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Bad Belzig MAZ-Sterntaler: Bad Belziger Tierschutzverein setzt auf Physiotherapie und Hundeschule
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MAZ-Sterntaler: Bad Belziger Tierschutzverein setzt auf Physiotherapie und Hundeschule

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16:37 11.12.2020
Peter Karge arbeitet als Hundetrainer beim Tierschutzverein Tierisch Belzig. Barney hatte anfangs sehr viel Angst, inzwischen verstehen sich er und Peter Karge aber gut.
Peter Karge arbeitet als Hundetrainer beim Tierschutzverein Tierisch Belzig. Barney hatte anfangs sehr viel Angst, inzwischen verstehen sich er und Peter Karge aber gut. Quelle: Josephine Mühln
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Bad Belzig

Bei Barney war Geduld gefragt. Über Tage und Wochen hat der kleine Rüde nur in seiner Hütte gesessen, war sehr ängstlich. „Es hat lange gedauert, bis er einen ersten Kontakt zugelassen hat“, erinnert sich Peter Karge.

Der 30-Jährige ist Hundetrainer beim Verein „Tierisch Belzig“ und hat Barney die Zeit gelassen, die er brauchte. Oft und lange saß Peter Karge einfach nur bei dem Mischling im Zwinger, um allmählich Vertrauen aufzubauen.

„Es war aufregend, als ich ihn dann zum ersten Mal an der Leine mit rausgenommen habe“, erinnert sich der Potsdamer. „Aber seitdem gibt es keine Probleme mehr mit uns beiden – im Gegenteil, jetzt kommt Barney immer sofort an die Tür und springt vor Freude hoch.“

Vieles muss geübt werden

Einem Hund durch diese Arbeit wieder ein Stück Freiheit zurückzugeben, das seien die schönen Momente in seinem Job, sagt Peter Karge. Er ist seit August beim Verein engagiert, betreibt in Potsdam seine eigene Hundeschule.

Im Schnitt 15 Stunden pro Woche verbringt er im Tierheim, wie er erzählt, und hilft bei allem, was anfällt – als Trainer aber vor allem dabei, die Hunde wieder vermittelbar zu machen. Dafür übt er mit ihnen die unterschiedlichsten Dinge. „Wir machen Maulkorbtraining, sensibilisieren sie wieder für Menschen, wenn sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder machen Leinentraining.“

Dabei sei es abhängig von vielen Sachen, wie ein Training aufgebaut werde. „Die Konzentrationsspanne des Hundes spielt eine Rolle, sein Stresslevel, seine Vorerfahrungen“, schildert Peter Karge. „Und jeder Hund hat eine gewisse Genetik – es kommt also auch auf die Rasse an, welchem Tier etwas besser oder schlechter beizubringen ist.“

Egal ob extra Training in der Hundeschule oder Physiotherapie – der Verein „Tierisch Belzig“ lässt fast nichts unversucht, um seine Schützlinge wieder fit für ein neues Zuhause zu machen und ihnen so eine bessere Vermittlungschance zu geben.

Wichtig sei ihm beim Training, mit Ruhe ranzugehen, sagt der 30-Jährige. „Mein Ansatz ist, auf viele kleine Erfolge aufzubauen, um ein großes Ganzes zu bekommen. Lieber langsam und mit Geduld arbeiten, um ein langfristiges Ergebnis zu haben.“

Solch eine entspannte Basis ist auch Dominique Wolf wichtig, die den Verein als Tierphysiotherapeutin unterstützt. Etwa seit einem Jahr kommen sie und ihre Kolleginnen abwechselnd ein Mal pro Woche nach Bad Belzig, um die Tiere dort zu behandeln.

„Die Krankheitsbilder sind sehr unterschiedlich“, sagt die 39-Jährige. „Wir behandeln zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, Hüft- und Ellbogenprobleme oder auch verspannte Muskeln. Dabei fehlt uns bei den Tieren natürlich die Möglichkeit der Kommunikation – wir können ihnen nicht erklären, was wir gerade machen.“

Lotte ist noch nicht lange bei „Tierisch Belzig“. Die ängstliche Hündin verbringt viel Zeit in ihrem Körbchen. Quelle: Josephine Mühln

Erst Vertrauen schaffen

Deshalb sei es so wichtig, auf ruhige Art und Weise Vertrauen zu schaffen und erst dann mit der Behandlung zu beginnen, erläutert Dominique Wolf weiter. „Die Krankheitsbilder sind sehr rassespezifisch und entstehen beispielsweise durch falsche Ernährung oder häufig durch Fehlbelastung.“

So sei es nicht nur ein Problem, wenn Tiere zu dick sind, sondern auch, wenn sie im Wachstum falsch ernährt wurden, schildert die Physiotherapeutin. „Wenn große Hunde zu schnell wachsen, dann können sie Probleme mit den Gelenken bekommen.“

An einen ihrer Patienten kann sich Dominique Wolf noch besonders gut erinnern, den Herdenschutzhund Lubo. „Er hatte schlimme Knieprobleme und wir haben ihn durch die Physio wieder viel stabiler bekommen“, erzählt sie. „Er ist danach deutlich besser gelaufen.“

Ein weiteres Standbein, das sich der Verein geschaffen hat, ist die Pension. Dieses Angebot sei jedoch in diesem Jahr wegen Corona massiv eingebrochen, wie Astrid Raue erzählt.

Physiotherapeutin Dominique Wolf bei der Arbeit mit einem vierbeinigen Patienten. Quelle: Privat

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„Da die Tierbesitzer nicht verreisen konnten, brauchten sie natürlich keine Urlaubsbetreuung für ihre Vierbeiner“, sagt sie. „Das haben wir hier sehr stark gemerkt.“

Mit seiner Hundeschule, Physiotherapie und Pension hat sich „Tierisch Belzig“ als Verein breit aufgestellt. Nicht umsonst hat er als Namenszusatz „Der etwas andere Tierschutzverein“ gewählt.

Denn „Tierisch Belzig“ setzt sich vor allem für die schwierigen Fälle ein, bei denen andere Anlaufstellen bereits aufgegeben haben. Für die derzeit 14 aktiven Mitglieder gilt: Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt. Aber die ganze Welt ändert sich für dieses Tier.

Von Josephine Mühln