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Bad Belzig Mit einem Trecker auf Pilgerreise
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Mit einem Trecker auf Pilgerreise
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16:16 04.11.2018
Beeindruckende Kulisse: Die Pilger Dirk Friedrich und Bettina Gebert mit ihrem Gefährt in der Stadt Cahors (Südfrankreich), die ein Startpunkt des Jacobsweges ist.
Beeindruckende Kulisse: Die Pilger Dirk Friedrich und Bettina Gebert mit ihrem Gefährt in der Stadt Cahors (Südfrankreich), die ein Startpunkt des Jacobsweges ist. Quelle: Privat
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Bad Belzig

Mit vielen Eindrücken und spannenden Geschichten sind Dirk Friedrich und seine Freundin Bettina Gebert wieder in Bad Belzig angekommen. 120 Tage waren sie mit ihrem Kleintrecker samt Hund und Anhänger unterwegs. Nach dem Segen des katholischen Pfarrers Burkhard Stegemann ging es am Ostersonntag in Richtung des Pilgerortes Lourdes in Südfrankreich. Auf der Reise erlebte das Paar Höhen und Tiefen und bringt Erinnerungen an faszinierende aber auch traurige Momente mit nach Hause.

Heftiger Regen begrüßte die Pilger bei ihrer Ankunft in Lourdes. Die Stimmung war gedrückt, zumal die Reise durch Frankreich die meiste Zeit kühl und nass war. „Gleichzeitig scheint mir der Platz für Freiheit und Abenteuer in Europa weniger geworden zu sein“, sagt der Bad Belziger. Vieles sei reglementiert, man könne nicht einfach querbeet gehen.

In drei Polizeikontrollen geraten

Auf der Reise haben Dirk Friedrich und Bettina Gebert über 10 000 Fotos gemacht.

Die Reise nach Lourdes und zurück betrug 1800 km. Insgesamt sind Dirk Friedrich und Bettina Gebert 4244 km gefahren.

Etwa 850 Liter Diesel und 1500 Liter Wasser haben sie auf ihrer Reise verbraucht.

Vier Mal mussten Öl samt Filter, zwei Mal der Luftfilter und ein durchgefahrener Reifen gewechselt werden.

Die Lichtmaschinenhalterung musste zwei Mal repariert werden.

Auf Grund einer niedrigen Brückenhöhe musste die Rundumleuchte erneuert werden.

In drei Polizeikontrollen kamen die Pilger.

„Wir Menschen fahren wie ein Zug in vorgegebenen Gleisen“, so der 50-Jährige, der diesen Zustand sehr bedauert. Die Zeit während der Reise beschreibt das Paar als anstrengend und intensiv zugleich. „Wir haben uns besser kennengelernt, aber auch jeder sich selbst.“ Die tägliche geballte Nähe war nicht immer einfach, sagt das Paar.

Der stärkste Moment der Reise war eher ein negativer, berichtet der 50-Jährige. „Als wir in Lourdes ankamen, musste ich feststellen, dass wohl vor Gott alle gleich sind – aber nicht vor der Kirche.“ Dem Paar wurde der Zutritt in Lourdes verweigert, da sie ihren Hund Pablo mitführten. Eine Lösung hatten die Pilger zwar parat, indem sie den Hund in ihrem Trecker-Anhänger pausieren ließen. Jedoch traf es die beiden christlichen Pilger hart.

Besonderes Erlebnis: nach einer beeindruckenden Nacht vor den Ruinen der Lutzelbourg (Ostfrankreich), wo die Pilger Dirk Friedrich und Bettina Gebert trommelten, tanzten und sangen. Quelle: Privat

Zwei weitere unfreundliche Geschichten hinterlassen bei den beiden einen bitteren Nachgeschmack. „Mit unserem Trecker standen wir auf einem Stellplatz – im Grunde genommen war das nur ein freies Feld an einer Industriebrache. Auf dem Gelände befand sich eine Stiftung. Ich habe gefragt, ob ich dort auf die Toilette darf, und wurde rausgeschmissen. Das andere Mal war in Coswig – dort wurden wir von einem Angestellten der Marina verjagt“, so Friedrich.

Trotz dieser negativen Erfahrungen überwogen die schönen Momente, so wie beispielsweise die Nacht vor einer beleuchteten Burgruine, wo das Paar in entspannter Atmosphäre trommelte oder der atemberaubende Pilgerort Rocamandour. „Das war sehr beeindruckend, da habe ich auch geweint“, sagt Bettina Gebert über diesen besonderen französischen Wahlfahrtort. Doch auch andere Orte oder touristisch nicht erschlossene Bunker aus dem Ersten Weltkrieg haben sie sich angeschaut.

Trotz Herausforderungen und Schwierigkeiten kam der Spaß nicht zu kurz: Bettina Gebert in Frankreich vor dem Schild „Sauf Service“ (Auf Deutsch: Außer Service). Quelle: Privat

Auf ihrem Weg trafen die beiden deutschen Pilger immer wieder sehr nette und hilfsbereite Menschen. Und noch eine interessante Sache haben die Pilger auf ihrer Reise festgestellt. „Wir haben einiges von unserem Hausrat verloren, aber viele andere Dinge gefunden.“ Nachdem sie ihren Regenschirm verloren hatten, fanden sie einen besseren, schmunzelt Bettina Gebert. „Meine Schuhe habe ich zwei Mal verloren, aber immer wieder gefunden.“

Mittlerweile sind beide zurück in der Heimat. Während der Bad Belziger sich noch in der Orientierungsphase befindet, arbeitet Bettina Gebert wieder in ihrem Beruf im Außendienst. Die Pilgerfahrt bereuen sie nicht und wissen nun wie es ist, über Monate auf engstem Raum zu wohnen und sich auf das Nötigste zu beschränken. Eine erneute Pilgerfahrt könnten sich beide vorstellen. „Ob, wie und wann, bleibt offen.“

Von Johanna Uminski