Weniger Ärger um Trinkerhütte im Bad Belziger Klinkengrund – aber immer mehr Müll
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Bad Belzig Weniger Ärger um Trinkerhütte im Bad Belziger Klinkengrund – aber immer mehr Müll
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Weniger Ärger um Trinkerhütte im Bad Belziger Klinkengrund – aber immer mehr Müll

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18:48 08.10.2020
Lydia Näther ist die Quartierschefin der „Klinke 1“ im Bad Belziger Wohngebiet Klinkengrund. Quelle: Natalie Preißler
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Bad Belzig

Im Klinkengrund, versteckt hinter einem mit buntem Graffiti verkleideten Trafohäuschen, steht das so genannte „Waldcafé“. Bis zu 15 Männer und Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 60 sind hier täglich anzutreffen. Sie sind nicht etwa obdachlos, haben hier aber ihr Domizil für ungestörtes Trinken. Das „Waldcafé“ ist mit den Jahren zum Treffpunkt und überdachte Sitzgelegenheit für Menschen mit Alkoholproblemen geworden. Der Trampelpfad führt von dort direkt zum angrenzenden Supermarkt.

Die „Klinke 1“ als Stadtteil-Treff und Bindeglied

Wer die Trinkerhütte, wie sie auch genannt wird, nicht kennt, dem fällt die Zusammenkunft zwischen den Bäumen und Büschen kaum auf. Und so hält es sich momentan auch mit der Akzeptanz. Die Zusammenkünfte als Konzept der „akzeptierten Suchthilfe“ werden, wenn auch manchmal zähneknirschend, geduldet, der Platz von den Nutzern weitgehend sauber gehalten. Eine mobile Toilette gibt es trotz einiger Vorstöße nicht und ist in naher Zukunft nicht vorgesehen.

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Gegenseitiger Beistand im Alltag: Bad Belzigs Trinker freuten sich 2018 sehr über das Holzhäuschen im Klinkengrund. Quelle: Carsten Tarrach

Kontakt suchen, Probleme angehen

Auch Lydia Näther, Chefin des Quartiersmanagement „Klinke 1“ schaut regelmäßig am „Waldcafé“ vorbei, kommt ins Gespräch, bleibt in Kontakt. Doch dort bleibt man lieber unter sich, möchte oder kann an Quartierseinsätzen nicht teilnehmen, scheut eher den Kontakt mit anderen Bewohnern im Klinkengrund.

Viel mehr macht Näther der Mülltourismus zu schaffen. Es ist weithin bekannt, dass im Wohngebiet Klinkengrund regelmäßig Sperrmüll abgefahren wird, dies nutzen außer den Bewohnern auch andere, um sich Ungeliebtem zu entledigen. „Leider sind auch oft Dinge dabei, die nicht mitgenommen werden“, erzählt sie und nennt beispielhaft Betonstücke oder Elektrogeräte. Das hat die Arbeitsgruppe „Sauberkeit im Quartier“ alle sechs bis acht Wochen auf der Agenda. Hinweistafeln zur Mülltrennung sind ein Ergebnis. Die Wirkung bleibt abzuwarten.

Aktivitäten, Projekte und Mitmachmöglichkeiten für die Menschen im Bad Belziger Klinkengrund werden im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt Klinkengrund“ im Stadtteil-Treff „Klinke 1“ möglich.

Neben einem bestehenden Angebot sind immer auch Ideen der Anwohner gefragt. Zum Beispiel für Angebote, die aus dem Aktionsfonds mit rund 250 Euro gefördert werden könnten.

Immer dienstags zwischen 8 und 10 Uhr und donnerstags zwischen 13 und 15 Uhr hat Sozialarbeiterin Lydia Näther in der „Klinke 1“ ein offenes Ohr für Anliegen der Bewohner.

Weiteres dazu unter www.soziale-stadt-klinkengrund.de

Viel lieber konzentriert sich Sozialarbeiterin Näther gerade auf das, was seit ihrer Ankunft vor gut 18 Monaten, geschafft wurde. Ein funktionierendes Netzwerk, das enger zusammengerückt ist und gemeinsam Projekte plant. „Klinke 1“, Diakonie, Gesundheitsamt, Polizei, alle arbeiten zusammen für ein lebenswertes Miteinander in der „Sozialen Stadt Klinkengrund“. Im Stadtteiltreff ist Platz für regelmäßige Gespräche, Sportangebot und Kreatives. Und immer auch für Anliegen der Anwohner.

Simple Strategien und viel Geduld

Da diese die „Klinke 1“ aber nicht überrennen, versucht es Näther mit simplen, aber wirkungsvollen Strategien. Zum Beispiel ist sie als Ausgabestelle für Gelbe Säcke doch für einige mehr Bad Belziger aus dem Klinkengrund zur Anlaufstelle geworden. Und es bietet sich die Möglichkeit zum Gespräch. Auch feilt sie gerade gemeinsam mit Schulen an Projekten, die im Quartiersmanagement realisierbar sind. „Einfach um über die Kinder auch in Kontakt mit den Eltern treten zu können“, erklärt sie.

Es braucht viel Einfallsreichtum, um die Menschen aus dem Klinkengrund zu bewegen, sich mehr für ihr Quartier und die Nachbarn zu interessieren. Die Jüngeren sind dabei noch schwerer zu greifen, als die Alteingesessenen. „Es braucht Zeit und Geduld“, weiß die 54-Jährige aus Fredersdorf inzwischen und ist zuversichtlich, dass sie am Ende des Projektes „Soziale Stadt“ im Jahr 2026 auf noch mehr Geschafftes zurückblicken kann. Im Anschluss soll der Treffpunkt in der Hans-Marchwitza-Straße ein Selbstläufer werden.

Und kaum steht Näther zur Sprechstundenzeit vor der Tür, wird sie auch schon von einer Anwohnerin angesprochen. Diesmal steht nicht der Müll zur Debatte, sondern eher der Bio-Müll, der von den Wildbirnenbäumen gerade zuhauf die Gehwege teils unpassierbar macht. Aber hier hat Näther schon Abhilfe geschaffen und kann die ältere Dame beruhigen, dass sich hier in den kommenden Tagen etwas tun wird. Und schon geht das Leben im Klinkengrund vorerst wieder seinen Gang.

Von Natalie Preißler