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Baumblütenfest in Werder Das sind die Probleme beim Baumblütenfest in Werder
Lokales Potsdam-Mittelmark Baumblütenfest in Werder Das sind die Probleme beim Baumblütenfest in Werder
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19:30 06.05.2019
Das Baumblütenfest in Werder ist am Wochenende zu Ende gegangen. Quelle: Varvara Smirnova
Werder

Das 140. Baumblütenfest in Werder ist vorbei – und trotz positiver Bilanz der Veranstalter bleibt ein bitterer Beigeschmack. Stadt und Polizei sprechen zwar von einem friedlichen Familienfest, doch auch Alkohol- und Drogenmissbrauch, verwüstete Züge und gestiegene Patientenzahlen in den Notaufnahmen der Potsdamer Krankenhäuser gehörten in diesem Jahr wieder zum Baumblütenfest.

Was waren die Probleme?

Die Polizei zieht ein positives Fazit des Festes, trotzdem mussten die Beamten immer wieder eingreifen. Die Zahl der Platzverweise ist laut Pressestelle stark gestiegen, die der 353 registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben – darunter waren vor allem Gewalt- und Drogendelikte.

Insgesamt dürften aufrund des schlechten Wetters deutlich weniger Menschen das Fest besucht haben, dennoch landeten in den Notaufnahmen der Potsdamer Krankenhäuser deutlich mehr Patienten mit Drogen- oder Alkoholvergiftungen. Im St.-Josefs-Krankenhaus waren es rund 20 Prozent mehr Patienten als im Vorjahr. „Das ist dieses Jahr eine starke Zunahme und in dieser Form trotz des Wetters bedenklich“, sagt Krankenhaussprecher Benjamin Stengl.

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Nach den guten Entwicklungen in den vergangenen Jahren, als die medizinischen Notfallzelte auf dem Festgelände erstmals eingerichtet wurden, sei dies ein Rückschritt. Das Klinikum Ernst von Bergmann bestätigt das. „In der Erwachsenen-Notaufnahme hatten wir deutlich mehr Fälle als im Vorjahr“, sagt Sprecherin Theresa Decker. In beiden Potsdamer Krankenhäusern wird zur Baumblüte das Personal der Notaufnahmen aufgestockt.

Die Krankenhäuser weisen zudem auf das Problem des Drogenmischkonsums hin. Gerade bei den 18- bis 22-Jährigen seien neben Alkohol immer häufiger auch andere Substanzen im Spiel, sagt Sprengl vom St.-Josefs-Krankenhaus. „Das ist sehr stark zu beobachten.“

Wie viele Besucher in den Notfallzelten behandelt wurden, kann die Stadt nicht sagen. Auch offizielle Besucherzahlen gibt es nicht.

Was sagt die Stadt zum Fest?

Auch Bürgermeisterin Manuela Saß beklagt „Randalierer und Spinner“, die bereits alkoholisiert und unter Drogeneinfluss angereist seien. „Auch das soziale Miteinander besteht leider nicht immer“, sagt sie. „Wenn jemand die Wirkung des Obstweins unterschätzt hat, wird er von Freunden manchmal einfach liegengelassen.“Aus ihrer Sicht ist das Baumblütenfest trotzdem gelungen. „Das Wetter hat gehalten und es gab viele tolle Momente.“

Was sagen die Händler?

Obstweinproduzent Stefan Lindicke hatte vier Obstwein-Stände auf dem Fest. Den übermäßigen Alkoholkonsum Jugendlicher sieht er weniger akut: „Ich weiß nicht, ob die betrunkenen Jugendlichen immer jünger werden. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass man selbst gleichzeitig immer älter wird“. Aber wenn man sich alte Filmaufnahmen des Baumblütenfestes ansehe, sagt er, habe es auch früher immer schon Menschen gegeben, die zu viel Alkohol trinken.

Die Obstweinproduzenten treibt in diesem Jahr dafür ein anderes Problem um: „Wegen des mäßigen Wetters gab es weniger Gäste. Das hat bei uns in diesem Jahr 20 bis 30 Prozent weniger Umsatz als sonst ausgemacht“, sagt Lindicke. Mit seinen Ständen in den Obstgärten leide er besonders unter dem schlechteren Wetter, das sich weniger stark auf die immer gut besuchten Plätze im Zentrum der Stadt auswirke.

Was muss sich ändern?

Bürgermeisterin Manuela Saß sieht in dem übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen ein gesellschaftliches Problem. „Dem müssen wir uns auch beim Baumblütenfest verstärkt stellen“, sagt sie. Bereits in diesem Jahr gab es in Werder zum ersten Mal zusätzliche Streifen von Sozialarbeitern, die Jugendliche zu weniger Alkoholkonsum anhalten sollten. Dieses Konzept sei nach den ersten Rückmeldungen der Sozialarbeiter ein Erfolg. Von den Jugendlichen seien die Streifen sehr gut angenommen worden.

Obstbauer Stefan Lindicke plädiert dafür, auch die Eltern stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Wir Standbetreiber können nur den Ausweis der Jugendlichen kontrollieren.“ Die Aufklärung aber müsse zu Hause stattfinden.

Der Initiative von Wilhelm Wils ist es zu verdanken, dass das Werderaner Blütenfest schon 140 Jahre alt ist. In der Vorstandssitzung des Obstzüchtervereins im März 1879 hatte er beantragt, den Höhepunkt der Baumblüte in den Berliner Blättern bekannt zu geben.

Der Antrag wurde beschlossen und noch im selben Jahr in die Tat umgesetzt. Schon am ersten Blütensonntag sollen Tausende Besucher mit zwei Sonderzügen nach Werder gekommen sein. Bis heute hat sich das Fest gehalten – und ist einer der Höhepunkte im Stadtleben von Werder.

Von Ansgar Nehls

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