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Bad Belzig Second-Hand-Laden gibt auf
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Second-Hand-Laden gibt auf
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17:37 25.09.2018
Die Stöberstube in der Straße der Einheit in Bad Belzig schließt am 29. September. Bunt plakatiert sind die Scheiben mit den Ausverkauf-Angeboten. Quelle: Mai
Bad Belzig

Mit Galgenhumor hat Heike Deterding es an ihrem Geschäft plakatiert: „Es hat sich ausgestöbert.“ Die 55-Jährige schließt am 29. September ihre Stöberstube mit Second-Hand-Ware. „Da fällt der Hammer.“ Das Geschäft in der Straße der Einheit lief schon seit geraumer Zeit nicht richtig, eigentlich fast von Beginn an. Denn den An- und Verkauf-Kommissionsladen, in dem auch Ehemann Rainer mitarbeitet, gibt es erst seit anderthalb Jahren. Zuvor war Heike Deterding in Wittenberg Geschäftsfrau. Von 1999 an war ihre Idee, gebrauchte Kleidung, Elektronik und Kleinmöbel an den Mann zu bringen, ganz erfolgreich.

Doch auch dort waren die „letzten Jahre etwas rückläufig“. Jetzt laufen die letzten Tage des Räumungsverkaufs. „Was ich bis Samstag nicht verkaufe, geht in die Kleiderspende.“

Sehnsucht nach ihrer Heimatstadt

90 Quadratmeter groß ist das Geschäft. Die Kleiderständer hängen voll. Vor drei Monaten fiel die Entscheidung aufzugeben. „Seitdem fühle ich mich erleichtert“, sagt die gebürtige Bad Belzigerin. Und doch steigen ihr Tränen in die Augen. Warum es nicht gut lief? Sie hat drei Erklärungen dafür: Keine Parkplätze vor dem Haus, das Internet und die Scham der Kunden, Gebrauchtes zu kaufen: „Die Leute sitzen lieber auf dem Sofa und kaufen ein. Mit dem Internet wird der Einzelhandel auch im Second-Hand-Bereich schwächer.“

Warum ging sie nach Bad Belzig? „Ich bin Ur-Belzigerin, ich habe hier meine Kindheit und Jugend verbracht. Ich hatte Sehnsucht nach Zuhause.“ Auch, um den Eltern zur Seite stehen zu können.

Die Stöberstube war ihr Leben

Die Ladenmiete konnte sie eine Zeit lang noch verhandeln. Ab 2019 wäre die volle Miete auf sie zugekommen. „Potsdam, Berlin, Leipzig, Hannover, Hamburg, München, da läuft Second Hand wie Hulle“, berichtet Heike Deterding.

„Es macht so einen wahnsinnigen Spaß, ich würde es weitermachen, bis ich tot umfalle. Aber wenn man Geld hertragen muss, geht es nicht mehr.“ Wenn drei Mal so viele Kunden kommen, um Dinge zu verkaufen, und nur wenige, die kaufen.

Die Angst der Kunden gesehen zu werden

Das ist der zweite Grund. Und da ist der dritte Grund in ihren Augen für das Scheitern, an dem auch der Paketshop, den sie mit in ihrem Laden anbietet, nichts geändert hat: „Den DHL-Shop hatte ich, um die zwei, drei Leute anzulocken, die sich sonst gar nicht hereintrauen würden. Es gibt so viele, die Hemmungen haben, Second Hand zu kaufen. Deswegen habe ich ja schon eine Tür nach hinten, damit sie vorne nicht gesehen werden.“

Ab Montag ist Heike Deterding arbeitslos. Im Servicebereich würde sie gerne arbeiten, älteren Menschen zur Seite stehen, an einer Rezeption helfen. Gelernt hat sie Facharbeiterin für Textiltechnik. Während sie erzählt, kommt eine Kundin, stöbert fünf Minuten und geht wieder. Gekauft hat sie nichts.

Von Marion von Imhoff

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