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Bad Belzig Wegen Windpocken: 64 Kinder dürfen nicht zur Schule
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Wegen Windpocken: 64 Kinder dürfen nicht zur Schule
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09:55 29.03.2019
Gegen Windpocken kann eine Schutzimpfung helfen. Quelle: Arne Dedert/dpa
Bad Belzig

Zahlreiche Schüler der Geschwister-Scholl-Grundschule in Bad Belzig dürfen vorerst nicht mehr in die Schule gehen. Von den 432 Mädchen und Jungen seien 64 betroffen, etwa wegen fehlenden Impfschutzes. Das teilte die Pressestelle der Kreisverwaltung am späten Donnerstagnachmittag mit.

Verdacht auf Windpocken bei einem Schüler

Auslöser ist ein Verdachtsfall auf Windpocken bei einem der Schüler, sagte Kai-Uwe Schwinzert, Pressesprecher des Landratsamtes. Mittlerweile sei ein zweites Kind vermutlich auch an Windpocken erkrankt.

Am Mittwoch habe das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark die Geschwister-Scholl-Schule untersucht. Einige Eltern hätten bereits im Vorfeld per E-Mail die Impfbücher übersandt oder informiert, dass sie ihre ungeimpften Kinder zu Hause lassen, so Schwinzert weiter.

„Nicht zu unterschätzen“

Windpocken sind nicht zu unterschätzen“, sagte der Pressesprecher am Donnerstagabend der MAZ. Es könnten Komplikationen wie bakterielle Entzündung der Haut, Lungenentzündung, Gleichgewichtsstörungen und eine Reizung der Hirnhäute bei den Kindern auftreten. Deshalb sei es absolut richtig, wie nun an der Schollschule vorgegangen wird.

>>Lesen Sie auch: In Kleinmachnow gibt es in einer Schule Windpocken

Offiziell seien demnach 64 Besuchsverbote für Schüler ausgesprochen worden. Die Frist der Einschränkung reiche bis 7. April, „sofern nicht zuvor der Ausschluss aufgehoben werden kann“, versicherte Schwinzert.

Erfolgen kann das nur durch Vorlage des Impfbuches oder eines Nachweises, dass eine Windpocken-Krankheit bereits durchlebt wurde. Die Schulleitung holt sodann vom Gesundheitsamt eine Freigabe zum Schulbesuch der betreffenden Kinder ein.

Alltag in Schule durcheinander gebracht

Nach Angaben des Kreissprechers sind derzeit in Potsdam Mittelmark keine flächendeckenden Kontrollen zum Impfschutz sowie Krankheitsfällen von Windpocken und Masern geplant. „Das Gesundheitsamt tritt nur in Aktion, wenn es Verdachtsfälle gibt“, so Schwinzert.

In der Bad Belziger Schule hat das überraschende Auftreten des Gesundheitsamtes „schon für eine ganz schöne Aufregung gesorgt“, erzählt Kathleen Berger, die Vize-Vorsitzende des Schulfördervereins am Donnerstagabend. „Dann lief aber alles ruhig und kontrolliert ab.“ Viele Eltern haben ihre Impfbücher gesucht oder die örtliche Kinderarztpraxis überrannt, um Nachweise zu erhalten. In den Klassen ihrer Töchter fehlte je die Hälfte der Schüler, erzählt Kathleen Berger.

Fehlquote wie bei Grippewelle

Auch für Schulleiterin Ines Michaelis war es „eine besondere Situation, das bringt den Schulalltag schon durcheinander.“ Ihr ging die Meldung der Eltern eines erkrankten Kindes am Montag zu. Daraufhin liefen die Maschinerie des Gesundheitsamtes und die Information der Eltern an. „Wir stehen nun täglich mehrfach in Kontakt mit dem Gesundheitsamt“, so Michaelis.

Schulleiterin Ines Michaelis steht wegen der Windpockenproblematik jetzt täglich im Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Kreises. Quelle: Josephine Mühln

Besondere Schritte zum Nachholen des Unterrichtsstoffes sind nicht geplant. „Das ist wie bei einer größeren Grippewelle, da fehlen bei den 23 Klassen auch mal schnell so viele Schüler“, sagt die Schulchefin. Sie sieht auch die Eltern in der Pflicht: „Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, muss auch mal mit solchen Situationen rechnen.“ Einige hätte die Informationen aber auch gar nicht wahrgenommen oder ignoriert.

Keine Entwarnung vom Kreis

Kai-Uwe Schwinzert kann noch keine Entwarnung geben. Da aktuell damit zu rechnen sei, dass in weiteren Schulen und Kinder-Einrichtungen des Landkreises Erkrankungen bekannt werden, weist die Kreisverwaltung auf die Meldepflichten laut Infektionsschutzgesetzes hin. Als allgemeine Informationsquelle für Eltern und Interessierte dient das Angebot des Robert-Koch-Instituts. 

Im Landkreis gab es in der zurückliegen Woche nach Verdachtsfällen mehrere Kontrollen zum Impfstatus. Von und 400 Schüler der Waldorfschule in Kleinmachnow sind am 21. März durch das Gesundheitsamt 240 Kinder überprüft worden. Es konnten 66 keinen vollständigen Schutz nachweisen und erhielten bis 30. März Schulverbot.

Am 26. März wurden ebenfalls die Impfnachweise von Schülern der Evangelischen Grundschule Kleinmachnow überprüft. Anschließend mussten zehn Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen werden. Am gleichen Tag wurde eine Kindertagesstätte in Stahnsdorf mit 38 Kindern geprüft.

Mehr zum Thema Impfschutz lesen Sie hier im MAZ-Interview mit dem Chefarzt der Kinderklinik Brandenburg an der Havel.

Von Marion von Imhoff und Thomas Wachs

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