christiane Sommer

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