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Bad Belzig Stolpersteine für jüdische Kaufleute sollen noch 2019 verlegt werden
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18:30 28.03.2019
Benjamin Stamer (links) und Wolf Thieme haben das Schicksal der Familie Sachs in Bad Belzig recherchiert Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Die Erinnerung an Ida und Rudi Sachs wird in Zukunft mit Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig wach gehalten. Sie sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr in der Sandberger Straße in Bad Belzig werden.

Das haben die Stadtväter jetzt ohne Diskussion beschlossen. „Das Votum ist bei den Nachfahren in Amerika mit großer Freude aufgenommen worden“, berichtet Benjamin Stamer.

Der Mitarbeiter des Infocafés „Der Winkel“ steht mit der Familie nach wie vor in Kontakt. Sie hatte 2018 Bad Belzig besucht, das Bemühen der Aktivisten unterstützt und strebt dem Vernehmen nach auch an, zur Verlegung der Gedenksteine vor Ort zu sein.

Arbeitsgruppe recherchiert jüdisches Leben

Gemeinsam mit dem in Werbig lebenden Journalisten Wolf Thieme steht Benjamin Stamer an der Spitze der Projektgruppe „Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933 bis 1945“.

Auf deren Initiative hin war im vergangenen Jahr eine Ausstellung zum Thema in der St.-Marien-Kirche organisiert worden und 2017 der Stolperstein für Dagobert Bornheim in der Straße der Einheit eingelassen worden.

Mit einem Stolperstein wird in Bad Belzig an Dagobert Bornheim erinnert. Quelle: René Gaffron

Zu Robert und Ida Sachs haben die beiden Protagonisten recherchiert, dass sie zunächst sehr angesehen waren. Ihr Ehemann Hugo, ein sozialdemokratischer Stadtverordneter und Mitglied in verschiedenen Verwaltungskommissionen, war 1925 an seinen Verwundungen aus dem Ersten Weltkrieg gestorben.

Er führte bis dahin Hembergs Warenhaus dort, wo sich heutzutage die Filiale der Mode-Kette „Ernstings Family“ befindet. Nach dem Tod führte seine Witwe Ida gemeinsam mit Sohn Rudi das Geschäft fort.

Attacke in der Pogromnacht

Am 9. November 1938 wurden in der reichsweiten Pogromnacht die Schaufensterscheiben zerschlagen. Der Junior wurde verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen gezwungen, dem Verkauf des Warenhauses zuzustimmen. Der Tod blieb ihm erspart.

Im Mai 1939 reiste Rudi Sachse nach Italien und von dort mit einem Schiff nach Shanghai. Seine Mutter wickelte in Belzig noch die Geschäfte ab und fuhr ein Jahr später per Zug durch die Sowjetunion zu ihrem Sohn nach Fernost.

Ida Sachs starb dort 1944 im Alter von 74 Jahren. Rudi Sachs lebte von 1947 bis 1997 in den Vereinigten Staaten.

Messingtafel auf Betonwürfel

Gunter Demnig verlegt seit 1992 in ganz Europa Stolpersteine. Inzwischen sind es mehr als 70 000.

Damit erinnert der 72-Jährige gebürtige Berliner an das Schicksal der Menschen, die von den Nazis verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.

Die quadratischen Messingtafeln mit der Inschrift kommen auf einen Betonwürfel, der 96 mal 96 mal 100 Millimeter groß ist. In der Regel werden sie vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der geehrten Personen in den Boden eingebracht.

In Bad Belzig erinnert seit Ende 2017 ein Stolperstein an den jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim, der 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Bei der Familie Knauf handelt es sich um Nachfahren des Bruders von Hugo Sachs namens Moritz, wie in den Unterlagen nachzulesen ist. Trotz der Vertreibung hat Rudi Sachs in zahlreichen Briefen an Nachbarn und Freunde die engen Beziehungen zu seiner Heimat dokumentiert.

Die Kosten für das Verlegen des Stolpersteins im Gehweg werden mit 240 Euro beziffert. Ausdrücklicher Wunsch ist es, dass die Rechnung an die Projektgruppe geht.

Der Stadt Bad Belzig sollen wegen der Ehrung keine Kosten entstehen, heißt es in der Vorlage für die Abgeordneten. Einen konkreten Termin für die Verlegung gibt es noch nicht.

Von René Gaffron

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