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Beelitz Heidelbeerproduzenten auf Wachstumskurs
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Heidelbeerproduzenten auf Wachstumskurs
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21:00 03.07.2019
Fertig zum Pflücken: Die brandenburgische Heidelbeersaison wurde am Mittwoch von Spargelkönigin Kristin Reich in Klaistow eröffnet.
Fertig zum Pflücken: Die brandenburgische Heidelbeersaison wurde am Mittwoch von Spargelkönigin Kristin Reich in Klaistow eröffnet. Quelle: Varvara Smirnova
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Klaistow

Die Heidelbeere ist in der Region weiter auf dem Vormarsch. Die Nachfrage steigt und die Anbaufläche mit ihr. Brandenburgweit wächst sie seit Jahren stetig – allein von 2017  auf 2018 nahm die Fläche, auf denen die blauen Beeren wachsen, um gut 50 Hektar auf 331 Hektar zu. Einer der größten Produzenten im Land ist der Spargel- und Erlebnishof in Klaistow, wo am Mittwoch die diesjährige Heidelbeersaison eröffnet wurde. „Hier in der Region haben wir auf 180 Hektar Heidelbeeren“, sagte Hofchef Ernst-August Winkelmann. Der offizielle Start der Ernte auf seinem Hof hatte am Mittwoch fast die Dimension und die Promi-Dichte des traditionellen Spargelanstiches erreicht. Auch so ein Zeichen, dass da eine Frucht heranreift, die großes Potenzial hat.

„Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir mit unseren Heidelbeeren bestehen können“, sagte Winkelmann, der hinzufügte, es werde aber kein Spaziergang. Vorher hatte er noch erwähnt, dass aktuell eine Gruppe amerikanischer Großinvestoren in der Wüste in Marokko 6000 Hektar Heidelbeeren anbauen. In ganz Deutschland liegt die Anbaufläche für die blauen Beeren bei etwa 2000 Hektar.

Erlebnishof-Chef Ernst-August Winkelmann begrüßte die Besucher. Auf seinem Hof in Klaistow wurde am Mittwoch die diesjährige Heidelbeersaison eröffnet. Quelle: V. Smirnova

„Die Heidelbeere aber liebt die natürlichen Standorte. Sie braucht den Mykorrhiza-Pilz und der wächst im Wald“, sagte Winkelmann. „Deshalb sind unsere Standorte in der Region natürlich privilegierte Räume für die Heidelbeere“ – im Gegensatz zu Anbauflächen in Peru oder in der Wüste in Marokko. Er glaube zudem fest daran, dass Produkte aus der Region für die Region am Ende bei den Kunden hierzulande die Nase vorn haben werden.

Für diese Saison rechnet Winkelmann mit einem Ernteertrag von etwa 900 Tonnen Heidelbeeren. Das sind zwar 100 Tonnen mehr als 2018, „aber 20 Prozent weniger als erhofft“. Nach dem Hitze-Juni mag man es kaum glauben: Es war der Frost, der Heidelbeerbauern einen Strich durch die Rechnung machte. „Wir hatten am 13. Mai um 6 Uhr morgens hier im Wald 8,1 Grad – minus“, sagte Winkelmann. Die frühen Heidelbeersorten wurden durch den Maifrost dezimiert. Den späteren Sorten konnte die Maikälte nichts anhaben. Es hängen inzwischen jedenfalls genug Beeren an den Sträuchern, um auch die Selbstpflücke-Saison zu starten. Laut Winkelmann können Heidelbeerfreunde ab dem 10. Juli auf den Plantagen bei Klaistow die Blauen mit den eigenen Händen ernten. Die Heidelbeersaison läuft noch bis Ende September/Anfang Oktober.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) mit einer Heidelbeere zwischen den Fingern. In Klaistow eröffnete er die Brandenburger Heidelbeersaison. Quelle: Julian Stähle/dpa-Zentralbild

Winkelmanns Betrieb will bei der Heidelbeere auch in Zukunft auf Wachstum setzen. Er sprach sogar von einer starken Ausdehnung der Anbaufläche, die in den nächsten zehn Jahren von 180 auf 360 Hektar ausgebaut werden soll. Angefangen hatte der Klaistower Spargelhof 2004 mit zehn Hektar Heidelbeeren. Überlegt werde, den Ausbau des Heidelbeeranbaus mit einem Waldumbau zu kombinieren, sagte Winkelmann. Kiefernmonokulturen könnten an anderer Stelle durch Mischwälder ersetzt werden.

Landwirtschaft und Gartenbau sieht Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD) vor allem auch wegen des Klimawandels vor großen Herausforderungen. „Wir werden uns umstellen müssen“, sagte auch Winkelmann. Ob wegen der zunehmenden Wärme in Zukunft auch andere Beeren-Sorten aus südlicheren Gefilden angepflanzt werden müssten, sei aber noch eine offene Frage. Investieren werde der Betrieb auch in eine Frostschutzberegnung, um die Pflanzen vor später Kälte schützen zu können. „Und wir werden mehr Beregnungsgenehmigungen brauchen“, sagte Winkelmann.

„Wir haben den genauen Überblick über die Wassersituation im Boden“: Sven Hager ist im Klaistower Betrieb für die Produktion verantwortlich. Quelle: Julian Stähle

Die Heidelbeersträucher bei Klaistow werden per Tröpfchenbewässerung versorgt. Für jeden Brunnen, der für die Bewässerung nötig ist, braucht es eine Genehmigung, sagte Sven Hager, der im Klaistower Betrieb für die Produktion verantwortlich ist. So ein Verfahren, bei dem unter anderem eine hydrologisches Gutachten zu erstellen ist, dauere von der Idee bis zur Umsetzung etwa zwei Jahre, so Hager. Bis ein Brunnen mit Stromanschluss und Leitungen fertig ist, fallen Kosten zwischen 35.000 und 90.000 Euro an. Im Untergrund sei genug Wasser, sagte er: „Wir nehmen niemandem Wasser weg.“ So eine Tröpfchenbewässerung bezeichnete er als „überlebenswichtig, um qualitativ hochwertige Heidelbeeren zu entwickeln“.

Es sind wassersparende Systeme, die das Nass in den Boden bringen und die Verdunstung gering halten. „Die weltgrößten Hersteller der Tröpfchenbewässerung sitzen in Israel“, sagte Hager. In Klaistow erfolgt die Beregnung computergesteuert. „Wir haben den genauen Überblick über die Wassersituation im Boden.“

Um den Boden ohne Bewässerung gut zu durchfeuchten, „müsste es jetzt drei Mal 50 Liter pro Quadratmeter regnen“, so Hager. Dann könnten die Klaistower ihre Tröpfchenbewässerung abstellen.

Potsdam-Mittelmark ist Spitzenreiter

In Brandenburg haben sich 25 Betriebe auf den Anbau von Kulturheidelbeeren spezialisiert, die auf einer Fläche von 331 Hektar wachsen.

Laut Landwirtschaftsministerium ist Brandenburgs Spitzenreiter der Landkreis Potsdam-Mittelmark, der es auf rund 273 Hektar bringt.

2018 wurden brandenburgweit rund 11 302 Dezitonnen geerntet. Ein ähnlicher Ertrag wird auch 2019 erwartet. Damit ist die Heidelbeere Brandenburgs zweitwichtigste Strauchbeerenart nach dem Sanddorn.

Von Jens Steglich