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Bad Belzig Neues Buch macht Albert Baurs Kunstschatz unvergesslich
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Neues Buch macht Albert Baurs Kunstschatz unvergesslich
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16:16 13.12.2018
Autorin Iris Berndt beleuchete eine besondere Facette aus Baurs Leben, Christian Homrichhausen lieferte einen Text dazu. Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

Im Jahre 1865 schrieb Albert Baur (1803-1886), der in Belzig die zweite Pfarrstelle innehatte, an seine Tochter Clara, dass ihm das Zeichnen „ein großes Vergnügen sei“ - wie das Klavier spielen und das turnen. Wird heute von ihm gesprochen, dann zumeist nur in Verbindung mit dem Sport. Das Buch „Albert Baur und die Kunst“ stellt den Prediger jetzt als einen Mann der bildenden Kunst in den Mittelpunkt.

Die druckfrische Veröffentlichung von Iris Berndt ist jetzt im Reißigerhaus in Bad Belzig präsentiert worden. Den passenden Rahmen gestaltete der Lütter Klaus Pomp. Er hatte eine kleine Ausstellung mit Zeichnungen von Albert Baur arrangiert, die über zwei Tage an gleicher Stelle gezeigt wurde.

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Kanzel in der Bricciuskirche

„Die Besucher waren sehr angetan“, sagte Pomp. Christian Homrichhausen, der einen Buchbeitrag über die Mitwirkung Baurs bei der Gestaltung der Kanzel in der Bricciuskirche beisteuerte sowie Helga und Günter Kästner, die die Schrift finanzierten, komplettierten die Arbeitsgruppe, die sich mit Albert Baur und seiner Leidenschaft für die Kunst auseinandersetzten.

Mehr über das Leben und Wirken von Albert Baur lesen Sie hier

Grundlage der Veröffentlichung ist ein Skizzenbuch Albert Baurs, das Nachfahren hüten. „Für die Stadt Bad Belzig ein Schatz von großem Wert“, sagte Chronistin Helga Kästner. Sie hatte die Historikerin Iris Berndt für das Buchprojekt gewinnen können.

Bei der Buchvorstellung im Reißigerhaus in Bad Belzig Quelle: Christiane Sommer

Das kleine rote Büchlein mit der goldfarbenen Prägung, dass Baur als Skizzenbuch nutzte, hatte er 1828 von seinem Schulfreund geschenkt bekommen. Über 30 Jahre trug er es bei seinen Wanderungen und Reisen bei sich und schenkte ihm einen kostbaren Inhalt: 61 Zeichnungen. Neben solchen aus Berlin, Brüssow, Wiesenburg, Schmerwitz, Klein Glien, Preußnitz und immer wieder auch welche aus Belzig. Die Kirchen der Stadt, die Burg, Mühlen und Straßenansichten boten ihm immer wieder Anlass zu künstlerischer Betätigung.

Im Buchhandel erhältlich

Das Buch „Albert Baur und die Kunst“ von Iris Berndt ist in der Reihe „Unvergessene Belziger“ im Treibgut-Verlag erschienen.

Es kostet 14 Euro und ist im Buchhandel und in der Tourist-Info in Bad Belzig erhältlich.

Mit Iris Berndt suchte Helga Kästner während der Entstehungsphase des Buches jeweils die Orte auf, von denen aus Albert Baur die Stadt malte. Die Perspektiven, die er vor 150 Jahren zeichnete, wurden von ihnen versucht mit der Kamera festzuhalten. „Das war jedoch nicht immer und überall mehr möglich“, ergänzt die Bad Belziger Chronistin.

Albert Baur auf einem Ölgemälde von Gustav Engelbach Quelle: MAZ

Unter anderem weil zu Baurs Zeiten die Hügel größtenteils nicht bewaldet waren – eine Folge der Schafzucht, die damals eine große Rolle in der Landwirtschaft einnahm. Ihre Fotografien aus Bad Belzig und Umgebung wurden den Zeichnungen im Buch teilweise gegenübergestellt.

„Mit der neuen Schrift ist ein weiteres wichtiges Zeitzeugnis zur Geschichte der Stadt zur Hand“, versichert Helga Kästner. Sie freue sich sehr über das gelungene Werk.

Dabei hatte Iris Berndt ursprünglich ein Buch über die ältesten Postkartenansichten der Stadt erarbeiten wollen. Im Gespräch mit der Chronistin stellte sich allerdings heraus, dass Baurs Zeichnungen für sie eine nicht minder interessante Forschungsarbeit darstellen würden. In diesem Zusammenhang ergründete die Potsdamerin auch Baurs Verbindungen in die Berliner Künstlerszene.

Ein Beitrag zur Berliner Kunstgeschichte

Mosaiksteinen gleich, offenbarte sich während der Forschungsarbeit der weit verzweigte Bekanntenkreis von Albert Baur. Über die Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit gewann Iris Berndt fernerhin „Einsichten in Leben und Werk von zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Berliner Künstlern“. Ihr Buch ist damit auch ein Beitrag zur Berliner Kunstgeschichte.

Von Christiane Sommer