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Beelitz Mit Herz und Solidarität
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05:09 21.12.2018
Polizeihauptkommissar Dieter Richter, Leiter des Polizeireviers Beelitz, und Polizeibeamtin Marita Münzner mit mehr als 90 Spendenkartons voll Spielzeug und Süßigkeiten für die Weihnachtsfeier von Frank Zander im Berliner Hotel Estrel.
Polizeihauptkommissar Dieter Richter, Leiter des Polizeireviers Beelitz, und Polizeibeamtin Marita Münzner mit mehr als 90 Spendenkartons voll Spielzeug und Süßigkeiten für die Weihnachtsfeier von Frank Zander im Berliner Hotel Estrel. Quelle: Claudia Krause
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Beelitz

In der Weihnachtszeit sind die Herzen weiter. Das ist gut so. Auch die Beelitzer denken seit Wochen wieder stärker an Menschen, die es „nicht so dicke haben“ und geben Spenden ab. Zum Beispiel im Polizeirevier in der Clara-Zetkin-Straße 197. Dort stapeln sich mehr als 90 gepackte Kartons mit Spielsachen und Süßigkeiten. Allein 50  blaue Säcke sind prall gefüllt mit Plüschtieren. Außerdem stehen Roller, Fahrräder, Dreiräder und Puppenwagen, schwere Bücher-Taschen und 700 selbst gebastelte Sterne bereit, um verschenkt zu werden.

Die Fuhre geht heute mit zwei Transportern – gesponsert von der Polizei und Spargelbauer Jürgen Jakobs – ab nach Berlin zum Estrel-Hotel, wo die 24. Weihnachtsfeier von Musiker Frank Zander für mehr als 3000 Obdachlose und bedürftige Menschen stattfindet. Seit zehn Jahren unterstützt auch die Polizei aus Brandenburg diese Feier.

Frank Zander (vorn, hier mit Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller, SPD) serviert im Hotel Estrel ein Weihnachtsessen für Obdachlose. Quelle: Jens Kalaene/DPA

Eine der Hauptsammelstellen ist neben dem Präsidium in Potsdam die Beelitzer Wache, in der die Initiatorin Marita Münzner arbeitet. Die Polizeibeamtin hält nicht nur die Fäden zwischen den vier Direktionen zusammen, sondern sortiert selbst, kontrolliert, säubert, repariert, bastelt und packt. „Jedes gespendete Stück geht drei-, viermal durch die Hände“, versichert die Beamtin, damit die Beschenkten in Berlin keine Enttäuschung erleben. „Alles wird auf Vollständigkeit geprüft. Die Bedienungsanleitung darf nicht fehlen. Wenn nötig, wird repariert und werden neue Batterien gekauft. Wir waschen selbst oder lassen reinigen und zählen sogar die Puzzles alle nach“, sagt Revierleiter Dieter Richter. Über die Freizeitstunden, Geld für Sprit, Ersatzteile, Säuberung und Beiwerk mag er nicht sprechen.

Aber mit großer Hochachtung erzählt der Hauptkommissar von den vielen Helfern in Familie und Nachbarschaft und dankt besonders den Beelitzern für ihre große Spendenfreudigkeit: „Es wird übers Jahr immer mehr. Ab Oktober läuft’s hier auf Hochtouren.“ Für Kollegin Münzner ist längst klar: „Ohne die Beelitzer Bürger, die Vereine, Schulklassen und Kindergärten wäre die Aktion nicht so erfolgreich. Allen gebührt ein großes Dankeschön.“

Die Anlaufstellen für Spenden

Das Beelitzer Polizeirevier, Clara-Zetkin-Straße 197, nimmt das ganze Jahr über ausschließlich Spielzeug für die Frank-Zander-Weihnachtsfeier entgegen.

Die Beelitzer Kleiderkammer ist täglich von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Die Tafel reicht Montag, Mittwoch und Freitag ab 14 Uhr Lebensmittel aus. Sie befindet sich in der Berliner Straße 27a in der Spargelstadt. Weitere Ehrenamtler (besonders Fahrer) sind willkommen. Zu erreichen ist die Kleiderkammer unter Tel. 033204/6 17 19 oder mobil unter Tel. 0170/3 40 09 46 sowie per Mail an gabriela-schrader@web.de

Beelitzer Kinderhilfsfonds: Kontakt über Stadt Beelitz Tel.: 033204/39 10

Wenn heute die Feier im Berliner Estrel-Hotel steigt, stehen bis zu 14 Ehrenamtler am Stand der „Polizei Land Brandenburg“ und reichen die guten Gaben – auch aus Beelitz – aus. „Die Kinder dort wählen meistens nur ein Spielzeug. Sie sind sehr bescheiden, aber unglaublich dankbar“, weiß Hauptkommissar Richter. Wenn gar ein Erwachsener nach einem Plüschtier fragt und es mit strahlenden Augen an seine Brust drückt, „dann sind das Momente, die an die Nieren gehen.“ Ein gemeinsames Foto mit Frank Zander hat er zwar nicht, aber die Hand des Musikers schon oft gedrückt. „Zander ist ein echter Kumpel“, findet der Revierchef von Beelitz.

Kleiderkammer gut gefüllt

Nicht mit Prominenz, dafür mit solidem finanziellen Fundament und verlässlichen Partnern schafft es die Beelitzer Tafel auch in ihrem 15. Jahr, bedürftigen Menschen in Beelitz und der Gemeinde Seddiner See mit Lebensmitteln, Kleidung, Haushaltswaren, Möbeln, Elektrogeräten und Spielzeug zu helfen. „Es funktioniert. Wir haben keine Sorgen“, freut sich Gabriela Schrader, die neben einem Vollzeitjob als Angestellte ehrenamtlich die Tafel unter dem Dach des Vereins „Kindersorgen – Sorgenkinder“ führt. Im Jahr 2005 hatte dieser die städtische Kleiderkammer übernommen. 26  Männer und Frauen, darunter Rentner und Flüchtlinge, helfen der 58-Jährigen in der Kleiderkammer und bei der Tafel in der Berliner Straße 27a. Dank der großen Bereitschaft der Beelitzer, die „auf jeden Fall solidarisch sind“, bleiben die Räume und Lager stets gut gefüllt. Und das Tafel-Auto rollt seit Jahren ohne Not, weil für seine Spritladungen eine Beelitzerin aufkommt, die anonym bleiben will.

Auch in Beelitz greifen die Kleiderkammer und die Tafel, die von Gabriela Schrader geführt werden, Hilfsbedürftigen unter die Arme. Quelle: Claudia Krause

Etwa 150 Menschen – hinter den meisten steht noch eine mehrköpfige Familie – holen sich wöchentlich für „ganz, ganz wenig Geld“ dort Dinge zum Leben und Wohlerfühlen. Kindersachen gibt’s schon für 20  Cent, eine Couch ist für 20 Euro zu haben. Der kleine Obolus ist nötig, um die Betriebskosten für das kommunale Gebäude zu zahlen, das „die Stadt dankenswerterweise 2014 vor unserem Einzug sanieren ließ“, so Schrader. Rentner und Kranke bekommen den Einkauf geliefert – das betrifft zurzeit 13 Menschen in Beelitz und Seddiner See. Andererseits können Spender dieser beiden Gemeinden ihre Sachen von daheim abholen lassen.

Kein „Krieg“ zwischen den Tafeln

Weder unter den Klienten noch benachbarten Tafeln gebe es „Krieg“, versichert Gabriela Schrader. Die Beelitzer haben gute Kontakte und viele Unterstützer – die meisten in der eigenen Stadt und deren Ortsteilen, aber auch in Seddiner See.

Noch jung im Reigen der traditionellen Spendenaktionen ist der städtische Kinderhilfsfonds, der auf Initiative des Beelitzer Bürgermeisters, Bernhard Knuth, im November 2016 eingerichtet wurde. Private und Firmen überweisen Geld, damit mit Sachleistungen bedürftigen Menschen geholfen werden kann. Das war bisher mit 6300 Euro schon möglich. Eine Fichtenwalder Familie, deren Haus gebrannt hat, bekam für die Kinder Erstausstattungen an Schul- und Spielsachen von der Stadt. Zum Jahresende werden rund 7000 Euro auf dem Konto des Beelitzer Kinderhilfsfonds sein, das im nächsten Jahr unter anderem zur Anschaffung von Schulutensilien für Kinder aus sozial schwachen Familien genutzt wird, so Bürgermeister Knuth.

Von Claudia Krause