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Bad Belzig Solidarität bei „Weihnachten für alle“
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Solidarität bei „Weihnachten für alle“
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15:47 17.12.2018
Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang, die Mitstreiter Lara Eckhoff, Ramona Stucki und Jan Eckhoff begrüßen eine Kundin im Edeka-Markt am Bad Belziger Busbahnhof. Sie hoffen auf ihr Engagement bei der Aktion „Weihnachten für alle.“ Quelle: Olaf Präger
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Bad Belzig

Ein Zeichen der Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft will Antje Leiste bei der Aktion „Weihnachten für alle“ setzen. Die Bad Belzigerin kauft Spielzeug, Kindersachen, Damenbekleidung, Bücher und DVDs, die anschließend an Bedürftige weitergegeben werden.

„Das muss von Herzen kommen. Menschen sollten wissen, was Selbstlosigkeit ist. Mitgefühl und Achtsamkeit helfen“, sagt die 40-Jährige. Sie appelliert an die Bad Belziger, etwas abzugeben, das Weihnachtsfest könne auch „ohne viel Luxus“ gefeiert werden, ist sie sicher.

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Eindrücke der Aktion „Weihnachten für alle“

Engagement gegen Armut und Probleme

Der 53-Jährige Olaf Präger will den Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, ein würdevolles Weihnachten bescheren. „So soll die soziale Not ein paar Tage nicht zum Tragen kommen und die Probleme des Alltags ein bisschen vergessen werden“, sagt der Bad Belziger.

Die SolidaritätsaktionWeihnachten für alle“ findet in der Kreisstadt zum zehnten Mal statt. Mehr als 35 Helfer beteiligen sich, sammeln und bereiten Waren für den Transport vor. Bürger kaufen dabei mehr ein, als sie benötigen.

Anschließend legen sie die Waren in dafür bereit gestellte Geschenkkartons. Deshalb türmen sich im Büro der Linken in der Straße der Einheit unter anderem Obst, Gemüse, Eier, Schokolade, Zahnbürsten und Kaffeepakete.

Supermärkte wie Edeka und Geschäfte in der Innenstadt stellen ihre Verkaufsflächen für die Aktion zur Verfügung. Die Spenden gehen dann kurzfristig an die Lebensmittelausgabe des Vereins für Arbeit und Leben (VAL), die Tiertafel und die Bad Belziger Tafel.

Hier werden sie bedürftigen Menschen übergeben. Martina Linde engagiert sich dort und hat die Kisten mit Konserven, Süßigkeiten und Obst fest im Blick. Sie beteiligt sich seit sieben Jahren bei „Weihnachten für alle.“ Um zu helfen, ignoriert sie so manches Zipperlein. „Für mich ist das auch eine Pflicht, dabei zu sein. Ich mache das gern“, sagt die 65-Jährige und packt mit an.

Linde schätzt, dass in der Kreisstadt bis zu 200 Menschen im Monat die Angebote der Tafel nutzen, in Niemegk seien es hingegen zwischen 40 und 50. Der Bad Belziger Olaf Präger ist der Meinung, dass „immer mehr Menschen“ die Ausgaben für Lebensmittel und zur Grundversorgung schwerfallen.

Gesellschaftliche Veränderungen gefordert

Um die Ursachen der Armut zu beseitigen, sei deshalb mehr nötig, als weihnachtliche Solidarität. „Nötig sind grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen, die dafür sorgen, dass die Umverteilung von unten nach oben endlich umgekehrt wird“, sagt Präger. Für ihn treffe Armut besonders Kinder am schlimmsten.

„Sie sind es, die für ihre wirtschaftliche Situation gar nichts können, ihre Armut aber Tag für Tag in Schule und Freizeit spüren“, sagt er weiter. Der 53-Jährige argumentiert deshalb, dass die Aktion wegen der „gesellschaftlichen Unterschiede“ und Menschen, die auf die Nutzung der Lebensmittelausgaben angewiesen seien, auch in den nächsten Jahren weiter bestehen muss.

Überparteiliches Engagement

Weihnachten für alle“ wurde 2009 ins Leben gerufen. Die Idee dafür stammt ursprünglich von der damaligen Fraktionsvorsitzenden der Linken in der Bad Belziger Stadtverordnetenversammlung Uta Hohlfeld. Bei der Aktion engagieren sich überparteilich mehrere Kommunalpolitiker. Dabei waren unter anderem Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos), der Stadtverordnete Lothar Lehmann (Freie Wählergemeinschaft), sowie der Kreistagskandidat Gerhard Luhmer von den Piraten.

„Freude und Liebe“ wollten sie verschenken und sind mit der Beteiligung zufrieden. Auch Landtagskandidatin Claudia Sprengel (Die Linke) war dabei. Sie lobt, dass die Aktion in der Kreisstadt bekannt sei und angenommen werde. „Mich berührt, dass die, die selbst nicht viel haben, noch bereit sind, etwas abzugeben“, sagt die 29-Jährige.

Bis zum 21. Dezember werden vor den Weihnachtstagen in den Räumen der Bad Belziger Tafel noch Spenden verteilt. Nach den Feiertagen können ab dem 27. Dezember wieder Waren abgeholt werden. Eigentlich wollte Martina Linde dann etwas kürzer treten. „Wenn Not am Mann ist, bin ich aber die Letzte, die Nein sagt“, kommentiert die 65-Jährige und hält sich eine Tür offen.

Von André Großmann