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Bad Belzig Veganer und ihre Weihnachtshoffnungen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Veganer und ihre Weihnachtshoffnungen
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17:28 26.12.2018
Die Bad Belziger Santiago Arango und Jürgen Hauschke ernähren sich fleischlos. Sie sammeln regionale Pflanzen, Obst und Gemüse und wollen so ein Zeichen für den Tier- und Umweltschutz setzen.
Die Bad Belziger Santiago Arango und Jürgen Hauschke ernähren sich fleischlos. Sie sammeln regionale Pflanzen, Obst und Gemüse und wollen so ein Zeichen für den Tier- und Umweltschutz setzen. Quelle: André Großmann
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Bad Belzig

Die Schlachtung von Tieren lehnt Jürgen Hauschke ab. „Die schlimmsten Zeiten brechen für viele Lebewesen zur Weihnachtszeit an“, kommentiert der Bad Belziger. Deshalb essen der 57-Jährige und seine Frau Karin an den Weihnachtsfeiertagen einen veganen Soja-Rosmarin-Rollbraten.

Verzicht auf tierische Produkte

Früher gehörten Schnitzel, Eisbein und Roulade zu seinen Lieblingsgerichten. Jetzt stehen in der Küche stattdessen Gewürzreis, Walnüsse, vegetarische Burger, Chili sin carne und Hülsenfrüchte auf dem Tisch. So weit wie möglich versucht Hauschke, auf tierische Produkte zu verzichten.

Auch Santiago Arango ernährt sich vegetarisch. Der 29-Jährige lebt ebenfalls in der Hermann-Lielje-Straße. „Beim Kochen muss man lernen, kreativ zu sein“, sagt er. Deshalb vermischt der gebürtige Kolumbianer Reis mit Blumenkohl, Kartoffeln, Olivenöl und schwingt die Bratpfanne.

Seine Freundin Jasmin schaut zu. Für sie beginnt der Klimaschutz auf dem Teller. Die Bad Belzigerin kritisiert, dass die Umwelt durch den Wasser- und Getreideverbrauch und die Treibhausgase, die für die Fleischproduktion entstehen, belastet würde.

Lebensmittel in der Natur gesammelt

Rund um die Geschwister-Scholl-Grundschule sammelt Arango Walnüsse und Haselnüsse. In der Kreisstadt häuft er außerdem Kräuter und Gewürze wie Oregano und Spitzwegerich vom Straßenrand an.

„Eine Stadt, in der überall alles essbar ist und angebaut werden kann, wäre ein Traum“, sagt Arango. Er zeigt auf die Heilpflanze Frauenmantel, deutet auf den Hopfen und fand am Kalkloch nahe der Rehaklinik unter anderem Rotkleeblüten.

Jürgen Hauschke freut sich über das Engagement seines Mitbewohners. Er hofft auf gesellschaftliche Veränderungen. „Dieselben Leute, die auf die Straße gehen und gegen Kohle, Diesel oder die Klimaprobleme demonstrieren, gehen danach auch zu großen Fastfood-Konzernen“, kommentiert der 57-Jährige.

Er wolle niemanden bekehren, sondern überzeugen. „Veganismus ist die einfachste, menschlichste und gesündeste Möglichkeit, den Planeten zu retten“, kommentiert der Bad Belziger. Jeder solle deshalb entscheiden, ob er die Verantwortung für seine Entscheidungen tragen wolle.

Hoffnung auf Umdenken

Hauschke hofft, dass sich mehr Menschen über die Produktionsbedingungen von Lebensmitteln informieren. „Wir müssen schnell umdenken“, sagt das Mitglied der „ Initiative für Natur.“ So hofft er auf andere Lebensweisen und Antriebssysteme im Straßenverkehr. Der Umweltaktivist verrät, dass Veganer auch belächelt und nicht ernst genommen werden.

„Der Junge braucht Fleisch, um groß und stark zu werden, hieß es früher oft“, äußert Hauschke. Er bemängelt, dass die damaligen Bedingungen und Notwendigkeiten nicht mit heute vergleichbar seien, insbesondere bei der Vielfalt der angebotenen Lebensmittel.

Patrick Libor ist hingegen bekennender Fleischesser und häufiger zu Gast in Bad Belziger Restaurants. Er schwört auf sein Rindersteak. „Genuss gehört für mich dazu“, sagt der 31-Jährige. Er würde auf tierische Lebensmittel nur verzichten, wenn es gesundheitlich notwendig wäre.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in diesem Jahr einen Flyer mit Empfehlungen herausgegeben. Hier wird darauf hingewiesen, eine vegane Ernährung sorgfältig zu planen, um ausreichend mit Nährstoffen wie Calcium, Eisen, Jod und Zink versorgt zu sein.

Gegen Konservierungsstoffe

„Man muss sich definitiv mehr mit seinem Essen beschäftigen und genau hinsehen“, sagt Jürgen Hauschke. Dies gelte bei vegetarischen und veganen Produkten auch für chemische Ersatzstoffe in der Zutatenliste. Der Bad Belziger hält es für sinnvoll, auf Konservierungsstoffe zu verzichten und alternativ Lebensmittel aus der Natur zu verwenden.

Ins neue Jahr startet er mit Ehefrau Karin und veganen Drinks. Obwohl die Färbung und Klärung bei Mischprodukten oft über tierische Produkte realisiert wird, hat der Bad Belziger Alternativen gefunden. Zum Start ins Jahr 2019 wird deshalb mit Wasser, veganem Whisky und Wein angestoßen.

Von André Großmann