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Bad Belzig Schuldner-Hochburgen im Hohen Fläming
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Schuldner-Hochburgen im Hohen Fläming
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11:32 21.12.2018
Evelyn Burkert berät seit mehr als 20 Jahren überschuldete Menschen im Hohen Fläming. Quelle: Saskia Popp
Bad Belzig

Räumungsklagen, Pfändungen und drohende Stromsperren sind nur einige der Probleme, die bei der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Bad Belzig kurz vor Weihnachten besprochen werden. Mitarbeiterin Evelyn Burkert versucht zu helfen, wälzt die Akten und betrachtet jeden Fall. 152 Schuldner suchten 2018 bei einer Sprechstunde in der Brücker Landstraße Hilfe, 104 ließen sich telefonisch beraten. „Es wird nicht weniger“, sagt Burkert.

Zahlen in etwa gleich

Die Zahl der Schuldner ist im Hohen Fläming in mehreren Kommunen höher, als in anderen Regionen Potsdam-Mittelmarks. So sind 11,56 Prozent der Wiesenburger (2017 waren es 11,59) und 9,82 Prozent der Bad Belziger ( im Vorjahr betrug der Wert 10 Prozent) überschuldet. In Treuenbrietzen stieg die Zahl der Schuldner leicht an, von 8,47 Prozent im Jahr 2017 auf glatt 8,5 Prozent. Das belegen Zahlen aus dem Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Und das obwohl der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 7,55 Prozent brandenburgweit die niedrigste Schuldnerquote aufweist. Bundesweit beträgt die durchschnittliche Zahl überschuldeter Verbraucher 10,04 Prozent. Überschuldung liegt laut Creditreform-Sprecher Michael Bretz dann vor, „wenn die zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen“.

Ängste und Hilflosigkeit

Insolvenzberaterin Aline Liebenow weiß, dass Ängste, Scham und Hilflosigkeit auch zum Leben der Schuldner gehören. So hat auch der 30-jährige Peter Sorgen (Name geändert). Er äußert sich zu seinen finanziellen Problemen. „Vor Weihnachten gibt es viele Verlockungen. Ich habe mir auch schon überlegt, einen neuen Fernseher oder eine Playstation zu kaufen“, sagt der Bad Belziger.

Da er aber bereits 1500 Euro Schulden angehäuft habe, wolle er verzichten. Deshalb sei an Restaurantbesuche und kulturelle Veranstaltungen nicht zu denken. Wegen „längerer Krankheit“ sei Peter Sorgen arbeitslos geworden und konnte auch kein Geld zurücklegen. Im neuen Jahr hoffe er „am meisten auf einen neuen Job.“

So kann man helfen

Um die Gefahr einer Verschuldung zu reduzieren, gibt Präventionsmitarbeiterin Alexandra Pieczonkofski von der Awo Tipps. So empfiehlt sie Menschen mit finanziellen Problemen, sich einen guten Überblick zu verschaffen und diesen durch regelmäßige Kontrollen zu erneuern. Auch im Zeitalter der Digitalisierung sei ein Haushaltsplan hierfür ein gut geeignetes Mittel.

Bei den Notizen zu möglichen Ausgaben rät sie Schuldnern, zuerst die wichtigsten Positionen, die zur Absicherung ihres Lebens notwendig sind, aufzulisten. So sollen Kosten für die Miete, Kreditraten, Strom und Gas dokumentiert werden.

Schuldner, die bei der Auswertung feststellen, dass ihnen zu wenig Geld übrig bleibe, könnten prüfen, „welche Ausgaben reduziert oder komplett gestrichen werden können“, sagt Pieczonkofski weiter.

Die Präventionsmitarbeiterin der Awo schlägt außerdem vor, auf Kontoüberziehungen zu verzichten. „Kaufen Sie bedarfsgerecht, nicht wunschgerecht ein“, sagt die Schuldnerberaterin. Sie empfiehlt zudem, sich ein Polster für unvorhergesehene Ausgaben zu schaffen, Konsumgüter nicht über langfristige Kredite zu finanzieren und frühzeitig Beratungshilfe in Anspruch zu nehmen.

„Auch wenn es Überwindung kostet, ist es sinnvoll, lieber einmal mehr zu fragen“, äußert Evelyn Burkert, die seit 1994 Schuldnerberaterin ist. Sie hofft, dass Menschen mit Problemen auch Hilfe annehmen. „Die Leute müssen wissen, wie sie sich verhalten, bevor das Kind in den Brunnen fällt oder die Polizei kommt“, sagt Evelyn Burkert. Sie will weiter Aufklärungsarbeit leisten.

Beratungstermine für Schuldner

Beratungen sind jeden vierten Mittwoch im Monat im Treuenbrietzener Rathaus nach telefonischer Terminvereinbarung unter 033841 387825 möglich.

Auch in Bad Belzig wird Menschen mit finanziellen Problemen bei einer offenen Sprechstunde geholfen. Sie findet jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr bei der Beratungsstelle für Überschuldete in der Brücker Landstraße 1 a statt. Der nächstmögliche Termin ist am 3. Januar 2019.

Von André Großmann

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