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Beelitz Dauerstreit wegen Schießlärm hält an
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Dauerstreit wegen Schießlärm hält an
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19:21 18.05.2018
Lautlos geht das nicht: Reservistenwettbewerb der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Brück/Lehnin.
Lautlos geht das nicht: Reservistenwettbewerb der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Brück/Lehnin. Quelle: Julian Stähle
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Brück

Der Lärm, der vom Truppenübungsplatz ausgeht, wird ein Problem bleiben. Das zeichnet sich nach einem Informations- und Erfahrungsaustausch ab. Zu der Veranstaltung hatte die Bundeswehr in dieser Woche eingeladen. 14 Kommunalpolitiker aus der Umgebung waren dazu in die Fläming-Kaserne gekommen. Sie und die Militärs haben offenbar zunächst andere Definitionen von den Belastungen.

Lokalpolitiker lassen sich auf dem Truppenübungsplatz Brück/Lehnin über die Schießübungen informieren. Quelle: Andreas Koska

„Die Häuser haben gewackelt“, berichtete Borkwaldes Bürgermeisterin Renate Krüger (Linke) von ihren Erlebnissen im vergangenen November. Marion Urban, ebenfalls Abgeordnete in der Waldgemeinde, pflichtet ihr mit Nachdruck bei. 27 Beschwerden seien damals eingegangen, bestätigt die Armee. „In dieser Zeit gab es allerdings nicht eine Überschreitung der Grenzwerte“, versicherte Oberstleutnant Michael Vormwald mit Blick auf seine Statistik. Er ist Kommandeur aller Übungsplätze in Ostdeutschland.

Demnach gab es von April 2017 bis März 2018 für Brück/Lehnin lediglich zehn solcher unzulässigen Ausschläge am Tage und einen nachts. Zulässig seien insgesamt 18 pro Jahr, was fünf Prozent aller Schießtage wären. Lautstärken von 137 Dezibel direkt an der Grenze des Geländes sowie 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel in der Nacht lauten die Richtwerte, die in den benachbarten Siedlungen nicht überschritten werden sollten.

Computerprogramm berechnet den Schießlärm vorab

Schon bei Anmeldung eines Schießens würden die möglichen Auswirkungen geprüft, wie die Teilnehmer der Runde erfuhren. Demnach werden Daten wie Waffengattung und Wetterlage in ein Computerprogramm namens Win-Lärm eingegeben. Nicht alles könne dabei berücksichtigt werden. Tiefhängende Wolken und hohe Luftfeuchtigkeit, die damals wohl herrschten, könnten die Reflexion des Schalls begünstigt haben. Dennoch hätten die letztlich gemessenen Ergebnisse keine Beanstandungen zur Folge gehabt, behauptete Michael Vormwald. „Alles regelkonform.“

Container und Wald sollen Schutz bieten

Trotzdem handelt es sich um ein sensibles Thema, wie Marico Klingler als Standortälteste weiß. Deshalb werde nicht an Sonn- und Feiertagen geschossen und eine zweiwöchige Weihnachtspause eingelegt. Sie bekräftigte, dass stete Messungen beibehalten werden und berichtete von einigen zusätzlichen Vorhaben, die in Zukunft zur Lärmreduzierung beitragen sollen. So sollen die Abschussstellungen noch weiter ins Zentrum des Geländes rücken. Im Süden ist an den Aufbau von 20 Containern nicht zuletzt dem Schallschutz dienen. Waldumbau ist eine weitere längerfristige Strategie, wie es hieß. Eine von Ulf Dingelstädt aus Cammer angeregte gänzlich neue Ausrichtung der Sprengplätze sei keine Alternative.

Zwei Sprengplätze, zwölf Schießbahnen

Der Truppenübungsplatz Lehnin/Brück ist 72 Quadratkilometer groß. Die jeweils längste Nord-Süd und Ost-West-Ausdehnung beträgt elf Kilometer.

Auf dem Areal befinden sich zwei Sprengplätze, zwölf Schießbahnen . Eine Handwaffenschießbahn ist noch im Bau.

Beim Schießen kommen nur Bordmaschinenkanonen, Granatmaschinenwaffen, Leuchtbüchsen und der Panzerabwehrlenkflugkörper „Milan“ zum Einsatz. Bei Sprengungen dürfen maximal zehn Kilogramm zur Detonation gebracht t werden. Es werden keine Kampfpanzer eingesetzt; Bomben, Artillerie oder Mörser verwendet.

Bei der Bundesforst, der Bundeswehr-Feuerwehr sind rund 140 Personen tätig, dazu kommen 22 stationierte Soldaten und sechs Zivilangestellte der Bundeswehr unter der Leitung von Major Mariko Klingler.

Indes staunten die Lokalpolitiker nicht schlecht, als ihnen erklärt wurde, dass es neben dem regulären Schießen auch „Übungen“ gibt. Dabei kämen Platzpatronen, Darstellungsmittel und Pyrotechnik zum Einsatz – ohne dass deren Lärmwirkung kontrolliert werden muss.

Dialog wird fortgeführt

Man wolle im Dialog bleiben. „Früher haben sich die Soldaten öfter in den Orten sehen lassen“, stellte der Brücker Bürgermeister Matthias Schimanowski fest. „Wenn der Kontakt gepflegt wird, erhöht das die Akzeptanz“, sagte Dirk Borgwardt, Ortsvorsteher aus Damelang-Freienthal. Immerhin wird der Brauch gepflegt, zum Tag des Baumes mit Kindern aus der Nachbarschaft in Aktion zu treten.

Insgesamt haben 50 Kinder aus Lehnin und Borkheide 200 Esskastanien gemeinsam mit der Bundesforst und anderen Partnern auf dem Militärareal gepflanzt. Quelle: Anja Reinholz

Von Andreas Koska

13.05.2018
01.05.2018