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Bad Belzig Konsumverzicht am „Kauf-Nix-Tag“
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10:31 24.11.2018
Die Bad Belzigerin Franziska Strencioch lächelt am heutigen "Kauf-Nix-Tag" auch, wenn ihr Einkaufswagen leer bleibt. Die 29-Jährige hofft, dass das Konsumverhalten gesellschaftlich häufiger hinterfragt wird. Quelle: André Großmann
Bad Belzig

Keinen Euro will die Bad Belzigerin Franziska Strencioch am heutigen „Kauf-Nix-Tag“ ausgeben. Deshalb bleibt der Einkaufskorb der 29-Jährigen leer. Sonst kauft die Sozialarbeiterin fast täglich ein, da sie zur Arbeit nach Schönefeld pendelt und hierfür oft Gegenstände und Lebensmittel mitbringt. So zahlt die Bad Belzigerin meist zwischen 10 und 20 Euro am Tag. Doch Strencioch überdenkt ihr Verhalten.

Weniger Kleidungskäufe

„Ich habe meinen Kleidungskonsum im vorigen Jahr stark eingeschränkt. Die Stoffe für die Kleidungsstücke sind häufig schädlich und die Produktion verschwenderisch.“ Sie schätzt, dass sie so innerhalb eines Jahres bis zu 900 Euro sparen konnte. Ihre Textilien erwirbt sie jetzt vielfach bei der ehrenamtlichen Initiative „Schenkraum Fläming“ in Borne.

Der „Kauf-nix-Tag“ ist für sie eine gute Möglichkeit, um vom Konsum abzuschalten. „So kann man auch mal vom Shoppingwahnsinn herunterkommen. Jetzt vor Weihnachten ist es ja auch besonders schwer. Irgendwie denkt man, schon Weihnachtsgeschenke besorgen zu müssen und kauft dann unnötigerweise Dinge, die ein anderer womöglich gar nicht braucht.“

Kaum Auswirkungen der Aktionstage

Strencioch ist dafür, nicht nur online zu shoppen, sondern auch lokale Geschäfte zu unterstützen. Simone Lüdicke vom Bad Bad Belziger Gewerbeverein hat noch keine Auswirkungen des „Black-Friday“ als Start in die Weihnachtseinkaufsaison in der Kreisstadt bemerkt. Auch der „Kauf-Nix-Tag“ habe bislang keine spürbaren Auswirkungen hinterlassen.

Mehr Rücksichtnahme gefordert

Der 32-Jährige Jan Eckhoff lebt in einem Dreipersonenhaushalt. Wöchentlich gibt er meist bis zu 100 Euro für Lebensmittel aus. Ihm fällt es dennoch nicht schwer, für einen Tag oder vor Feiertagen auf den Einkauf zu verzichten. „Ich würde mir wünschen, dass man den Einkauf am 24. Dezember boykottiert und die Menschen, die dann arbeiten müssen, mehr Zeit haben, die sie mit ihrer Familie verbringen können“, sagt der Bad Belziger. Er hofft auf mehr gegenseitige Rücksichtnahme in der Gesellschaft und hält es auch nicht zwingend für notwendig, am Samstag einzukaufen.

Hoffnung auf bewussteres Verhalten

Der Physikstudent Kenneth Lütticke hofft, dass sich die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit bei der Textilproduktion und Lebensmittelherstellung verbessern. „Ein großes Problem ist nun auch einmal, dass es viele Endkonsumenten nicht interessiert, solange sie nicht selbst betroffen sind“, sagt der 19-Jährige. Er wünscht sich mehr Aktionen für einen bewussteren Konsum, bezweifelt aber, dass ein einziger Tag etwas ändern wird. „Ich habe vorher auch noch nichts davon gehört. Es ist eher eine gesellschaftliche Aufgabe, die es zu lösen gilt.“. Dennoch hätte Lütticke nichts gegen mehr Aktionstage einzuwenden, die das Konsumverhalten hinterfragen.

Befürworter des Konsums

Wirtschaftsstudentin Lisa May achtet nicht auf den Aktionstag. Sie empfiehlt, dass jeder selbst entscheidet, ob und was er konsumiert. „Die Idee ist nicht schlecht, aber wenn ich Schokolade will, hole ich sie mir. Gestern habe ich online auch einige Schnäppchen beim Black Friday erworben. Klar muss man vergleichen, doch ich muss auch auf jeden Euro schauen, deswegen finde ich es klasse und spare beim Online-Einkauf noch Zeit“, kommentiert die 21-Jährige.

Tim Kehrwieder aus Reppinichen hält den Aktionstag für spannend. „Gerade, wenn man sich die Verrückten anschaut, die sich gegenseitig am Black Friday über den Haufen gerannt haben“, sagt der 20-Jährige. Für ihn gehören aber der morgendliche Kaffee beim lokalen Bäcker und die Brötchen aus der Mensa zum Alltag. „Konsum ist nicht immer schlecht“, sagt der Politikstudent weiter.

Von André Großmann

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