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Beelitz Spargel wächst sieben Zentimeter pro Tag
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Spargel wächst sieben Zentimeter pro Tag
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09:16 13.04.2018
Auf dem Hof "Spargelhof Märkerland" fand am Donnerstag die offizielle Spargelsaisoneröffnung statt. Agrarminister Jörg Vogelsänger eröffnete zusammen mit der Spargelkönigin Laura Luisa Kramer die Ernte auf einem Feld bei Elsholtz. Foto: Julian Stähle Quelle: Julian Stähle
Beelitz

Erst bewegte sich gar nichts in den Dämmen, jetzt kommt das Stangengemüse mit aller Macht. Sonne und Wärme sorgen dafür, dass der Spargel jetzt bis zu sieben Zentimeter pro Tag wächst. So, als wollte das Edelgemüse die im kühlen März verlorene Zeit wieder aufholen. Die Spargelstecher werden in den nächsten Tagen viel zu tun bekommen. Zum Beelitzer Spargelanstich am Donnerstag auf dem Spargelhof Märkerland in Schlunkendorf war der Freilandspargel noch knapp. Spargelvereinsvorsitzender Jürgen Jakobs sprach denn auch von einer Punktlandung bei der Wahl des Termins für den offiziellen Saisonstart, der dieses Jahr ziemlich genau auf den tatsächlichen Erntebeginn fällt.

Spargelbauern hoffen auf 10.000 Tonnen Ernteertrag

An warmen Sonnen-Tagen werden auf den Jakobsfeldern bald 20.000 Kilo pro Tag geerntet. Insgesamt erwarten die Beelitzer Spargelbauern, die auf gut 1700 Hektar das Stangengemüse anbauen, einen Ernteertrag von 10 000 Tonnen. Das entspricht etwa der Erntemenge des vergangenen Jahres, als Dank des milden Wetters und mit Folieneinsatz schon im März Freiland-Spargel geerntet wurde. „Die Spargelbauern müssen jetzt in kürzerer Zeit die gleiche Menge ernten und die Leute müssen in kürzerer Zeit die gleiche Menge Spargel essen“, gab Manfred Schmidt, langjähriger Spargelvereinsvorsitzender, als Aufgabe auf.

Noch aber ist der Spargel knapp, was sich auch am Preis ablesen lässt. „Diese Woche kostet das Kilo 1-A-Spargel zwischen 13 und 14,90 Euro“, sagte Jakobs. Er geht davon aus, dass der Kilopreis für den besten Spargel nächste Woche unter die 13-Euro-Marke fällt und die Stangen aus Beelitz ab Anfang Mai unter zehn Euro kosten werden. Die Marke „Beelitzer Spargel“ ist jetzt EU-weit geschützt, wie Agrar-Minister Jörg Vogelsänger (SPD) betonte. Die Europäische Kommission hatte den Beelitzer Spargel am 15. März in die Liste der geschützten Produkte aufgenommen.

Auf diese Meldungen haben viele Brandenburger sehnsüchtig gewartet. Die Spargelsaison ist eröffnet. Am Donnerstag ist in Beelitz der erste Spargel gestochen worden. Mit dabei – die Spargelkönigin und der brandenburgische Landwirtschaftsminister. Unser Fotograf hat die schönsten Momente festgehalten.

Die lange Spargeltradition begründete der Glasermeister und Ackerbauer Karl Friedrich Wilhelm Herrmann, der 1861 in Beelitz den ersten Spargel pflanzte. In Schlunkendorf, wo dieses Jahr der Saisonstart gefeiert wurde, führte Opa Willi das Edelgemüse ein. Das ist der Großvater von Bernhard Falkenthal vom Märkerland-Hof, der mit seinem Sohn Gastgeber der Spargelanstich-Party war. Opa Willi setzte in Schlunkendorf am Schwarzen Weg die erste Spargelpflanze ein und legte damit den Grundstein, dass die Felder rund um den Ort heute zum Herz des Beelitzer Anbaugebietes gehören. Der Großvater suchte sich für seine Pioniertat eine ungewöhnliche Zeit aus. Den ersten Spargel in Schlunkendorf setzte er im Fronturlaub in die Erde, erzählte Enkel Bernhard Falkenthal. Opa Willi ignorierte dafür ein Verbot des Hitlerregimes, das den Spargelanbau untersagte, weil es keine kriegswichtige Frucht war. Kartoffeln und Getreide sollten die Bauern liefern.

Dieses Jahr Gastgeber beim Beelitzer Spargelanstich: Bernhard Falkenthal vom Spargelhof Märkerländ in Schlunkendorf. Quelle: Julian Stähle

Auf den Feldern der Falkenthals soll die Spargelernte in drei Tagen beginnen. Auf den Dämmen des Erlebnishofes Klaistow wird derweil schon „die Unterfolie auf weiß gelegt, um das Wachstum zu bremsen, weil ich meine Mitarbeiter gleichmäßig mit Arbeit versorgen will“, so Hofinhaber Ernst-August Winkelmann. „Ohne Folie als Steuerungsinstrument ist Spargelanbau in Deutschland heute nicht mehr möglich“, sagte er. Eine Stunde vor dem Anstich sendeten Winkelmann und weitere Spargelbauern das Signal aus, dass Landwirte auch Naturschützer sein wollen. Vertreter des Beelitzer Spargelvereins und des Blühstreifenvereins unterzeichneten mit Bürgermeister Bernhard Knuth eine Vereinbarung gegen das Insektensterben und für den Erhalt von Artenvielfalt.

Das Bündnis will im Spargelland neue Blühflächen als Lebensraum für Biene, Hummel und Co. schaffen. Die Spargelhöfe stellen je Betrieb 0,5 bis drei Hektar Flächen dafür zur Verfügung. Manche, wie der Hof von Ernst-August Winkelmann, deutlich mehr. Der Anstoß für diese Entwicklung kam 2017 von der Blühstreifeninitiative, die Kerstin und Lutz Pahl aus Buchholz ins Leben gerufen haben. „Wir sind froh, dass der Blühstreifenverein so erfolgreich die Herzen der Leute für Bienen und Insekten geöffnet hat“, sagte Kordula Isermann, Leiterin des Naturparks Nuthe-Nieplitz.

70 Hektar Blühflächen wurden 2017 geschaffen

Der 2017 gegründete Verein Blühstreifen-Beelitz war bereits im ersten Jahr erfolgreich.

In Zusammenarbeit mit Landwirten und anderen privaten Landeigentümern konnten 70 Hektar für das Anlegen von Blühflächen in der Beelitzer Region gesichert werden. 50 Hektar davon stellte der Spargel- und Erlebnishof Klaistow zur Verfügung.

„Diese Saison sind weitere 45 Hektar verabredet“, sagte Initiatorin Kerstin Pahl. Mit der unterzeichneten Vereinbarung mit neun Spargelbetrieben kommen weitere Flächen hinzu.

Landwirte und Spargelbauern, die Flächen bereitstellen, bekommen keinen Ausgleich dafür. „Brandenburg ist das einzige Land, dass dies nicht fördert“, so Pahl.

Der Blühstreifen-Verein hat sich auf die Fahnen geschrieben, Blühflächen und damit neuen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Also für jene kleinen Tiere, die als Bestäuber der Pflanzen für eine gedeckten Tisch sorgen, selbst aber in Bedrängnis geraten sind, weil viele Feldraine, Wildblumenwiesen und Heckenstreifen aus der Landschaft verschwunden sind.

Von Jens Steglich

Installateurmeister Thomas Göde in Beelitz schwärmt für seinen Beruf. Er führt sein Handwerk in der dritten Generation. Vater Wolfgang Göde gründete vor 40 Jahren den heutigen Familienbetrieb. In dieser Zeit hat die Firma Höhen erlebt und Tiefen durchwandert. Die Firma engagiert sich auch im gesellschaftlichen Bereich.

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