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Beelitz Ende einer Ära: Beelitzer Dosensuppen-Werk schließt
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Ende einer Ära: Beelitzer Dosensuppen-Werk schließt
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19:51 09.10.2019
Der traditionsreiche Beelitzer Werk, in dem einst Kindernahrung und später Dosensuppen hergestellt wurden, schließt Ende des Jahres. Quelle: Friedrich Bungert
Beelitz

In Beelitz geht eine Ära zu Ende. Der niederländische Lebensmittelhersteller Struik Foods schließt sein Werk in der Spargelstadt. „Derzeit ist es so, dass zum 31. Dezember 2019 die Türen geschlossen werden“, sagte Karin Höpfner, Geschäftsführerin des Beelitzer Betriebes. Trotz der vorsichtigen Formulierung hat sie keine große Hoffnung mehr, dass sich daran noch etwas ändern könnte. „Es ist nicht unser Bestreben. Es ist eine Entscheidung, die im niederländischen Konzern gefallen ist“, sagte sie. Grund ist eine Umstrukturierung im Unternehmen. „Die Produktion soll in den Niederlanden konzentriert werden, um Kosten zu sparen“, so Höpfner, die hinzufügte: „Unwirtschaftlich war der Standort in Beelitz nicht.“

Betroffen sind 45 Mitarbeiter, denen bereits gekündigt wurde

Betroffen sind 45 Angestellte, die ihre Kündigungen bereits erhalten haben. „Für mich ist es sehr emotional, Mitarbeitern die Kündigungen geben zu müssen. Es ist immer ein gutes Arbeitsklima gewesen, es war immer ein gutes Team“, sagte sie. Gerüchte, der Betrieb könnte schließen, gab es schon vor einigen Wochen. Die Geschäftsführung wollte auf MAZ-Anfrage im Mai diese Gerüchte nicht bestätigen.

Karin Höpfner arbeitet seit 1969 in dem Beelitzer Betrieb. Jetzt muss sie Ende des Jahres die Türen für immer schließen. „Es wird sehr emotional. Wahrscheinlich wird es immer schlimmer, je näher der Tag kommt“, sagte sie. Quelle: dpa-Zentralbild

Im Beelitzer Werk, in dem Suppen der Marke Sonnen Bassermann hergestellt werden, ist die Produktion bereits heruntergefahren worden. Jetzt arbeiten laut Geschäftsführerin noch 18 Leute im Einschichtsystem und stellen täglich 50.000 bis 60.000 Dosen her. In guten Zeiten wurde in zwei Schichten gearbeitet. Den Beelitzer Betrieb verließen täglich 120.000 Dosen. „Im Jahr wurden etwa 30 Millionen Dosen abgefüllt“, sagte Karin Höpfner, die seit 1969 im Werk arbeitet. Von Beelitz aus wurden und werden noch die großen Marktführer Edeka, Norma, Aldi Nord und Süd beispielsweise mit Linsen- und Erbsensuppen oder mit Frühlings- und Wirsingeintopf beliefert. Produziert wurde auch für den niederländischen Markt.

Zum Sortiment gehört auch die Beelitzer Spargel-Cremesuppe – mit Edelgemüse vom Spargelhof Jakobs. Quelle: Jens Steglich

Ins Sortiment schaffte es auch die Beelitzer Spargel-Cremesuppe, die vor fünf Jahren erstmals in Dosen auf den Markt kam. „Um die tut es mir am meisten leid“, sagte Höpfner.

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Struik Foods hatte das Werk in der Clara-Zetkin-Straße 2004 übernommen. Die Tradition des Standortes reicht bis in die 1930er Jahre zurück. Zu DDR-Zeiten wurde in Beelitz Kindernahrung in Gläsern hergestellt und die ganze Republik damit versorgt. Der Betrieb hieß Bekina – eine Abkürzung, die für Beelitzer Kindernahrung stand. Nach der Wende und der Privatisierung gab es mehrere Eigentümerwechsel, bis 2004 Struik Foods einstieg und die Produktion auf Dosensuppen konzentrierte.

Für die Stadt ist es ein großer Verlust

Das Aus für den Traditionsstandort „ist für die Mitarbeiter und die Stadt ein großer Verlust“, sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (UKB). „Es war ein Vorzeigeunternehmen für uns, das auch regionale Produkte veredelt hat.“ Und: „Struik Foods war immer an unserer Seite, wenn es darum ging, die Stadt zu repräsentieren. Das Unternehmen unterstützte alle Feste, den Kulturverein oder die SG Blau Weiß Beelitz. Es bricht auch ein Stück liebgewordenes Beelitz mit weg und es tut weh, diesen Partner zu verlieren“, sagte er.

Wie es nach der Schließung auf dem Areal weiter geht, ist noch unklar

Wie es nach der Werksschließung auf dem Gelände in der Clara-Zetkin-Straße weiter geht, ist noch unklar. Das Areal gehört zum größten Teil Struik Foods, nur ein kleines Stück Land am Verwaltungsgebäude gehört der Stadt. „Wir haben mehrere Investorengespräche geführt. Es gibt Interessenten, die sich ein Engagement vorstellen könnten“, sagte Knuth. Neue Industrieansiedlungen sieht er dort eher nicht, weil das Areal von Wohnhäusern umgeben ist. Beelitz könne sich aber ein eigenes Engagement vorstellen, um im Zusammenspiel mit anderen Unternehmen das Gelände zu entwickeln. „Wenn sich kein neuer Investor findet, würden wir als Stadt mit einsteigen wollen, damit dort keine Brache entsteht“, sagte Knuth.

Bekina und Struik Foods GmbH

Als Struik Foods im Jahr 2004 das Beelitzer Bekina-Werk übernahm, wurde das holländische Unternehmen als Retter gefeiert.

Der Beelitzer Betrieb gehörte vorher zur Numico-Gruppe. Sie hatte 2003 angekündigt, den Produktionsstandort in Beelitz mit den damals 85 Mitarbeitern schließen zu wollen.

Struik Foods stellte die Produktion von Babynahrung auf Dosensuppen um und investierte 2010 sogar in eine neue Produktionsanlage. Firmengründer Hans Struik wurde für sein Engagement in Beelitz 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Von Jens Steglich

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