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Bad Belzig Juniorwahl: Schüler haben den Landtag schon gewählt
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Juniorwahl: Schüler haben den Landtag schon gewählt
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16:08 29.08.2019
Zur Juniorwahl 2019 geben Schüler des Gymnasiums in Bad Belzig ihre Stimmen schon ab zur Landtagswahl. Quelle: Thomas Wachs
Bad Belzig

Die Landtagswahl ist abgeschlossen. Zumindest in Reihen der jüngsten Wähler am Fläming-Gymnasium in Bad Belzig. Diese Schule sowie auch die Krause-Tschetschog-Oberschule der Kreisstadt und die Gesamtschule in Treuenbrietzen nehmen Teil am Projekt „Juniorwahl“. Das wurde im Jahr 1999 bundesweit ins Leben gerufen. Inzwischen ist es Deutschlands größtes Schulprojekt zur politischen Bildung und wird getragen vom gemeinnützigen und überparteilichen Verein „Kumulus“.

Zur Juniorwahl 2019 gaben auch Schüler des Gymnasiums in Bad Belzig ihre Stimmen ab zur Landtagswahl.

„Die Juniorwahl dient dazu, Politikkompetenz zu vermitteln, um Schüler zu einem mündigen Bürger heranreifen zu lassen“, erklärt Sebastian Woye, der Fachbereichsleiter Politische Bildung am Gymnasium in Bad Belzig. Dort steht das Thema Demokratie und Wahlen seit Monaten mit auf dem Stundenplan im Fach Politische Bildung der Jahrgangsstufen zehn, elf und zwölf.

Ergebnis bleibt bis Sonntag geheim

Die Jungen und Mädchen gehen am Donnerstag und Freitag bereits zur Wahlurne an ihrer Schule. Wie auch am Sonntag im realen Wahlbüro geben sie ihre zwei Stimmen ab für die Direktkandidaten sowie eine in Brandenburg angetretene Partei. „Auch das Ergebnis unsere Abstimmung bleibt aber bis zum Wahlabend am Sonntag um 18 Uhr geheim“, erklärt Sebastian Woye.

Die Stimmzettel zur Juniorwahl 2019 sind inhaltlich identisch mit denen zur Landtagswahl. Quelle: Thomas Wachs

Die Juniorwahl gilt als Stimmungsbarometer für die jüngsten Wähler. Die Ergebnisse der einzelnen Orte werden ebenso offiziell ausgezählt und veröffentlicht, wie die tatsächlich zur Neubesetzung des Landtages relevanten Auszählungen am Sonntag.

Üben und Erleben von Demokratie

„Bei der Juniorwahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie“, sagt Sebastian Woye im Fläming-Gymnasium. Am Donnerstag erfolgte dort die erste simulierte Wahl unter realistischen Bedingungen. Ein Raum ist zum Wahllokal hergerichtet. Fabienne Fritz, Jeanne-Marie Ebert und Rebecca Schulz bilden den Wahlvorstand beim Urnengang ihrer Mitschüler aus dem Jahrgang der Zwölfer. Zwei Wahlkabinen stehen bereit zur geheimen Stimmabgabe. Die Wahlurne ist versiegelt und mit einer Plombe gesichert.

„Insgesamt haben wir an der Schule von den rund 660 Schülern circa 320 Wahlberechtigte ab 16 Jahre“, erklärt der Lehrer. Ausgeteilt wurden 190 eigene Wahlbenachrichtigungskarten zur offiziellen Juniorwahl.

Verplombt un versiegelt ist die Urne zur Juniorwahl. Quelle: Thomas Wachs

Einig sind sich die Mädchen und Jungen in der Klasse, auch am Sonntag wirklich wählen zu gehen. Nach der Kommunalwahl im Mai ist es für sie die zweite Wahl überhaupt, an der sie teilnehmen dürfen.

Einfluss nehmen auf die Politik

„Es ist eine Möglichkeit für uns, Einfluss zu nehmen auf die Politik, was sonst in unserem Alter ansonsten ja oft noch schwer ist“, sagt Jan Eilert. Der 17-Jährige aus Golzow sieht es als „Bürgerpflicht, wählen zu gehen“. Mehr ökologische Nachhaltigkeit und der bessere technische Ausbau der Infrastruktur für Mobilfunk sowie Internetverbindungen im Land sieht der Schüler als Themen, die er gerne angepackt sehen würde von den Landespolitikern in Brandenburg.

Fabienne Fritz, Jeanne-Marie Ebert und Rebecca Schulz (v. l. n. r.) bilden den Wahlvorstand zur Juniorwahl im Gymnasium Bad Belzig. Lehrer Sebastian Woye begleitet das Projekt. Quelle: Thomas Wachs

Jeanne-Marie Ebert engagiert sich bereits für die Demokratie. In ihrem Heimatort Damsdorf verteilte sie zur Landtagswahl die Benachrichtigungskarten. „Einerseits gibt es natürlich etwas Taschengeld für den Job“, sagte die 18-Jährige. „Andererseits ist es spannend, beim Austeilen auch mit Leuten aus dem Dorf politisch ins Gespräch zu kommen“, erzählt die Schülerin. Sie hat sich auch gemeldet, um bei Bedarf im Wahllokal ihres Dorfes mitzuarbeiten.

Großes Interesse für Politik

Selbst möchte die Schülerin „unbedingt wählen gehen, um für die junge Generation etwas zu tun und zu verhindern, dass SPD und AFD als Parteien gleichauf liegen, wie in den aktuellen Prognosen.“ Erschreckend fand sie es bei ihren Gesprächen mit Nachbarn, „dass einige im Dorf der Meinung waren, dass Wählen gar nichts bringt“.

Wissenschaftler messen Effekte

Die Juniorwahl findet seit 1999 bundesweit zu Europawahlen, Bundestagswahlen und Landtagswahlen statt

Insgesamt wurde sie durchgeführt zu 46 Landtagswahlen, fünf Bundestagswahlen und vier Europawahlen.

Bislang nahmen mehr als drei Millionen Schüler daran teil an dem somit größte Schulprojekt zur politischen Bildung in Deutschland.

An der Juniorwahl zur Europawahl 2019 beteiligten sich 2760 Schulen mit 617.000 wahlberechtigten Jugendlichen.

Bei der Auswertung des Projektes haben Wissenschaftler unter anderem festgestellt, dass die Juniorwahl zu einer Erhöhung der Wahlbeteiligung der beteiligten Eltern um durchschnittlich vier Prozent und teilweise um bis zu neun Prozent vor allem bei sozial benachteiligten Familien geführt habe.

Studienrat Sebastian Woye hat allgemein bei seinen Schülern der verschiedenen Jahrgänge ein deutlich gewachsenes Interesse für die Themen Politik, Demokratie und Wahlen festgestellt. „Das ist sicher auch der Bewegung Fridays for Future geschuldet. Die Schüler denken heute politisch längst auch viel globaler und europäischer“, sagt der Lehrer. Allerdings hat er auch festgestellt, „dass es die heutige Generation ablehnt, sich in Parteien zu engagieren, obwohl viele gern Einfluss nehmen und mitreden möchten“, so Woye.

Auswertung folgt noch

Mit der Abstimmung zur Juniorwahl ist das Thema aber noch nicht abgeschlossen für ihn und seine Schüler. „Wir werten unser Ergebnis und die Resultate insgesamt zur Landtagswahl nächste Woche noch aus im Unterricht“, erklärt der Pädagoge. Folgen sollen für die Schüler zudem noch Besuche im Landtag oder im Bundestag.

Von Thomas Wachs

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