Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Beelitz Zum ersten Mal in 70 Jahren: Federn-Fachmann zeigt seine Sammlung im Naturpark Nuthe-Nieplitz
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Zum ersten Mal in 70 Jahren: Federn-Fachmann zeigt seine Sammlung im Naturpark Nuthe-Nieplitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 26.09.2019
Lothar Kalbe mit Mauserfedern von Rotmilan und Fischadler. Teile seiner Sammlung sind ab dem 1. Oktober im Naturparkzentrum zu sehen. Quelle: Jens Steglich
Stücken

Er hat sie nicht gezählt – die Federn und Vogelarten, von denen das Gefieder stammt. Es sind viele. Lothar Kalbe vermutet, dass er etwa 200.000 Federn von 200 Vogelarten besitzt. Die kleinsten Federn sind zwei bis vier Zentimeter groß und schmückten einst Zaunkönig oder Goldhähnchen; die größten trugen Seeadler und Großtrappe.

43 Zentimeter ist die Schwanzfeder eines Seeadlers lang. Sie lag zwischen Federn einer Graugans. Der Seeadler hat die Gans geschlagen und gerupft und dabei selbst eine Feder verloren. Lothar Kalbe hat sie gefunden. „In der Regel stammen die Federn von Totfunden oder von Rupfungen von Greifvögeln“, sagt er. Habicht, Sperber und Co. erbeuten Vögel, reißen ihnen die Federn aus und erst dann wird die Beute gefressen. Das Gefieder wird nicht irgendwo gerupft. „Die Greifvögel haben ihre Rupfungsstellen. Wo sie rupfen, ist der Horst nicht weit“, sagt Kalbe. Wer die Stellen kennt, weiß, wo die Greifvögel den Nachwuchs großziehen und wo die Federn der Beute zu finden sind.

„Federn sagen mehr als 1000 Worte“

Der Ornithologe aus Stücken zeigt jetzt einen kleinen Teil seiner privaten Federsammlung erstmals in einer Ausstellung. Am 1. Oktober, 18 Uhr, wird sie im Naturparkzentrum am Wildgehege im Glauer Tal eröffnet. „Federn sagen mehr als 1000 Worte“, heißt die Schau, die bis Ende November zu sehen ist.

Federn der Großtrappe, eine der schwersten fliegenden Vogelarten. Quelle: Jens Steglich

Angefangen hat alles schon in den 1930er Jahren. „Die Sammlung hat damals mein Vater Ernst Kalbe begründet“, sagt der Sohn, der sie nach dem Krieg fortführte. Es war auch der Vater, der in ihm das Interesse an der Vogelwelt weckte. Der gebürtige Leipziger, der in Stücken lebt, fängt schon als 14-Jähriger an, Vögel zu beobachten. Er kommt 1949 in die Oberschule und findet dort zwei Gleichgesinnte in der Klasse. Sie gehen zusammen raus in die Natur und schauen sich durch Papprollen wie durch Ferngläser die Vogelwelt an. Kurz nach dem Krieg waren richtige Ferngläser rar.

Das Federsammeln ist in Deutschland nur mit Genehmigung erlaubt

Der Vater ordnete die ersten Vogelfedern noch nach Farben und Formen. Der Sohn hat später alle Großfedern ausgemessen, sie aufgeklebt, den Arten zugeordnet und die Sammlung, die stetig wuchs, digital in einer Datei festgehalten.

>>> Lesen Sie über den Naturpark Nuthe-Nieplitz:

Ranger-Interview: „Der Job ist nicht idyllisch, aber die Natur ist es“

Spende an den Naturpark: Geld für ein Wild-Fernrohr

Bestandsaufnahme im Naturpark: Wo der Eremit lebt

„Das Federsammeln ist in Deutschland nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde erlaubt“, sagt Kalbe. Für die Strenge gibt es gute Gründe: So soll die Gefahr klein gehalten werden, dass die Leidenschaft mit den Sammlern durchgeht und sie Vögel fangen oder schießen, nur um ans Gefieder heranzukommen. Für den Ornithologen gilt das klare Prinzip: „Für die Federsammlung werden keine Vögel getötet, da können sie noch so schön sein.“

Die schönsten Vögel werden „fliegende Edelsteine“ genannt

Die Vögel mit den schönsten Federn werden „fliegende Edelsteine“ genannt. Zu dieser Gruppe gehören etwa der Eisvogel und die Blaurake. Lothar Kalbe hat solche Federn in seiner Sammlung, auch von der Blaurake, die in Brandenburg inzwischen als ausgestorben gilt. „Diese Federn stammen von einer Rupfung in der Schorfheide“, erzählt er. Kalbe hatte die Federn zu DDR-Zeiten dort gefunden. Es dürfte sich um einen der letzten Brutvögel dieser Art im Brandenburger Gebiet gehandelt haben, bevor die Blaurake hierzulande verschwand.

Wozu aber sammelt er Federn? „Zum einen sehen sie toll aus und sind interessant.“ Es habe aber auch eine wissenschaftliche Bedeutung. „Man bekommt so eine Übersicht, was Greifvögel für Beute machen, welche Arten sie bevorzugen“, so Kalbe, „manchmal werden sogar mit den Federfunden Erstnachweise über das Vorkommen von Vogelarten in bestimmten Gebieten erbracht.“

Geräuschfreies Fliegen: Federn von Eulen sind speziell strukturiert

Die Federn aus seiner Sammlung stammen aus Deutschland und Europa, die meisten aus der Nuthe-Nieplitz-Region, Kalbes Stammrevier für seine Vogelbeobachtungen. Welche Beute bevorzugen hiesige Greifvögel? Haussperlinge, Finken und Kohlmeisen. Die Kohlmeise ist kein Meister der Tarnung, verhält sich recht auffällig und gehört wohl deshalb zu den meist erbeuteten Vögeln im Nuthe-Nieplitz-Gebiet.

Elisabeth Hoffmann vom Landschaftsförderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung im Naturparkzentrum am Wildgehege Glauer Tal.. Quelle: Jens Steglich

Lothar Kalbe faszinieren vor allem die verschiedenen Strukturen und Farben der Federn. „Die Federn von Eulen zum Beispiel sind speziell strukturiert, um ein geräuschfreies Fliegen zu ermöglichen“, erzählt er. Sie sind besonders weich und die äußeren Schwingen besitzen einen sägeartig geschnittenen Saum. „Wenn eine Gans fliegt, hört man das weithin, wenn eine Eule fliegt, hört man gar nichts“, sagt Kalbe, der einen Lieblingsvogel hat: „Der Gänsesäger ist eigentlich ein Entenvogel, der aber fast so groß ist wie eine Gans“, sagt der Experte.

>>> Noch mehr über den Naturpark:

20 Jahre Wildgehege Glauer Tal und Naturparkzentrum

UN-Ehrung für Steinkauz-Projekt zwischen Nuthe und Nieplitz

Naturpark Nuthe-Nieplitz besteht seit zwei Jahrzenten

Der Schnabel ist wie eine Säge geformt. Hat sich der Vogel erst einmal einen glitschigen Fisch geschnappt, entkommt die Beute diesem Schnabel nicht mehr. Den Gänsesägern war Lothar Kalbe schon als junger Kerl in Sachsen auf der Spur. Später folgte er ihnen bis nach Skandinavien. „In Nordnorwegen mausern sie ihr Großgefieder. An diesem Mauserplatz finden sich jedes Jahr 60.000 Gänsesäger-Erpel ein.“ Ein Eldorado für Ornithologen und für Federsammler.

Von Jens Steglich

Ein Beziehungsstreit in Beelitz löste einen Polizeieinsatz aus. Die Beamten fanden den Mann mit blutenden Verletzungen und seine Freundin mit Bauchschmerzen vor.

25.09.2019

Die Abo Wind AG will am Rand von Treuenbrietzen eine Photovoltaikanlage errichten. Grundsätzlich gibt es Zuspruch von Politik und Verwaltung. Kritische Töne schlägt die betroffene Landwirtin an.

24.09.2019

Der BUND hat am Freitagabend zum Dialogabend nach Beelitz eingeladen. Thema: die Rückkehr des Wolfes. Bürger äußerten ihre Sorgen, Experten gaben Tipps. Einer davon: Der Wolf darf nicht lernen, dass Schafe und Kälber schmecken.

21.09.2019