Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig So emotional war das „Keimzeit“-Heimspiel
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig So emotional war das „Keimzeit“-Heimspiel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 28.07.2019
Martin Weigel (links) und Norbert Leisegang gehen musikalisch künftig getrennte Wege. Indes zelebrierten sie mit „Keimzeit“ nochmal ein emotional berührendes Heimspiel in Bad Belzig. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Das war alles andere als Routine: Die Gruppe „Keimzeit“ hat auch das 21. Heimspiel auf der Burg Eisenhardt zu einem besonderen Erlebnis für die zahlreichen Besucher werden lassen. Drei Stunden lang sorgte die Band am Sonnabend bei dem von der Märkischen Allgemeinen Zeitung präsentierten Auftritt nicht nur für gewohnt gute Unterhaltung, sondern auch für emotionale Momente. Der Wermutstropfen im Becher der Freude war der von Martin Weigel überraschend verkündete Rückzug aus der Band zum Jahresende.

Das Ambiente war wie immer exklusiv: Bei um Mitternacht noch mehr als 20 Grad Celsius klang ein herrlicher Sommerabend aus. Sicherheitsdienst und Sanitäter bilanzierten einen fast störungsfreien Abend. „Eine Blase am Fuß einer in neuen Schuhen tanzenden Zuschauerin war zu versorgen“, bilanzierte Frank Wiens von der DLRG-Ortsgruppe Borkheide.

Impressionen vom Konzert auf der Burg Eisenhardt in Bad Belzig

Publikum dicht gedrängt

Das historische Gemäuer wirkt schon für sich, wurde im Verlauf des Abends aber noch mehr in bunte Farben getaucht. Die Musiker hatten von der Bühne aus den Butterturm im Blick. Vor ihnen freilich stand dicht gedrängt die ausgelassen feiernde Anhängerschaft. Mitunter hatten die Leute aber auch die mobile Sitzgelegenheit dabei und wurden so buchstäblich zu Genießern am Rande.

Getaucht in alle Klang-Farben: die Burg Eisenhardt beim Keimzeit-Heimspiel in Bad Belzig. Quelle: René Gaffron

Das Publikum war wie immer gut gemischt –jung und alt, Männer und Frauen aus nah und fern. Knapp 1000 Besucher hatten laut Aussage von Veranstalter Dirk Tscherner den Weg auf das Wahrzeichen der Kur- und Kreisstadt auf sich genommen. Die Einheimischen aus dem Hohen Fläming versprühten Klassentreffenflair und bereiten allen schon weit über eine Stunde vor Beginn einen willkommenen Empfang. Unter den Umständen fühlen sich die Auswärtigen gut aufgehoben.

Bad Belzig als gute Adresse

Das hat beispielsweise Sven Schneider bekräftigt. Er ist der Band nach eigenem Bekunden schon seit den 80ern verbunden. „Ich war aber schon jahrelang nicht mehr bei einem Keimzeit-Konzert gewesen“, sagte der 53-Jährige aus Leipzig. „Aber Bad Belzig ist dafür genau die richtige Adresse.“ Mit dem Fahrrad sei er nach Dienstschluss von seinem Arbeitsort Dessau herübergekommen.

Mit dem Intro „Das alte Schloss“ von Modest Mussorgski begann dann wie versprochen der Auftritt des Sextetts aus Lütte. Von seinem aktuellen Album „Das Schloss“ spielte es dann gleich drei Titel. Sie wurden freilich textsicher mitgesungen und spätestens mit dem Titel „Fliegender Teppich“ waren die Hauptdarsteller des Abends gefunden. Neben Frontmann Norbert Leisegang war es Martin Weigel, die sich zunächst ein fröhliches Wortduell lieferten.

Schlagzeug in vorderster Front

Gleichwohl allen die Spielfreude anzumerken war und jeder Raum zur Entfaltung bekam: Hartmut Leisegang am Bass, Sebastian Piskorz mit der Trompete, Lin Dittmann beim Trommeln, wobei das Schlagzeug ungewöhnlich vorn rechts und damit gut sichtbar platziert war, sowie Johannes Bigge. Der Leipziger hat den wegen Krankheit fehlenden etatmäßigen Pianisten Andreas „Spatz“ Sperling vertreten.

Norbert Leisegang kam obendrein sehr unterhaltsam daher. Er erklärte, wie er nach 50 Jahren einen Ostsee-Wanderurlaub mit der Komposition des Liedes von den Seeigeln verarbeitet hat und außerdem, welche Erkenntnis ihm das Autogramm eine Elfjährigen eingebracht hat.

Mundharmonika sorgt für Gänsehaut

Ungeachtet der Vielfalt von Sprechgesang, Balladen oder Reggae-Nummer wie „Geht schief“ gaben die Gitarren den Ton an. Den etablierten Titel „Ratten“ dekorierte Martin Weigel mit der Mundharmonika und sorgte für die erste Gänsehaut am eigentlich warmen Abend. Seinen Solo-Auftritt bei der Interpretation des Pohlmann-Liedes „Maulwurf“ nutzte er dann nicht nur, um mit einer Träne der Rührung im Auge seinen nahenden Abschied aus der Formation anzudeuten.

„Sehr dankbar für die sieben Jahre“

Martin Weigel gehört seit 2012 zur Gruppe „Keimzeit“. Seinerzeit folgte er auf Rudi Feuerbach.

„Für die vergangenen sieben Jahre bin ich der Band sehr dankbar“, sagt er. Der Abschnitt neigt sich für ihn persönlich dem Ende entgegen. Vor allem der Aufwand, „damit der Zirkus rollt“, könne von ihm nicht mehr geleistet werden.

Der 37-Jährige wird im Oktober zum dritten Mal Vater. Außerdem arbeitet er in der Woche in einer Computerfirma in Bad Belzig. Gleichwohl möchte er in der knapp bemessenen Freizeit weiter musizieren und offen sein für Neues.

Mit „Keimzeit“ steht der Gitarrist noch bis Jahresende auf der Bühne. Dem Akustik-Quintett soll er ebenfalls erhalten bleiben.

Die Band sucht Ersatz. Es sind bereits Kollegen angefragt, wie Bassist Hartmut Leisegang bestätigt hat.

Darüber hinaus appellierte er direkt an die Märker, die am 1. September noch eine Wahltentscheidung zu treffen hätten: „Gebt den Nazis keine Chance!“

Die Klassiker wie „Singapur“, Kling Klang“ und „Sommernächte“ aus den alten Tagen trieben dann die finale Stimmung zum Höhepunkt. Auf vielfachen Wunsch wurde Gilbert Becauds „Natalie“ zum Abschluss gemeinsam zelebriert. Derart beseelt verabredeten sich die Combo und ihre Anhänger vielfach schon für den nächsten Sommer.

Von René Gaffron

Bad Belzig achtet darauf, dass die Spielplätze in Ordnung sind. Viel Geld wird dieses Jahr für die Geräte ausgegeben. Dabei wird darauf geachtet, wie die Attraktionen verteilt werden.

27.07.2019

Neues im Zentrum von Bad Belzig: Die Kritik des Seniorenbeirates gegen das totale Halteverbot in der Straße der Einheit hat gewirkt. Ein zusätzliches Schild wurde nun aufgestellt.

26.07.2019

Zuletzt haben die Fahrgäste des öfteren umsonst auf den Verdichterzug morgens nach Berlin gewartet. Problem sind wohl die die häufig defekten Fahrzeuge. Die Bahn will zuverlässiger werden.

26.07.2019