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Bad Belzig Rewe-Markt rückt näher
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Rewe-Markt rückt näher
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13:46 26.05.2018
So könnte der Rewe-Markt an der Brücker Landstraße aussehen, wenn er denn gebaut wird.
So könnte der Rewe-Markt an der Brücker Landstraße aussehen, wenn er denn gebaut wird. Quelle: Architekturbüro Thanheiser
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Bad Belzig

Die Chancen, dass die Handelskette Rewe sich in Bad Belzig ansiedelt, wachsen. Mit sechs Ja- und vier Nein-Stimmen hat der städtische Bau- und Planungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss für die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zur Errichtung des votiert. Die Unternehmensgruppe bemüht sich seit zwei Jahren, das Vorhaben in der Kur- und Kreisstadt zu verwirklichen. Als Bauplatz ist das Areal gleich neben der Lidl-Filiale in der Brücker Landstraße ins Auge gefasst.

Folgt die Stadtverordnetenversammlung der Empfehlung, würde ein Schandfleck verschwinden. Mit ihm eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle, wie die für Rewe tätigen Architekten berichten. Die Ruinen des einstigen Getreidehandels sind zum Teil einsturzgefährdet.

Boden und Bauten sind belastet

Bei der Altlastenuntersuchung sind 2014 Belastungen mit Quecksilber in Gebäuden und in einem Sickerschacht festgestellt worden, wie es im Anhang. Sie stammen aus Produktionsrückständen der quecksilberhaltigen Beize des früheren Betriebes. Im alten Batterielager sind außerdem Mineralkohlenwasserstoffe und Sulfate registriert worden. Obgleich das in privater Hand befindliche Areal umzäunt ist, geht von den Ruinen Anziehungskraft aus. Abenteurer, die immer wieder in den einsturzgefährdeten Hallen unterwegs sind, hinterlassen unter anderem mit Graffiti immer wieder neue Visitenkarten. Für eine Überraschung sorgte kürzlich Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos). „Jede Stadt hat doch irgendwo einen Schandfleck“, sagte er.

Das in Privateigentum befindliche Gelände des ehemaligen Getreidehandels an der Brücker Landstraße ist dem Verfall preis gegeben. Quelle: Architekturbüro Thanheiser

Doch geht es nach Auffassung der Investoren bei dem Vorhaben längst nicht nur um die Chance, ohne Kosten und Risiko für die Kommune eine Brache aufzuwerten, dass sie dem Antlitz der Kur- und Kreisstadt würdig ist und als Mittelzentrum der Versorgungsfunktion für das Umland erfüllen kann.

Ob sich die unter chronischem Geldmangel leidende Stadt Bad Belzig leisten kann, auf die in Aussicht gestellte nicht unbedeutende Steuereinnahme zu verzichten, lautet eine Frage. Die für die Rewe-Gruppe tätigen Planer haben bereits gegenüber dem Rathaus betont, dass für den Betrieb des Marktes eine Gesellschaft gegründet wird. Damit die Steuern - anders als bei den Discountern - ins Stadtsäckel fließen. Die hiesigen Vereine wiederum könnten sich über einen weiteren Sponsoren freuen,hieß es.

Mit Blick auf den geplanten Neubau einer Feuerwache, den Ausbau der alten Geschwister Scholl-Grundschule zum soziokulturellen Zentrum und weiteren Großbaustellen in der Stadt, sollten die Kommunalpolitiker ihre Entscheidung genau überdenken, sagte Architekt Bernhard Thanheiser.

Gewerbeverein protestiert

Während die Christ- und Sozialdemokraten im Fachausschuss für die Ansiedlung des Rewe-Marktes plädierten, spricht sich der Gewerbeverein vehement gegen das Vorhaben aus. „Der Bebauungsplan verstößt gegen das Einzelhandelskonzept“, begründete dessen Chefin Simone Lüdecke die strikte Ablehnung. Dabei weist das durch die BBE-Handelsberatung Leipzig erst im vergangenen Jahr vorgestellte Papier neben dem Risiko, dass der in die Jahre gekommene Edeka-Markt in der Friedrich-Schiller-Straße schließen könnte, auch Chancen für Bad Belzig aus. Durch den Vollsortimenter Rewe bekäme der Platzhirsch Edeka eine gesunde Konkurrenz, haben die Gutachter festgestellt.

Der neue und bequem von der Umgehungsstraße erreichbare Markt dürfte zusätzlich weitere Kaufkraft an Bad Belzig binden und Kunden zurücklocken, die den Großeinkauf längst außerhalb der Stadt erledigen, sind die Gutachter überzeugt. Vom zurück gewonnenen Plus an Kundschaft können wiederum die Innenstadthändler profitieren, so die Experten.

Von Christiane Sommer