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Bad Belzig Kreisverwaltung zeigt Ausstellung über Enteignung
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Kreisverwaltung zeigt Ausstellung über Enteignung
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16:13 25.11.2019
Anneliese Bruck hat das Azubi-Rechercheprojekt betreut. Quelle: Hannah Rüdiger
Bad Belzig

Wie die meisten Behörden trug das Amt für die Rückführung offener Vermögensfragen (Arov) einen eher bürokratischen Namen. Dabei waren die Anträge, die dort über den Tisch gingen, höchst emotional: Die Behörde war Anlaufstelle für alle, die im Nationalsozialismus oder in der DDR enteignet wurden und Entschädigung für ihre Verluste fordern.

Die Auszubildenden des Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark haben sich den Aufgaben des Arov Potsdam-Mittelmark, das 2004 aufgelöst wurde, in einem Rechercheprojekt gewidmet. Die Ergebnisse dieser Recherche sind noch bis einschließlich Freitag im Papendorfer Weg zu sehen.

Anneliese Bruck vom Fachdienst Personal hat das Rechercheprojekt betreut. Tagelang hat sie mit 13 angehenden Verwaltungsfachangestellten Akten der Arov gewälzt. „Am Anfang war es schwierig, die riesigen Aktenberge überhaupt zu verstehen“, sagt sie. „Wir waren wahnsinnig viel im Archiv.“

Geschichten von Enteigneten erzählen

In der Kreisverwaltung gibt es noch eine Reihe von Mitarbeitern, die damals selbst für das Arov gearbeitet haben. Daher rührt auch die Idee für das Azubi-Projekt. „Wir wollen zeigen, wie das Amt gearbeitet hat, welche interessanten Fälle in den Akten schlummern und welche Persönlichkeiten dahinter stecken“, sagt Anneliese Bruck.

Die Azubis verfolgten mehrere Fälle von der Antragsstellung bis zum heutigen Stand. Dabei beschäftigten sie sich sowohl mit DDR-Bürgern, deren Grundstücke in Volkseigentum überführt wurden, sowie mit Bad Belziger Juden, die im Nationalsozialismus entrechtet und enteignet wurden.

Die drei Infotafeln mit den Rechercheergebnissen sind in der ersten Etage der Kreisverwaltung im Papendorfer Weg zu sehen. Quelle: Hannah Rüdiger

Ergebnisse gehen an AG„Jüdisches Leben“

Auch die Geschichte der jüdischen Familie Sachs, für die im Juli zwei Stolpersteine auf der Straße der Einheit verlegt wurden, kommt in der Ausstellung vor. Ida Sachs und ihr Sohn Rudi wurden 1938 enteignet. Ihre Nachfahren haben seit den 90er Jahren um Entschädigung für den früheren Familienbesitz in der Sandberger Straße und in der Magdeburger Straße gekämpft.

Wenn die Infotafeln abgebaut sind, sollen die Rechercheergebnisse zu den vertriebenen Belziger Juden an die AG „Jüdisches Leben in Belzig“ weitergegeben werden. Die Projektgruppe um Benjamin Stamer und Wolf Thieme widmet sich den Biografien der vertriebenen Juden aus Bad Belzig und Umgebung.

Die Ausstellungseröffnung in der Kreisverwaltung war gut besucht. Quelle: privat

Akten können eingesehen werden

„Wir freuen uns darüber, dass die Kreisverwaltung von sich aus Informationen an uns weitergibt“, sagt Benjamin Stamer. Im Falle der jüdischen Familie Sachs habe die Ausstellung bereits ein bisschen mehr Licht ins Dunkel gebracht: Dank der Recherche der Azubis ist nun klar, um welches heutige Grundstück es sich bei einem damals beschlagnahmten Gartengrundstück handelt. Die Nachfahren von Rudi Sachs, die heute in den USA leben, habe die Projektgruppe bereits über die neuen Erkenntnisse informiert.

Vermutlich steckten in den Akten sogar noch mehr wertvolle Informationen über andere jüdische Familien im Raum Bad Belzig, etwa die Familie Kaufmann. „Das wäre auch ein spannendes Kapitel“, so Stamer. Wer sich für die Fälle des Arov Potsdam-Mittelmark interessiert, kann die Akten auch nach dem Ende der Ausstellung in der Kreisverwaltung einsehen.

Von Hannah Rüdiger

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