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Bad Belzig MAZ-Sterntaler: Leukämiekranker Jannik wünscht sich sehnlichst ein Trikot seiner Eintracht-Helden
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig

MAZ-Sterntaler: Jannik Feilke hat Leukämie und wünscht sich einen Gaming-Stuhl

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17:56 03.12.2021
Halten immer zusammen: Isabel Feilke mit ihrem neunjährigen Sohn Jannik, der an Blutkrebs erkrankt ist.
Halten immer zusammen: Isabel Feilke mit ihrem neunjährigen Sohn Jannik, der an Blutkrebs erkrankt ist. Quelle: Johanna Uminski
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Bad Belzig

Der 19. Juni 2020 war ein Schicksalstag für Isabel Feilke und ihren damals siebenjährigen Sohn Jannik. In der Berliner Klinik wird bei dem Jungen die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs festgestellt. „In dem ersten Moment fragt man sich, was erzählt der Arzt mir hier? Da ist eine Welt für mich zusammengebrochen“, beschreibt die Mutter diese Schocksituation.

Der neunjährige Jannik ist letztes Jahr an Blutkrebs erkrankt. Er ist großer Eintracht-Frankfurt-Fan, zockt gerne und wünscht sich einen Gaming-Stuhl. Jeden Tag nimmt er Chemotabletten und muss alle zwei Wochen zur Kontrolle.

Die Bad Belzigerin hat mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Ihr Sohn Jannik litt vor der Diagnose immer wieder mal an Schmerzen in den Sprungbeingelenken, berichtet die alleinerziehende Mutter. Doch Untersuchungen beim Chirurgen gaben keinen Hinweis auf eine Erkrankung oder Verletzung. „Im Krankenhaus in Brandenburg vermuteten die Ärzte Epilepsien, aber die Hirnstrommessungen waren unauffällig.“

Aufgefallen ist Isabel Feilke aber, dass ihr Sohn nach der Schule sehr kaputt, schnell abgeschlagen war und an Gewicht verlor. „Er hat auch einen Schub gemacht und man findet immer irgendwelche anderen Erklärungen für seine Abgeschlagenheit, seine Schmerzen und seinen Gewichtsverlust“, sagt die 36-Jährige, die ihrem Sohn mit der Diagnose erklären musste, dass er schwer krank ist. „Es gibt ein schönes Buch, es heißt Chemokasper, in dem alles kindgerecht beschrieben wird. Das habe ich Jannik vorgelesen und ihm erklärt, dass er viel Zeit im Krankenhaus verbringen wird, damit er wieder gesund wird“, sagt Feilke.

Im Auto oft übergeben

16 Tage befand sich Jannik auf der onkologischen Station der Helios Klinik in Berlin-Buch. Der Rest der Chemotherapie erfolgte ambulant. „Das war schwierig, denn manchmal bin ich mit Jannik erst um 23 Uhr wieder zu Hause angekommen“, berichtet die gebürtige Zerbsterin. Pro Strecke benötige die Mutter mit ihrem Sohn nach Berlin über zwei Stunden.

„Er hat sich oft auf dem Weg im Auto übergeben wegen der Chemo. Der Oberarzt in Berlin schlug daher vor, ob wir die Therapie nicht in Magdeburg machen wollen.“ Neben der kurzen Strecke wurde die Therapie stationär durchgeführt, berichtet Isabell Feilke. „Das war mir lieber und wir haben die Entscheidung bis heute nicht bereut.“

Sehr hohes Rückfallrisiko

Da Jannik die besonders aggressive Form des Blutkrebses hat, die Akute Lymphatische Leukämie, kurz ALL, und sein Rückfallrisiko als sehr hoch eingestuft ist, wurde die Intensivtherapie verlängert, erklärt die Mutter. „Wir sind erst seit Ende August mit der Chemo fertig, Jannik befindet sich in der Erhaltungstherapie und nimmt jeden Tag Chemotabletten ein. Alle zwei Wochen müssen wir zur Kontrolle und alle sechs Wochen zur Punktion.“

Der Blutkrebs ist noch lange nicht ausgestanden und nur allmählich tritt der Alltag wieder ein, berichtet Feilke. „Die ganze Situation war schon schwer genug und durch Corona noch mehr.“ Auf der einen Seite wollte Jannik seine Freude wiedersehen und einfach nur ein Junge sein, auf der anderen Seite ist sein Immunsystem durch die Medikamente stark unterdrückt und Isabel Feilke hat Angst, dass er sich ansteckt, erklärt die Mutter den Drahtseilakt.

Auch beruflich hart getroffen

In den letzten Monaten musste ihr Sohn daher auf vieles verzichten und es ging ihm nicht gut. Doch auch für Isabel Feilke war diese harte Zeit prägend fürs Leben. „Es ist auch schwierig, weil ich alleine bin und alles alleine durchgestanden habe. Ich habe es für meinen Sohn gemacht und werde auch weiterhin für ihn da sein.“ In dieser ganzen Zeit haben Isabel Feilke und ihr Sohn im Krankenhaus andere Eltern mit ihren schwerkranken Kindern kennengelernt, die den Kampf verloren haben, berichtet sie.

Neben der großen Angst um das Leben ihres Sohnes hat es Isabel Feilke auch beruflich hart getroffen. Ihre Schichten im Pflegeheim gehen normalerweise von sechs bis halb drei, berichtet die alleinerziehende Mutter. „Seitdem Jannik erkrankt ist, schaffe ich das aber nicht mehr. Ich könnte ihn in den Frühhort schicken, aber ich möchte nicht, dass er so lange unter Kindern ist. Wir müssen nach wie vor aufpassen, dass er sich nicht ansteckt.“

Großer Eintracht-Frankfurt-Fan

Gespräche mit dem Arbeitgeber waren erfolglos, sagt Feilke. „Auch diese Situation habe ich mir nicht ausgesucht und ich frage mich, warum werde ich hier zusätzlich betraft? Alles wird einem erschwert“, sagt die 36-Jährige, die stolz ist, dass sie ihrem Sohn fast alle Wünsche trotz der finanziell angespannten Situation bisher erfüllen konnte. „Weil ich einfach nicht wusste, wie die Geschichte ausgeht“, erklärt sie.

Doch einen großen Wunsch hat Jannik, der selbst in seiner Freizeit gerne kickt, wie seine Mutter verrät. „Er ist ein ganz großer Eintracht-Frankfurt-Fan und würde sich über ein Trikot des Fußballvereins mit Unterschriften der Spieler sehr freuen. Es ist aber schwierig, daran zu kommen“, sagt die Bad Belzigerin. Ansonsten spielt er, wie alle seine Freunde auch, gerne Playstation.

„Daher wünscht er sich ein Gaming-Stuhl. Das ist ein komfortabler Sessel, indem man sich bequem reinsetzen und spielen kann“, erklärt Feilke. Sobald es Jannik gesundheitlich besser geht, freut er sich auch, wieder mit seinen Freunden Fußball zu spielen. „Im Moment darf er aber nicht und er würde es auch von der Ausdauer her noch nicht schaffen.“

Von Johanna Uminski