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Bad Belzig Lesung mit Klaus Feldmann bei Altstadtsommer
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Lesung mit Klaus Feldmann bei Altstadtsommer
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14:07 24.08.2018
Freundliches Gesicht mit markanter Brille: Klaus Feldmann war Nachrichtensprecher der „Aktuellen Kamera“ im DDR-Fernsehen.
Freundliches Gesicht mit markanter Brille: Klaus Feldmann war Nachrichtensprecher der „Aktuellen Kamera“ im DDR-Fernsehen. Quelle: privat
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Bad Belzig

In seiner Lesung „Verhörte Hörer“ während des Altstadtsommers gibt der langjährige Rundfunk- und Fernsehsprecher des DDR-Fernsehens Klaus Feldmann am Samstag Einblicke in sprachliche Stolperfallen bei Nachrichtentexten, Programmansagen und Wetterberichten.

Herr Feldmann, Sie waren insgesamt 14 Mal Fernsehliebling in der DDR, und das als Nachrichtensprecher! Wie erklären Sie sich das heute?

Klaus Feldmann: In der „Nacht der Prominenten", das war eine Sendung im DDR-Fernsehen, hatte ich mal eine Zirkusnummer mit Elefanten. Wie sich die Dickhäuter durch meine 175 Zentimeter führen ließen, war wohl beeindruckend. Aber im Ernst. Ich habe es mir auch damals nicht erklären können, schließlich waren die Sprecher der „Aktuellen Kamera" alle gut ausgebildet. Vielleicht verschafften mir meine vielen Besuche bei den Arbeitern in Betrieben und betrieblichen Kulturveranstaltungen ein „Wahlvorteil".

In Ihrem Buch „Verhörte Hörer“ - sicher selbst ein überlieferter Versprecher – kommentieren Sie auch Sprechkapriolen von Kollegen aus Rundfunk und Fernsehen der DDR. Aber sicher sind Sie während Ihrer langen Zeit als Nachrichtenmann selbst auch nicht unfallfrei geblieben, sprachlich gesehen?

In einer Nachricht war die Rede davon, dass Walter Ulbricht, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzender des Staatsrates, und seine Gattin Lotte Ulbricht Volksfeste besuchten. Ich schaute beim Sprechen zunächst in die Kamera, dann wieder auf den Text, landete aber in der falschen Zeile und verkündete „Walter Ulbricht, Erster Sekretär des ZK der SED und seine Vorsitzende Lotte Ulbricht...“

Bestimmt hatten Nachrichtensprecher, denen die meisten Texte sicher vorbereitet wurden, nach Versprechern auch mit Konsequenzen zu rechnen. Mit welchen zum Beispiel?

Die Konsequenzen für Versprecher waren gering. Meistens wurde man aufgefordert, die angebotenen Weiterbildungen zu besuchen, wie Sprecherziehung, Sprechtraining oder Fremdsprachen-Phonetik. Im Rundfunk hatten wir ein besonderes Gehaltsgefüge mit Leistungsstufen, und da konnte einem bei anhaltend schlechten Leistungen schon mal eine Stufe gekürzt werden.

Von Olaf Präger