Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Bürgerinitiative wehrt sich gegen Rumgeballer auf Schießplatz
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Bürgerinitiative wehrt sich gegen Rumgeballer auf Schießplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:54 25.07.2018
Conrad Kopsch ärgert sich über den Lärm vom Schießplatz in Bad Belzig.
Conrad Kopsch ärgert sich über den Lärm vom Schießplatz in Bad Belzig. Quelle: Christiane Sommer
Anzeige
Bad Belzig

Conrad Kopsch wohnt am westlichen Stadtrand von Bad Belzig. Nah an der Natur – und doch ist die Idylle getrübt. Wo man glaubt, das Gezwitscher der Vögel sei tonangebend, wird man schnell eines Besseren belehrt. Denn in der Luft liegen täglich Schießsalven.

Die Geräuschkulisse wird vom Schießplatz am verlängerten Borussiaweg herüber getragen. „Bei Westwind ist es besonders schlimm. Die psychische Belastung wird dabei immer größer. Der Schießlärm macht aggressiv und krank. Von Erholung kann man dann nur noch träumen", sagt der Bad Belziger gleichermaßen verärgert und verzweifelt.

Unterschriftensammlung gegen Lärm

Mit seiner Kritik ist er nicht allein, deshalb hat eine Bürgerinitiative eine Unterschriftensammlung gestartet. „Die Listen liegen im Bürgerbüro mit Zustimmung des Bürgermeisters. Man muss aber danach fragen", so Kopsch.

Zuvor hatte er wiederholt in den Sitzungen der städtischen Ausschüsse auf die Lärmbelästigung hingewiesen. Außerdem wirft er der Verwaltung eine mangelnde Bürgerinformation in Bezug auf Baumaßnahmen auf dem Schießplatzareal vor.

Künftig mehr Betrieb

Die Bürgerinitiative begründet ihre Forderung nach mehr Ruhe mit dem zunehmenden Schießlärm, der seit der Umwandlung der Schießsportanlage in eine GmbH von Anwohnern wahrgenommen wird. Betroffen ist dabei neben dem Kurpark hauptsächlich das westliche Stadtgebiet um den Forstweg, die Lübnitzer und die Ritterhuder Straße sowie die Waldsiedlung einschließlich der Reha-Klinik „Hoher Fläming".

Anders als in der Vergangenheit sollen künftig laut Conrad Kopsch auch Polizei und Sicherheitsfirmen auf dem Schießplatz Trainingseinheiten absolvieren können. „Mit Sport hat das nichts mehr zu tun. Es geht wohl vielmehr ums Geld", ist sich Kopsch sicher.

Die Bauarbeiten an der Anlage

Auf dem Schießplatz darf von Montag bis Sonnabend, zwischen 9 und 19 Uhr, sowie Sonntags von 9 bis 12 Uhr geschossen werden.

Aktuell wird auf dem Areal gebaut.

Der Schießstand soll teilweise überdacht und der Trappstand um zirka 45 Grad gedreht werden.

Die Geräuschkulisse soll dadurch und durch die Verwendung von schallschluckenden Bauelementen eingedämmt werden.

Am 9. August können die Bauarbeiten an der Schießsportanlage zwischen 18 und 20 Uhr vor Ort besichtigt werden.

Weitere Schießbahnen seien bereits in Planung. „Dadurch wird es noch lauter werden", befürchtet der Anwohner. In diesem Zusammenhang bemerkt er: „Die Schussfolgen sind schon jetzt erheblich gestiegen. Im Zehnsekundentakt und anscheinend mit stärkerer Munition."

Bangen um Kurstadtstatus

Kontrollen des Lärmpegels durch das brandenburgische Landesamt für Umwelt, die der Bad Belziger angefordert hat, ergaben bisher jedoch keine Überschreitungen der Höchstgrenzen.

Ungeachtet dessen fordert die Bürgerinitiative ein Schießverbot über das gesamte Wochenende – samstags, sonntags und an den Feiertagen – sowie eine tägliche Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr. Betont wird dabei, dass man nicht gegen den Schießplatz sei. Dieser solle jedoch einer Kurstadt angemessen sein.

Geht der Status als Kulturstadt flöten?

„Es geht schließlich nicht nur um die Lebensqualität in der Stadt. Auch Patienten in der Reha-Klinik leiden unter dem Schießlärm. Ich gehe sogar noch weiter und fürchte um den Kurstadtstatus von Bad Belzig", mahnt Kopsch.

Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) wies die Spekulationen über einen Verlust dieses Status’ infolge des Schießlärms bereits in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung scharf zurück und versuchte zu vermitteln.

Anstatt der von ihm versprochenen Gesprächsrunde zwischen Schießplatzbetreibern, Verwaltung und Bürgerinitiative ist jetzt ein Vor-Ort-Termin für alle Bad Belziger angekündigt. Geschäftsführer Danyell Schubert lädt in diesem Zusammenhang zu einer Besichtigung der Anlage ein. Hintergrund sind die derzeit stattfindenden Bauarbeiten.

Von Christiane Sommer