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Bad Belzig Landkreis will Busse ohne Fahrer auf die Straße bringen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Landkreis will Busse ohne Fahrer auf die Straße bringen
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18:04 18.12.2019
In der Wusterhausener Innenstadt fiel im Sommer 2019 der offizielle Startschuss für den Probebetrieb eines autonomen Busses. Quelle: Alexander Beckmann
Bad Belzig

Ein Klick in der App, schon steht der Roboterbus vor der Tür: Aus dieser Vision könnte in Bad Belzig und Wiesenburg bald Wirklichkeit werden. Mit vollautomatischen Bussen will der Landkreis Potsdam-Mittelmark Versorgungslücken auf dem Land schließen. Für die Entwicklung eines sogenannten „On-Demand-Ridepooling-Systems“ erhält der Landkreis nun Fördermittel aus dem 5G-Innovationsprogramm des Bundes.

Hinter dem System verbirgt sich ein flexibler öffentlicher Nahverkehr mit autonomen Bussen, die nur dorthin fahren, wo sie gebraucht werden (“on demand“). Im Gegensatz zu herkömmlichen Rufbussen brauchen die Busse der Zukunft allerdings weder Sprit noch Fahrer. „Wir wollen den Bürger direkt an der Haustür abholen“, erklärt Karsten Gericke, der Breitbrandbeauftragte des Landkreises. Haltestellen und feste Routen wären somit hinfällig.

Intelligentes Fahren durch 5G-Netz

Dazu müssen die Fahrzeuge nicht nur smart, sondern auch vernetzt sein. „Der Bus errechnet selbstständig, wie er seine Fahrtroute legt“, erläutert Gericke. Die Busse müssen von allein das richtige Ziel ansteuern und im Notfall rechtzeitig bremsen können, ohne dass jemand auf das Bremspedal steigt.

Autonomes Fahren

Mehr und mehr Kommunen und Einrichtungen setzen auf Busse, in denen man sich den Fahrer sparen kann.

Der erste selbstfahrende Bus im Land Brandenburg ist im Sommer dieses Jahres in Wusterhausen Ostprignitz-Ruppin auf die Straße gesetzt worden.

Tests mit dieser Form des Öffentlichen Personennahverkehrs laufen seit August dieses Jahres in der Hamburger Hafencity.

Im Frühjahr 2018 nahmen vier solche autonomen Busse in Berlin den Linienbetrieb auf – und zwar auf dem Campus Charité Mitte und dem Campus Virchow-Klinikum.

Möglich wird das intelligente Fahren durch den neuen Mobilfunkstandard 5G, das für die fünfte Generation des mobilen Internets steht. Darüber können Daten in Echtzeit übertragen werden.

100.000 Euro Fördermittel vom Bund

Mit der Ridepooling-Idee hat sich der Landkreis bei einem bundesweiten Innovationswettbewerb zur Nutzung von 5G beworben und es unter die besten 50 Regionen geschafft. Somit erhält Potsdam-Mittelmark Fördermittel in Höhe von 100.000 Euro, die zwischen dem 1. Januar und dem 30. April abgerufen werden müssen.

Die Fördersumme will der Landkreis nutzen, um ein genaues Konzept für das autonome Bus-System zu erarbeiten. Darin sollen auch Partner benannt werden, die zum Beispiel Fahrzeuge und Ladesäulen stellen.

Karsten Gericke arbeitet in der Kreisverwaltung des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Er ist der neue Breitbandbeauftragte aus dem Bereich Wirtschaftsförderung- Quelle: Christin Iffert

Trassenausbau soll im Frühjahr beginnen

Bevor überhaupt ein Roboterbus von Klepzig nach Wiesenburg fahren kann, muss das 5G-Netz allerdings weiter ausgebaut werden. Derzeit laufe die Suche nach geeigneten Flächen für die Glasfasertrassen, erklärt Karsten Gericke. Schon im Frühjahr soll der Trassenausbau beginnen.

„Das Geld ist da und die Bürger wollen, dass es losgeht“, erklärt der Breitbandbeauftragte Gericke. Für die Bauarbeiten werde die Telekom wohl auf Tiefbauarbeiter aus dem europäischen Ausland zurückgreifen – mit freien Kapazitäten einheimischer Unternehmen sei in nächster Zeit nicht zu rechnen.

Skepsis gegenüber neuen Technologien

Wenn die technischen Herausforderungen überwunden sind, muss allerdings auch noch die Skepsis der Bevölkerung besiegt werden. „Es ist ein langer Weg, bis man die Akzeptanz für neue Technologien aufgebaut hat“, erklärt Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Die meisten Menschen verunsichere die Vorstellung, dass bei Überlandfahrten kein Fahrer am Steuer sitzt.

Für Karsten Gericke hat das Konzept das Potenzial, eines Tages Rufbusse mit Fahrern auf dem Land abzulösen. „Wir wollen das für die Masse, für den täglichen Nutzer anbieten können“, sagt der Breitbandbeauftragte. Er hofft, dass die Bundesregierung den „Feldversuch“ auch über das Frühjahr hinaus unterstützt. Schafft es das Konzept auf die höchste Förderstufe, winken bis zu vier Millionen Euro zur Umsetzung.

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Von Hannah Rüdiger

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