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Bad Belzig Friedliche Revolution 1989: Sieben Mal geht der Blick 30 Jahre zurück
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Friedliche Revolution 1989: Sieben Mal geht der Blick 30 Jahre zurück
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21:12 12.09.2019
Christiane Moldenhauer, Pfarrerin in Bad Belzig, freut sich auf den Veranstaltungsreigen 30 Jahre nach dem Mauerfall. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

An die Nachricht von der Ablösung Erich Honeckers an der Spitze der Partei- und Staatsführung der DDR kann sich Christiane Moldenhauer erinnern. Im Oktober 1989 war sie zehn Jahre alt und verlebte ihre eher weniger politische Kindheit in der Lausitz. „Aber das muss wie ein Erdbeben gewesen sein“, so hat die Pfarrerin jedenfalls die Reaktion ihrer Mutter auf die Meldung im Gedächtnis.

Die friedliche Revolution war längst im Gange, es folgten der Fall der Mauer in Berlin, die ersten Besuche bei der Verwandtschaft im Westen und schließlich die deutsche Einheit 1990. Diese politische Wende ging jedoch einher mit so machen Veränderungen im persönlichen Leben –ja vielfach Brüchen in der Biografie. „Wie das die Menschen seinerzeit gemeistert haben, nötigt einem bis heute großen Respekt ab“, sagt die 39-Jährige.

Sieben Veranstaltungen geplant

Das Geschehen in jener Zeit bewegt die Evangelische Gemeinde St. Marien Bad Belzig/Hoher Fläming immerhin so sehr, dass sie sich entschlossen hat, es in einem Reigen von Veranstaltungen zu thematisieren. Sieben Termine davon sind öffentlich. Auftakt ist am Sonntag, 15. September. Ines Geipel stellt ihr neues Buch vor „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“ vor. Die ehemalige Leichtathletin befasst sich besonders mit der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen als Opfer der DDR-Diktatur, vor allem des staatlich verordneten Dopings im DDR-Leistungssport.

Die angekündigte Ausstellung mit Bildern von Roger Loewig, dem regimekritischen Malerpoeten, der in Bad Belzig und Berlin zu Hause war, komme aus organisatorischen Grünen nicht zustande.

Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls: Ines Geipel liest am Sonntag, 16 Uhr, in der Marienkirche Bad Belzig. Quelle: Amac Garbe

Protagonisten von außerhalb sollen in diesem Herbst mit ihren Beiträgen den Rückblick und Austausch darüber anregen. Außerdem können die hiesigen Zeitzeugen befragt werden. Dabei waren der Hohe Fläming allgemein und Bad Belzig speziell nicht gerade in einer Vorreiterrolle bei den gesellschaftlichen Umwälzung. Das hatte der Geschichtswissenschaftler Peter Ulrich Weiß schon 2014 bei einem Vortrag anlässlich des 25. Jahrestages dargelegt.

Impuls kam aus der Gemeinde

Warum das so ist, kann Christiane Moldenhauer noch nicht sagen. Sie ist erst seit Jahresbeginn die zuständige Pfarrerin in Bad Belzig. „Der Impuls, zum Jubiläum die Ereignisse von damals etwas tiefgründiger zu reflektieren, kam aus dem Kreis der Gemeinde“, betont die Seelsorgerin. Sie sei daher gespannt auf die Erzählungen. 

Das Programm in der Marienkirche

Sonntag, 15. September, 17 Uhr, Lesung mit Ines Geipel „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Die Top-Leichtathletin der DDR hat sich bislang vor allem für die Aufklärung des Staatsdopings eingesetzt. Nun beschreibt sie anlässlich des Todes ihres Bruders 2018 vor allem familiäre Erfahrungen aus den 70er-Jahren, die bis heute wirken. Anschließend mit Gespräch.

17. September, 19.30 Uhr: Kinofilm „Gundermann“.

21. September, 19.30 Uhr: Burghard Schurich singt Lieder von Gerhard Gundermann.

9. November, 18 Uhr: Festakt der Evangelischen Gemeinde und der Stadt Bad Belzig zum 30. Jahrestag des Mauerfalls mit Zeitzeugen; Aufführung „Missa Solemnis“; Zeit für Begegnung.

10. November, 10 Uhr: Gottesdienst „Freiheit“ mit Generalsuperintendentin Heilgard Asmus.

21. November, 18.30 Uhr: Schülerprojekt „Erzählcafé Radio Courage“.

Der politische Widerstand ist im ländlichen Raum generell weniger ausgeprägt gewesen, haben die Historiker bilanziert. Peter Ulrich Weiß hatte beispielsweise darauf verwiesen, dass die bewaffneten Organe eine ziemliche Drohkulisse aufgebaut hatten. In den Bezirken Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam habe es rund 300 000 Armeeangehörige gegeben. So sei in der Bevölkerung bekannt gewesen, was auf dem Truppenübungsplatz Verlorenwasser vor sich ging. In eigens nach Originalschauplätzen errichteten Straßenzügen wurden hier der Häuserkampf und das Verteidigen der Innenstadt Potsdams gegen kritische Bürger trainiert.

Schweigen brach in Lütter Kirche

Der Protest in Belzig sammelte sich zunächst vor den Toren der Stadt. Am 2. November 1989 gab es die Versammlung in der voll besetzten Lütter Kirche, die unter dem Titel „Die Zeit des Schweigens ist vorbei” lief. Nicht zuletzt war es später Superintendent Alfred Schirge, der die Diskussionen am Runden Tisch in Belzig mit moderiert hat.

Von René Gaffron

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